Zurück in die Zukunft mit Krawall, guter Laune und dem Allerbesten, was man von den Veteranen fast schon nicht mehr erwarten konnte. Dieses Album ist – das wird schon beim allerersten Hören sonnenklar – ein Knaller. Es sind bestens aufgelegte Beastie Boys mit einem Rückgriff auf ihre allerbesten Qualitäten, ohne den jazzy Ballast, ohne die mitunter arg bemühten Instrumental-Ausuferungen. Dafür mit überbordender Lust am Krawall, an Songs voller Spaß und hinterfotziger Prolligkeit, die– man weiß das bei den Beastie Boys ja schon seit ihrem Debüt – nie ohne doppelten Boden agiert, aber wiederum ohne jeglichen Zeigefinger-Gestus auskommt. Mit zwei Jahren Verspätung erscheint „Hot Sauce Committee“, geschuldet ist das der Erkrankung von Adam Yauch (deshalb auch gleich „Part 2“), und man hatte trotz der vielversprechenden ersten Hörproben nicht wirklich gewagt, auf das perfekte Beastie-Boys-Revisited-Album zu hoffen. Genau das ist es aber geworden. „Make Some Noise“ ist das Credo nicht nur des Openers, ein fast schon zu perfekt angelegter Rückgriff auf die ganz frühen Rabauken-Zeiten. Es gibt einige dieser Klopper. Zum Beispiel das schon vor zwei Jahren erstmals veröffentlichte, nachdrücklich schiebende und mit breitem Dröhnpegel angelegte „Too Many Rappers“, das mit (dem aus heutiger Sicht ja auch schon Veteranen) Nas eine sehr markante Zusatzstimme zu bieten hat. Oder „Say It“, eine schier unfassbar gutlaunige Headbanger-Rap-Hymne, die so nur die Beastie Boys überhaupt hinbekommen. Und natürlich das rüde heruntergerotzte „Lee Majors Come Again“ eine High-Speed-Hardcore-Nummer im „Sabotage“-Erinnerungs-Modus. Es gibt natürlich auch die etwas ruhiger angelegten Stücke, mit den typisch verspielten, dennoch straight funktionierenden Soundspielereien, den Quietsch-Sequenzen, den Tempo- und Frequenzverschiebungen, der eigentümlich stotternden Rhythmik und den dann deutlicher zu identifizierenden Trio-Raps mit ihrer immer noch beeindruckend effektiven Stafettenwechsel-Dynamik und der unverwechselbaren Quengel-Charakteristik. Man kann „Hot Sauce Committee“ unschwer ins Gesamtwerk der Beastie Boys einordnen, nämlich in die Lücke zwischen „Ill Communication“ und „Hello Nasty“, als der bis dato über jeden Zweifel erhabene Output erstmals so etwas wie ein Schwächeln zeigte, nicht mehr unantastbar war in Sachen Vorndransein bei Stil und Entertainment. Danach wurde es dann wahlweise eher still oder anstrengend, wenn man denn mal das strikt Oldschool-orientierte und nach anderen Regeln agierende Post-Twin-Towers-Album „To The 5 Boroughs“ außen vor lässt. Vor ungefähr 15 Jahren tat sich diese Lücke auf und es mutet schon ein wenig obskur an, dass man diesen etwas verpassten Anschluss heute einfach so nachholt, als ob sich im HipHop nicht besonders viel getan hat seitdem – was sich denn auch nicht ohne Weiteres von der Hand weisen lässt, auch, wenn die Beasties immer mehr waren als nur eine HipHop-Band. Aber mal ehrlich: Andere Beastie Boys, als diese im Jahr 2011 wieder kompromisslos gute Band, möchte man nicht mehr. Schon gar nicht nach diesem Album, das die Latte für den Spaßfaktor an Musik in diesem Jahr für jeden anderen unerreichbar hoch gelegt hat.
Kurzbeschreibung
Vier Jahre nach ihrem mit einem Grammy ausgezeichneten Instrumental-Album
The Mix-Up meldet sich die einflussreichste und erfolgreichste Rap-Formation der Geschichte zurück. Das achte Studioalbum des New Yorker Trios Mike D (Michael Diamond, drums & vocals), MCA (Adam Yauch, bass & vocals) und Ad-Rock (Adam Horovitz, guitar & vocals) sollte ursprünglich unter dem Titel
Hot Sauce Committee Part I im September 2009 erscheinen. Wegen der plötzlichen Krebserkrankung von Adam Yauch musste das Album zunächst verschoben werden. Dennoch erhielt die damalige Vorab-Single
Too Many Rappers, ein Duett mit Rapper Nas, 2010 eine Grammy-Nominierung ("Best Rap Performance By A Duo Or Group").
Ebenfalls schon 2009 erhältlich war das Punkrockstück
Lee Majors Come Again sowie der Track,
Here’s A Little Somethin‘ For Ya, der auf dem Videospiel „DJ Hero“ vertreten war. Beide Stücke werden in überarbeiteten Versionen auf
Hot Sauce Committee Part II zu hören sein, auf dem sich insgesamt 16 neue Beastie Boys-Songs befinden. Produziert wurde das Album wie immer von der Band selbst.
Über 40 Millionen verkaufte Tonträger weltweit, davon 22 Millionen in den USA; insgesamt zehn Grammy-Nominierungen, drei gewonnen (1999 für
Hello Nasty als "Best Alternative Performance" und in der Kategorie "Best Rap Performance By A Duo Or Group" für die Single
Intergalactic sowie 2008 für das Instrumental-Album
The Mix-Up; in den Listen des US-Magazins "Rolling Stone" wird der Hit
Sabotage (von
Ill Communication, 1984) auf Platz 475 der besten 500 Songs aller Zeiten geführt; die Beastie Boys selbst stehen auf Platz 77 der 100 besten Künstler aller Zeiten
Doppel Vinyl (Details: 2 x 12’’ Heavyweight Vinyl mit 2 bedruckten Innenhüllen im Gatefold. Zusätzlich dabei: Bügelbild, Download Karte mit einmaligem Code und einer magenta farbenen 7’’ Vinyl mit 2 Bonustracks)