Am meisten Lob hat sich Calexico mit dieser Platte deshalb verdient, weil die Band konsequent ihren mit der Vorgänger-CD "The Black Light" eingeschlagenen Weg weitergeht (ohne sich jedoch dabei bloß zu wiederholen). Dazu gehört eine ganze Menge Mut, zu seinen (exzellenten)musikalischen Vorstellungen zu stehen. Erzählt man nämlich jemandem, dass eine Band Akkordeon, Mariachi-Trompeten und Vibraphon einsetzt, wird er sich häufig schon abwenden, bevor man zu Ende gesoprochen hat. Zu fest verwurzelt sind - gerade bei der Zielgruppe der Hörer von sogenannter U-Musik - die Assoziationen an Seemansromantik und Musikantenstadl. Wer sich aber auf die Platte einlässt, kann seine Hörgewohnheiten wie sonst selten weiterentwickeln. Bei "Hot Rail" muss man genau hinhören, da die leisen, subtilen Töne dominieren. Die Stücke entfalten sich langsam aus einfachen, fast monotonen Rhythmen und leisen Melodien. Teilweise sind es eher Ton-Collagen als Songs. Erst am Schluss ergibt sich ein Gesamtbild- daher werden die Calexico-Platten oft als Soundtrack empfunden. Für mich entstehen Bilder regungsloser Landschaften, die von einer unentrinnbaren Hitze gepeinigt werden. Jede Bewegung erstarrt, die Gedanken werden angenehm träge. Nur die Mariachi-Einlagen rütteln den Zuhörer immer wieder kurz auf, um ihn aber sofort spüren zu lassen, dass er wieder nur einer Fata Morgana aufgesessen ist. Eine ähnliche Stimmung kenne ich nur von "Siesta" von Miles Davis. "Hot Rail" verdient eigentlich 6 Sterne.