Ich weiß nicht, wie oft ich schon gehört und gelesen habe, wie schlecht dieses Album ist. „Hot Space", 1982 erschienen, wird in der Regel von Kritikern und denen, die als solche gerne wahrgenommen werden wollen, in der Luft zerrissen. Lustlosigkeit, Untreue und das Anbiedern an damals vorherrschende musikalische Strömungen werden den vier Musikern von Queen immer und immer wieder vorgeworfen, wenn man auf „Hot Space" zu sprechen kommt. Tatsache ist, dass man bei all der Schelte den Eindruck bekommt, diese „Kritik" könnte eventuell recht kritiklos von einigen Nörglern, von denen einer wohl aus der Band selber kam, übernommen worden sein, ohne sie auch nur für eine Sekunde zu überprüfen. Tatsache ist auch, dass das Album „Hot Space" eine besondere Herzensangelegenheit Freddie Mercurys war, und dass er wohl in der Band einige harte Kämpfe hat führen müssen, bis die musikalische Idee von „Hot Space" verwirklicht werden konnte.
Der meistgehörte Vorwurf ist, dass die Band ihren Wurzeln mit diesem Werk nicht treu geblieben sei. Hier muss doch vor allem einmal angemerkt werden, dass es sich bei Queen nicht um eine Gruppe wie die Rolling Stones oder Led Zeppelin handelte. Das wird gerne vergessen. Denn diese Bands hatten ganz klar definierte Wurzeln, über deren Einhaltung sich die einzelnen Gruppenmitglieder doch mehr oder weniger einig waren. Bei Queen haben wir es aber mit vier Männern zu tun, deren musikalische Vorstellungen von Anfang an recht unterschiedlich waren. Darüber hinaus waren alle Mitglieder aber bereit, Kompromisse einzugehen und von ihren eigenen Vorstellungen mal mehr, mal weniger Abstand zu nehmen. Das führte dazu, dass es nicht die EINE Musikrichtung bei Queen zu hören gab. Der Queen-Stil bestand darin, sich nicht auf einen Stil festlegen zu lassen. Ständig wurde mit Stilen gebrochen, wurden die verschiedensten Richtungen angerissen. Es wurde probiert, verworfen, getestet und wieder etwas Neues begonnen. Deshalb sind Queen ihren musikalischen Wurzeln schon viel früher als bei „Hot Space" „untreu" geworden. Dass das vor allem für Deutsche nicht ganz einfach zu verstehen ist, ist übrigens genauso ein Klischee wie die Behauptung, das Album „Hot Space" sei „ein Makel in der Erfolgsgeschichte von Queen". (Ich gehe hier bewusst auf eine weitere Rezension auf dieser Seite ein) Denn „Hot Space" ist bei Weitem kein Makel in der Geschichte von Queen. Im Gegenteil: Es ist eine Perle. Vor allem dann, wenn man das Album als einen Mosaikstein in der Entwicklungsgeschichte dieser Band begreift, und wenn man versteht, dass Queen eben nicht so „eindimensional" waren, immer nur Rock, Rock und nochmals Rock zu spielen. Davor ziehe immer wieder ich den Hut, denn hiefür benötigt man eine Menge Mut.
Ich mag dieses Album gerade weil es so anders ist. Denn hierin liegt die Tradition der Gruppe Queen. Und wer genau hinhört, der merkt eben doch, dass es sich hier nicht um das Album einer x-beliebigen Band handelt, sondern dass eine waschechte Queen-CD vor ihm liegt.