Es mag sein, dass bei mir langsam der Eindruck eines notorischen Nörglers entsteht. Aber es gibt einiges zu sagen, was für diesen Band nicht sehr schmeichelhaft ist und einer muss es tun. Trotzdem zuerst mal das Positive:
In HMW haben es die Autoren ganz gut hinbekommen, die Stärken des vorangegangenen Bandes nochmals hervorzuheben. Erneut sind manche der Berichte mit schönen Ideen ausgeschmückt und spannenden Szenarien versehen worden. Andergast hat es trotz seiner ... 'Bedeutung' für die Zaubererwelt Aventuriens geschafft interessant rüber zu kommen und hat tatsächlich ein oder zwei neue Ansätze für den Spielmagier mitgeliefert (z.B. die 'Vertiefungen'). Die südlich gelegenen Akademien (Khunchom, Rashdul, Fasar und besonders Mirham) sind alle ganz gut gelungen - das Flair stimmt hier irgendwie. Gleiches gilt noch für Olport (was allein wegen seiner Geschichte spannend ist) und Gerasim (schöne Schilderung der Vermischung elfischer und gildenmagischer Zauberkunst, nachdem das bei Donnerbach nicht ganz so stimmungsvoll gelungen ist).
Auch wenn es manchen Leuten völlig egal ist, so sollte doch darauf hingewiesen werden, dass ich viele neue und kaum aus anderen Regelwerken bekannte Bilder gesehen habe. Dafür ein herzliches Danke.
Kommen wir nun zu etwas völlig anderem: Die Idee eines dritten Bandes ist eine Frechheit! Eine Geldmacherei ohne
Gleichen. Es sind fast 50 (!) Seiten weniger in diesem Band als im ersten Werk. Da hätten die paar fehlenden Akademien durchaus noch Platz gefunden. Stattdessen hält man die neugierigen Leser bei der Stange, indem man wirklich lange erwartete Schulbeschreibungen in einem dritten Band ankündigt. Darin soll dann ein toller Gesamtindex sein (ja ... sehr wichtig), außerdem noch einige nicht mehr existente Akademien (braucht noch jemand eine Beschreibung von Ysilia?) und private Lehrmeister beschrieben werden (am Ende wird es wahrscheinlich eine dritte (!) und detailierte Beschreibung von Rafim Bey (nur für den Fall, dass die in LdES und WdH nicht ausreichen). Und selbstverständlich wird auch dieser Band dann 30 klimpernde Euro kosten. Jetzt möge mir keiner mit dem obligatorischen 'Du musst es ja nicht kaufen' kommen. Mein eigenes Kaufverhalten ändert nichts an der Unverschämtheit von Redaktion und Verlag. Gleicher Preis für knapp 50 Seiten weniger und dann noch das Versprechen eines semi-unnötigen Abschlussbandes, den man aber doch kaufen müsste/sollte, wenn man die aktuellen Akademien vollständig beschrieben haben will.
Was noch? Der alte Ärger halt. Mitunter sehr dürftige Bodenpläne. Bei Drakonia bringe ich trotz der Größe der Akademie und der damit verbundenen absichtlichen Auslassung einer ganauen Karte wenig Verständnis auf, weil dann auch eine Draufsicht unsinnig ist und die schriftliche Beschreibung des Konzils einfach zu wenig ausführlich ist, um den Mangel an Kartenmaterial auszugleichen (im Endeffekt wird nur gesagt, dass es die Grenzen menschenmöglicher Architektur sprengt und seeeeehr groß ist). Bei Nostria hätte man es sich schlichtweg schenken können, einen Plan zu machen. Gerasim ist wenigstens mit schönen Häuserzeichnungen ausgeschmückt (obwohl man hier auch einfach nach Lothlorien-Bildern aus dem 'Herr der Ringe' Film googeln könnte). Andere Karten sind hingegen sehr ausführlich und das macht die qualitativen Unterschiede natürlich besonders deutlich.
Die Beschreibungen sind stereotypisch, wie man es aus dem letzten Band kennt. Anhand gewisser Stichpunkte (wie Geschichte, Leben, Rundgang, Personen, Dienstleistungen und Szenarien) werden die Besonderheiten einer Akademie abgearbeitet, ohne Abweichung von der Norm, ohne eine Änderung, welche die Lektüre auflockern würde. Ich habe das schon bei der letzten Rezension geschrieben und spare mir das hier. Schaden. Da wäre mehr drin gewesen.
Und die NSC's? Auch hier große Unterschiede in der ausführlichen Darstellung. Manche Einträge sind recht wortreich, manche mehr als knapp. Das ist an sich in Ordnung, weil Spielleiter und Spieler ihre eigene Phantasie nutzen sollen. Aber manche machen wirklich den Eindruck, als seien sie aus einer Kiste mit 12 Standard-NSC blind gezogen worden und dann auf die jeweilige Schule angepasst worden (z.B. der/die unscheinbare und eigentlich ganz nette Magus/Maga, der/die aber heimlich am Stuhl des Akademieleiters sägt, der mürrische Hausmeister oder der/die stahlharte Chef/in der Wache - schweigsam und Furcht erweckend). Bitte! Geht es noch ideenärmer? Andere NSCs stammen augenscheinlich aus der Feder pubertierender Gothic-Jungs und Mädchen (z.B. Benayman al'Baloth oder die herrlich klischeebehaftete Madaya Zalahan). Das lockert (ungewollt) die wegen der fehlenden Textvielfalt doch recht eintönige Lektüre auf, weil man unweigerlich grinsen muss.
Fazit: Solide Ware. Verbesserungen und Verschlechterungen gegenüber dem Vorgänger halten sich die Waage. Neue und teilweise schöne Bilder, dafür mangelt es mitunter an Tiefgang und Genauigkeit bezüglich der Karten und NSCs. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt nicht! Gebraucht oder im Sonderangebot kann man es riskieren, sofern man ein Sammler ist oder vor hat, mindestens zwei bis drei der beschriebenden Akademien fest in sein Spiel oder seine Charakterlaufbahn einzubauen. Was sich hier lohnt sind (wie auch im ersten Band) die grau unterlegten Einschübe und oft sind auch die 'Zitate' gelungen (also Aussagen über oder von der Akademie). Hier ist mitunter ein recht feiner Humor zu erkennen. Leider bleiben das Ausnahmen und Randnotizen. Die Redaktion verspricht eine ausführliche (diskutabel) Beschreibung von 15 Akademien und das bekommt man (mehr oder weniger) auch. Das ist alles. 'Horte magischen Wissens' bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück ist wegen einiger wirklich schöner Beschreibungen aber noch zu gut um völlig schlecht zu sein.