Horus Rising ist ein Buch, das im Warhammer 40k-Universum von Games Workshop angesiedelt ist. Für mich als Spieler war das Buch allein deswegen interessant, weil es einen wichtigen Teil des Hintergrundes genauer beleuchtet. Das fällt natürlich weg, wenn man die Spiele nicht spielt, aber ich würde sagen, auch dann bleibt es ein überdurchschnittlicher SF-Roman.
GW hat sich lange gescheut, zu detailliert auf die Geschichte des großen Bruderkriegs einzugehen. Mit Recht, wie ich denke. Ich hielte es für schwierig, eine Geschichte aus der Sicht der beinahe allmächtigen Imperators oder auch nur eines der Primarchen zu schreiben. In Horus Rising wird die Geschichte hauptsächlich aus der Sicht von Captains Loken von den Luna Wolves beschrieben, der als Charakter überzeugt. Loken ist sehr menschlich und es fiel mir leicht, mit ihm zu sympathisieren und vor allem, seine Gedanken nachzuvollziehen. Diese Liebe für's Detail setzt sich auch bei den anderen Charakteren fort. Sie wirken nicht flach und auf eine Rolle beschränkt sondern im Gegenteil nimmt man jedem seine eigenen Motivationen, Hoffnungen und Ängste ab. Auch die Primarchen werden -schwierig genug- glaubwürdig dargestellt.
Wie steht es um die Handlung? Wie in den meisten Black Library-Romanen üblich, ist die Handlung hauptsächlich einsträngig. Obwohl immer wieder einmal kleine Exkurse vorkommen, konzentriert sich alles auf eine Abfolge von Ereignissen, die allerdings auf verschiedenen Ebenen beschrieben wird und bei der die weitreichenden Konsequenzen einzelner Ereignisse sich vielfach auswirken. Die Mischung aus Action und Vorantreiben der Handlung ist sehr gut und ausgewogen gelungen. Der mitreißende Stil tut sein übriges.
Im Gegensatz zu einigen anderen Autoren hat Abnett anscheinend anständige Recherche betrieben. Wer sich mit dem Hintergrund auskennt, findet immer wieder Anspielungen oder Beschreibungen von Ereignissen, die bereits bekannt sind. Trotzdem war für mich das Setting anfangs überraschend. Die Space Marines sind im Gegenteil zu ihren moderneren Pendants nicht im Geringsten religiös. Der Imperator selbst wehrt sich gegen jede Art der Vergötterung und was mich am meisten geschockt hat, das Imperium ist eine aufgeklärte, fast demokratisch zu nennende Gesellschaft. Die Gefahren des Warp werden wissenschaftlich betrachtet und die Vorstellung böser Chaos-Götter zumindest öffentlich belächelt. Die Space Marines erinnern mehr an disziplinierte Elite-Truppen mit durchaus noch menschlichen Regungen als die eingeschworene Kloster-Bruderschaft der späteren Orden. Gerade das sorgt aber dafür, dass man umso interessierter liest, weil man das Gefühl hat, etwas neues zu erfahren.
Der größte Teil der Geschichte verbreitet fast eine Wohlfühl-Atmosphäre. Das Imperium ist bei weitem nicht so schlecht wir im Jahr 40.000, die Charaktere, insbesondere auch Horus, sind sympathisch und man schließt sie schnell in's Herz. Doch schwebt über allem das Damokles-Schwert der bevorstehenden Ereignisse. Als beispielsweise das erste Mal die "warrior lodges" beschrieben werden, habe ich innerlich mit den Zähnen geknirscht und wollte am liebsten irgendjemanden warnen. Immer wieder sind vorsichtig die Zeichen des bevorstehenden Untergangs gesät, und das macht das Lesen manchmal deprimierend, aber zur gleichen Zeit auch sehr fesselnd.
Mein Fazit: Absolut lesenswert. Ich würde sogar sagen, eines der besten Bücher, das ich je von der Black Library gelesen habe.