Der kurze Roman "Hotel Angst" beschreibt die Suche eines Mannes nach der Identität seines Vaters.
Als Kind hat der Du-Erzähler einige Sommer in Ligurien im Urlaub verbracht. Der Vater, so erinnert er sich, war dann ein ganz anderer Mensch, nicht der graue Statiker, der seine Träume vom Architektenberuf für die Familie begraben hat. In den Ferien versuchte er an seinem Traum zu arbeiten, einer Wiedereröffnung des Jahrhundertwendehotels "Angst".
Nach dem Tod des Vaters reist der Sohn erneut an das alte Urlaubsziel, während der Bruder daheim die Haushaltsauflösung regelt. Er erkennt, dass er von seinem Vater nie alle Seiten gekannt hat. Er ist verblüfft, als ein Freund seines Vaters ihm einen Umschlag reicht, der die Vorarbeiten zu einem Roman über das Hotel "Angst" enthält, das den Vater lange Jahre beschäftigte. Sein Vater war kein Literat, aber doch ein Mensch, der in einer eigenen Welt lebte, der vergangenen, als der Tourismus in Italien begann und Engländer Ligurien als Fluchtort vor den Wintern auf der Insel entdeckten, die Ruhe suchten und sie damit zerstörten.
Den Roman durchzieht das Gefühl der Melancholie und das Bekenntnis zu Verfall. Er zeigt, wie nahe die Angst vor dem Tod und die Sehnsucht nach einer Idylle verwebt sind - und er beschreibt einen realen Ort im realen Italien mit seiner Geschichte.
Die Geschichte ist in einem Tonfall geschrieben, lakonisch, unaufgeregt, beinahe beiläufig, der dem Roman eine enorme Glaubwürdigkeit verleiht. Es spielt beim Lesen keine Rolle, ob der Roman autobiographische Elemente hat. Die geschilderte Familie ist alltäglich und auch der Erkenntnisprozess, dass man eine andere Person nur in einer ihrer Rollen kennenlernt, ist ein universelles, übertragbares. Das macht den Roman so lesenswert. Es ist keine Bewältigung einer schweren Kindheit, keine Psychostudie, sondern eine zum Denken anregende Abhandlung über die Frage, wie gut man Menschen kennen kann, selbst wenn sie nahe stehen.