Nach dem Erfolg der Mission auf Muunilinst steuert der Millenium Falcon nun Leias eigentliches Ziel an, Delaya, den Schwesterplaneten Alderaans, auf dem sich die Mehrheit der Überlebenden Alderaaner als Flüchtlinge eingefunden hat. Offiziell kommt Leia zwar um ihrem Volk Mut zuzusprechen, doch insgeheim soll ihre Mission dazu dienen Rekruten für die Rebellen-Allianz anzuwerben. Doch die offizielle Tour mit Delayas Premier und seinem Stellvertreter verbirgt die wahre Situation der Flüchtlinge, wie Luke leidvoll erfahren muss, als er anstatt Leias von diesen entführt wird. Delayas Regierung sackt die Spendengelder ein, pfercht das Gros der ohne Vermögen zurückgebliebener Alderaaner jedoch in aufgelassene Fabriken. Die Schuld daran geben Lukes Entführer Leia und ihrem Vater, die Alderaan gegen den Willen des Volkes in einen Krieg gestürzt haben, anstatt wie es der Tradition entspricht friedlich zu bleiben, dann hätte das Imperium gewiss nicht zum Schlag ausgeholt und einen ganzen Planeten vernichtet. Weiterer Ärger ist also vorprogrammiert...
Nach den häufigen Schauplatzwechseln in Target ist Hostage in dieser Hinsicht gewissermaßen ernüchternd, einmal auf Delaya angekommen bleibt die Hanldung bis auf einige Rückblenden mit der Welt in Alderaans Schatten verbunden. Auch die Handlung ist obwohl immer noch mit der nötigen Dosis Spannung versehen, im Mittelteil schwach und lässt kein Gefühl einer gegenwärtigen Bedrohung aufkommen. Aber damit muss man bei einem Jugendbuch eben rechnen und kann sich mit einer für eingefleischte Fans und Kenner der Reihen aus Jude Watsons Feder nicht ganz uninteressanten Nebenhandlung und Enthüllung trösten. Doch zunächst zur zentralen Thematik von Hostage, die Leia Organa in das Rampenlicht rückt.
Als einzig verbliebene Angehörige des alderaanischen Königshauses und ehemalige Senatorin ist Leia alles was den Überlebenden der Katastrophe geblieben ist, doch wie in der Comic-Duologie "A Little Piece of Home" stößt sie bei ihren Bemühungen, die Alderaaner für die Rebellion zu gewinnen auf vehementen und letztlich lebensgefährlichen Widerstand. Eine aus der Prequel-Trilogie bekannte Politikverdrossenheit lässt manche der Überlebenden der Familie Organa die Schuld an der Zerstörung Alderaans anlasten und setzt diese auf die gleiche Stufe mit der entwürdigenden Behandlung der Flüchtlinge, von denen Leia zunächst nichts weiß. Seltsamerweise spielt Alex Wheeler diese "politische" Karte nicht ganz aus, wohl weil damit befürchtet wird, Fehler der Prequels zu wiederholen. Somit bleibt die Tatsache zweitrangig, dass mit Alderaans Zerstörung die Exporte Delayas eingebrochen sind und damit folglich Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, während tausende Flüchtlinge zuströmen und die Regierung ziemlich auf sich allein gestellt ist. In diesem Sinne der jugendbuchgerechten Vereinfachung werden auch die Ressentiments gegenüber Leia einer kleinen Gruppe zugeschrieben, die sogar bereit wären für die Ansiedlung auf einem neuen Planeten Leia an das Imperium zu verraten. Seltsam mutet Kennern diverser neuerer Star Wars-Romane womöglich Leias pochen auf das "greater good" an, ist dieses in Hostage doch einmal positiv besetzt.
Mit Leias intensiverer Darstellung verbunden ist auch Fess Ilee, der zunächst als Freund Bail Organas und Dummschwätzer beschrieben wird, den Leia als jemanden beschreibt der es zu Stande bringt ungemein viel zu erzählen ohne irgendetwas damit auszusagen. Wie wir erfahren ist Fess kein geringerer als Ferus Olin, dessen wahrer Name Luke durch die Macht zugeflüstert wird. Ferus hat seinen am Ende von Last of the Jedi gefassten Beschluss wahr gemacht und Leia ihr Leben lang beschützt, bis ihr Schiff angeblich im Outer Rim zerstört wurde. Auf Wunsch Bail Organas brach er zu Ermittlungen auf und entkam so Alderaans Zerstörung. Doch Fess Ilee hat sich gegenüber dem Jedi-Padawan der er einst war und dem Rebellen der aus ihm nach Order 66 wurde stark verändert. Er musste jemand werden der er eigentlich nie sein wollte, ein Spiegel, unsichtbar, ohne eigene Meinung und diese Rolle lässt sich nach all den Jahren nicht ganz ohne Probleme ablegen. Durch Ferus, der von Leias Bruder weiß, wird selbige als all das dargestellt was Luke nicht ist, nämlich ohne Spuren der dunklen Seite, während Luke in Hostage wütend wird und dabei schon sehr an Anakin erinnert. Noch darf Ferus allerdings nichts von all dem wovon er weiß enthüllen. Obi-Wans Machtgeist, der am Anfang des Bandes auch Yoda erscheint und mit diesem über Lukes Zukunft berät, bittet ihn, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten.
Wie sehr sich Rebel Force an den Filmen der klassischen Trilogie anstatt den Prequels orientiert merkt man in Hostage vor allem an der Darstellung des Zwiegesprächs Yodas und Obi-Wans, welches als Prolog dient. Anstatt sich den Report von Obi-Wans Geist anzuhören, isst Yoda lieber zuerst und diskutiert erst dann mit ihm die Parallelen Lukes und Anakins. Anstatt ihn wie seinen Vater zu früh zu viel anzulasten wollen sie ihn seinen Weg zunächst alleine gehen lassen, auch wenn sie ein wachsames Auge auf und gewisse Pläne für ihn haben, denn er ist noch nicht soweit.
Mit Ferus Olin schafft man eine exklusive Verbindung zu vorangegangenen Jugendbuchreihen, verwebt dies mit der neuen Handlung um X-7, erklärt das Handeln der Jedi durch Obi-Wans Machtgeist und nimmt mehrfach deutliche Anleihen bei Episode IV - in Hostage zeigt sich Rebel Force sehr wandlungsfähig und reich an unterschiedlichen Facetten. Dennoch merkt man dem Buch seine Zielgruppe gelegentlich an, auch wenn die Reihe vor allem auf Englisch eine lesens- und vor allem preiswerte Lektüre für ältere Fan-Generationen ist. Alex Wheeler konzentriert sich zwar auf eine simple Handlung, reichert diese allerdings mit vielen Details an, die etwas tiefer blicken lassen. Wie in Target nutzt Wheeler auch diesmal Rückblenden um einen neuen Charakter samt Hintergrundgeschichte vorzustellen, nach X-7 nun Ferus Olin alias Fess Ilee, der damit nicht ganz unerwartet wohl eine tragende Rolle in der Serie übernehmen dürfte.
Fazit:
Im Grunde wenig spektakulär, aber dennoch eine amüsante und interessante Lektüre mit klassischem Star Wars-Flair.