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Horst Wessel: Tod und Verklärung eines Nationalsozialisten
 
 
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Horst Wessel: Tod und Verklärung eines Nationalsozialisten [Gebundene Ausgabe]

Daniel Siemens
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Siedler Verlag (17. August 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3886809269
  • ISBN-13: 978-3886809264
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,2 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 340.236 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Daniel Siemens
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Dieses Buch ist spannend wie eine Kriminalgeschichte. (…) Das Buch ist keine Räuberpistole, sondern ein gut recherchiertes, glänzend geschriebenes Werk. (…) Siemens dreht und wendet das Thema in sämtliche Richtungen und durchdringt scharfsichtig alle Ebenen seines Forschungsgegenstandes und belegt alles mit großer Gründlichkeit.« (Welt am Sonntag )

»Es fehlte bisher an einer zeitgemäßen wissenschaftlichen Studie über Wessel und den Wessel-Mythos. Mit dem soeben erschienenen Buch des Historikers Daniel Siemens liegt sie nun endlich vor. Das Buch schafft zuverlässige historische Aufklärung über den gesamten Wessel-Stoff und liest sich über weite Strecken so spannend, wie es einer Kriminalgeschichte mit einer so verhängnisvoll langen Blutspur zukommt.« (Die Zeit )

»Ohne Übertreibung: Das interessanteste, spannendste Buch, das es zurzeit gibt!« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung )

Kurzbeschreibung

Ein Kriminalfall und seine politische Karriere

Kurz nach seinem gewaltsamen Tod wurde Horst Wessel von den Nationalsozialisten zum »Blutzeugen der Bewegung« erklärt und das von ihm gedichtete »Horst-Wessel-Lied« zur offiziellen Parteihymne erhoben. Der Historiker Daniel Siemens erzählt nun die ganze Geschichte des Todes und der Verklärung Horst Wessels, die nicht mit dem Untergang des »Dritten Reichs« endete, sondern bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hineinreicht.

Am Abend des 14. Januar 1930 wurde in Berlin aus nächster Nähe auf den jungen SA-Mann Horst Wessel geschossen, der wenige Wochen später starb. Joseph Goebbels, auf Wessel bereits 1927 aufmerksam geworden, erkannte als Erster das propagandistische Potenzial des Falles: „Ein neuer Märtyrer für das Dritte Reich“, notierte er am 23. Februar in sein Tagebuch. Damit hatte die Mythisierung und politische Instrumentalisierung dieses im Grunde gewöhnlichen Kriminalfalles begonnen. Horst Wessel wurde von den Nationalsozialisten zum ‚Blutzeugen der Bewegung’ erklärt und das von ihm gedichtete ‚Horst-Wessel-Lied’ zur offiziellen Parteihymne erhoben. Seine Attentäter wurden im September 1930 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Dies war den Nationalsozialisten jedoch zu milde. Von 1933 an nahmen sie blutige Rache, liquidierten den Haupttäter und verurteilten mit Sally Epstein und Hans Ziegler zwei Randpersonen, die eventuell an dem Überfall auf Wessel gar nicht beteiligt waren, wegen Mordes zum Tode. Peter Stoll, ein dritter Angeklagter, erhielt siebeneinhalb Jahre Zuchthaus. Die Todesurteile wurden am 10. April 1935 in Berlin-Plötzensee vollstreckt.

Erst nachdem am 28. Mai 2008 der Bundestag das ‚Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege und von Sterilisationsentscheidungen der ehemaligen Erbgesundheitsgerichte’ beschlossen hatte, hob die Berliner Staatsanwaltschaft am 9. Februar 2009 die Verurteilung von Hans Ziegler, Sally Epstein und Peter Stoll wegen Mordes an Horst Wessel auf – also 74 Jahre nach den Hinrichtungen.

