Zappas zweites Solo-Album gilt bis heute eigentlich als einer der Meilensteine des Jazz-Rock und als einer der musikalischen Höhepunkte in seiner gesamten Discography, und zwar völlig zurecht.
Schon der opener ,Peaches' ist eine Wundertüte an Melodien, exakt gespielt, klar strukturiert, abwechslungsreich und von Harmonien durchsetzt die man dann sogar eher schon in der Klassik orten könnte.
,Willie The Pimp' mit den abgefahrenen Don Van Vliet Vocals ist dann tatsächlich vom blues kommender Jazzrock mit viel Platz für Improvisation und selten glänzte Zappa an der Gitarre so wie auf diesem Stück, denn er treibt diesen song ständig nach vorn.
Auch das Thema von ,Son Of Mr. Green Genes' ist dann wieder stark der modernen Klassik geschuldet, das Stück als Ganzes perfekt durcharrangiert, die Bläsersätze kommen dann schon wieder vom Jazz, die rhytmische Begleitung bleibt aber sehr rockig. Sehr schön hier - Don Harris' Violinen Solo, das auch wiederum im Jazz verankert ist. Toll auch der kurze, ganz treibende Schlagezug Part zu Beginn des letzten Drittels dieses Tracks der dann wieder in eine Variation des Hauptthemas überleitet.
,Little Umbrellas' ist dann - bis auf den Bass - ein fast akkustisches Stück, das ebenfalls stark durchkomponiert ist und bei dem sogar eine Blockflöte zum Einsatz kommt.
Die ,Gumbo Variations' beginnen dann mit einem schnellen rockigen Gitarrenriff. Ian Underwoods darauffolgendes Saxophonsolo variiert das Riff und insgesamt ist das wohl das Jazz-Rock Stück, das Miles Davis Ansatz in dieser Richtung am Nächsten kommt (Bitches Brew erschien ja etwa zeitgleich), denn auch hier spürt man am Schlagzeug einen für Zappa recht seltenen, funkigen Einfluss. Großartig wie einfühlsam und treibend Schlagzeuger Paul Humphrey hier mit den Solisten mitgeht. Ein recht einfaches Thema eigentlich aus dem die Solisten - allen voran Underwood und Harris - das Maximum herausholen. Die CD Version ist übrigens um satte 4 Minuten länger als auf dem Vinyl Original.
Das am Klavier relaxt und definitiv jazzig beginnende ,It Must Be A Camel' hat dann ein zwar recht schräges Thema, das von den Bläsern gespielt wird ist aber rhythmisch extrem interessant und erinnert in seiner Stimmung wiederum an die expressionistische Klassik. Neben Zappa's wiederum bemerkenswertem Gitarrensolo ist hier auch Jean-Luc Ponty an der Geige zu hören (meines Wissens sein erster Auftritt auf einem Zappa Album).
Anzumerken wäre zu diesem Wunderwerk noch, dass zwei spätere Gitarrengenies hier einen ihrer frühen Auftritte haben - Shuggie Otis spielt den Bass auf ,Peaches' und Lowell George angeblich (da nicht in den credits erwähnt) irgendwo Rythmusgitarre.
Hot Rats ist auf jeden Fall eine absolute Pflichtplatte für alle die die musikalische Entwicklung der späten 60er und 70er Jahre verstehen wollen und: sie ist eigentlich gar nicht schwer zu hören, weil es von allen Zappa Instrumental Platten (von Captain Beefheart's Kurzauftritt bei ,Pimp' mal abgesehen) die wahrscheinlich eingängigsten Motive und einen sehr schönen flow hat. Ausserdem öffnete es vielen Rock-Fans ihre Ohren für den Jazz.