Auf der Basis bislang unberücksichtigter Quellen rekonstruiert der Historiker Daniel Siemens die Hintergründe der Ermordung Horst Wessels, er erläutert, wie die Nationalsozialisten ihn zur politischen Heldengestalt stilisierten, und er untersucht die Rachemorde, die von SA, Gestapo und Justiz nach 1933 insbesondere an Kommunisten verübt wurden. Schließlich schildert Siemens, wie unterschiedlich man nach 1945 in der Bundesrepublik und der DDR mit diesem Fall umging, und er zeigt auf, warum eine Bestrafung der nationalsozialistischen Verbrechen rund um den Mordfall Wessel scheiterte.


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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Stevo
Format:Gebundene Ausgabe
In seinem Vorwort sagt Daniel Siemens, dass die Beschäftigung mit Horst Wessel nicht der Propaganda rechtsextremer Kreise überlassen werden dürfe und dass eine fundierte historische Aufklärungsarbeit notwendig sei. Dieser Aussage kann ich mich nur voll anschließen und möchte hinzufügen, dass Siemens genau diese notwendige historische Aufklärungsarbeit leistet und zwar sprachlich ansprechend und historisch fundiert.
Der Inhalt des Buches ist in drei Teile gegliedert:
So schildert der Autor im ersten Teil des Buches (unter dem Titel "Vom Pfarrhaus in den Straßenkampf") zunächst das kurze Leben Horst Wessels und den ersten Prozess von 1930. Im zweiten Teil ("Denn die einen sind im Dunkeln, und die andern sind im Licht.") wird die Mythisierung und politische Instrumentalisierung der Ermordung von Wessel und dessen Stilisierung zur Heldengestalt zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur beleuchtet. Im dritten Teil ("Mein Name gegenüber Historikern und Schriftstellern braucht nicht verschwiegen zu werden.") wird schließlich der unterschiedliche Umgang mit dem "Fall Wessel" in BRD und DDR thematisiert.
Damit gelingt es Siemens ein umfassendes Gesamtbild über den "Märtyrer für das Dritte Reich" wie Goebbels bereits am 23.2.1930 in sein Tagebuch notierte, zu verfassen. Dabei ist er immer kritisch, fundiert und im Urteil ausgewogen. Vor allem die nationalsozialistische Propagandaarbeit wird anhand dieses Falls eindrucksvoll geschildert. Interessant ist aber auch, dass die Aufarbeitung nicht mit dem Jahr 1945 endet, sondern dass Siemens die Verklärung Horst Wessels auch über den Untergang des "Dritten Reichs" hinaus, untersucht. Ich muss zugeben, dass mir gerade letzterer Aspekt bislang völlig fremd war.
So ist ein überaus interessantes und lesenswertes Buch entstanden, das eine große Leserschaft verdient hat.
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Format:Gebundene Ausgabe
Horst Wessel bleibt ein historisches Phänomen : erst nach seinem Tode wurde er zu der Person gemacht, die in die Geschichte einging. Der reale Horst Wessel vor seinem Tode würde nach heutigen Kriterien eher als Versager gelten. Das Buch geht auf das Leben Horst Wessels ein und versucht die Hinwendung zu NSDAP und SA zu erläutern. Ideologisch ist das nachvollziehbar, gab es doch in der Familie kaum Sympathien für die Republik und die Demokratie. Ob damit die Hinwendung zu Mitteln roher Gewalt und zu einer verkappten "Arbeiterpartei NSDAP" erklärbar ist, sei dahingestellt - war doch der Konservatismus im Hause Wessel eher elitär strukturiert. Da macht es sich der Autor wirklich zu leicht.
Die Geschichte seines Aufstiegs in der SA und damit seines Todes wird sehr detailliert dargestellt. Erst was danach geschah, macht den historischen Horst Wessel aus : Goebbels, der Gauleiter und Propagandachef, merkt sofort, dass sich diese Geschichte ausschlachten lässt, um neue "Blutzeugen" zu produzieren (Aus dem Buch versteht man, dass die Nazipolitik solcher Blutzeugen bedurfte). Auch der Weg der "Vermarktung" des Horst-Wessel-Liedes, ideologisch und natürlich auch finanziell, wird beschrieben.
Aufschlußreich ist besonders die Beschreibung der juristischen Aufarbeitung des Mordes an Horst Wessel; der Prozeß geriet natürlich in die Fronten der späten Weimarer Republik : die KPD verleugnete eigene Mitstreiter (die "proletarische Abreibung" für Horst Wessel war im Umfeld des Rot-Front-Kämpferbundes beschlossen worden !), damit wollte sie ihre Kontakte im kriminellen Millieu verdecken ; die Justiz reagierte relativ hart (Siemens weist nach, dass der Tatbestand der "Notwehr" in dieser Zeit fast immer nur bei Nazis zur Anwendung kam.). Interessant ist auch die Geschichte des zweiten Horst-Wessel-Prozesses, eines typischen Nazi-Terror-Prozesses, bei dem Schuldige "produziert" wurden. Viele der Beteiligten am Mord wurden dann auf Nazi-übliche Weise ohne Urteile umgebracht.
Wichtig für das Buch ist die Darstellung der Nachwirkungen des kurzen Lebens von Horst Wessel - das ist wohl der wichtigste Teil der "Legende"; da geht es um den Kampf um die Vermarktung des Horst-Wessel-Liedes, teilweise juristisch ausgetragen, um die Diskussion um den Mythos Wessel, mit absoluten Fehleinschätzungen von Bert Brecht und Klaus Mann usw.
Was am Buch zu kritisieren ist, ist wirklich der stark wertende Sprachstil, teilweise mit sinnlosen Kommentierungen vermischt. Die umfangreiche Arbeit des Autors spricht Bände, da braucht der Leser eigentlich den erhobenen Zeigefinger nicht.
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10 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Thorsten Wiedau HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Dass vorliegende Buch HORST WESSEL nimmt sich eines großen Mythos des dritten Reichs an, denn Horst Wessel war eine Ikone der Bewegung, jung gestorben, erschossen von kommunistisch beeinflussten Menschen und benutzt von Nationalsozialisten, welche in seinem Tod die Chance für einen überstilisierten Helden sahen. Das Lied DIE FAHNE HOCH, DIE REIHEN FEST GESCHLOSSEN stammte von Horst Wessel und damit machte sich dieser junge SA Mann schon zu Lebzeiten bekannt, doch auch seine Rednertätigkeit stand der von Joseph Goebbels in Berlin in nichts nach. Wer war dieser Horst Wessel? Wie wuchs er auf und was machte ihn so zugänglich für die Ideologie des Nationalsozialismus? Wer hat ihn getötet und aus welchen Beweggründen und wer hat seinen Tod benutzt, um ihn zur Ikone des dritten Reichs zu stilisieren und aus seinem Tod politisches Kapital zu schlagen? Das Buch HORST WESSEL von Daniel Siemens gibt Antworten darauf und versucht sich in Erklärungen.

Zuerst einmal was mir an dem Buch nicht gefallen hat, es sind zwar Abbildungen vorhanden, doch äußerst wenige und deutliche von Horst Wessel, hier hätte der Autor aus vorhandenem Bildmaterial besser auswählen können. Im Vergleich zum nächsten Kritikpunkt nimmt sich die Bilderfrage aber harmlos aus, denn ich habe das Sachbuch als tendenziös empfunden und vermisse die Sachlichkeit und den offenen wissenschaftlichen Disput um die Frage wer war Horst Wessel und wie wurde er zu dem was die Paladine des dritten Reiches aus ihm machten?

Um den Vorsitzenden der chinesischen KP während eines Besuches in Paris zu zitieren, welche Meinung er den zur französischen Revolution hätte, so antwortete dieser: Es wäre dafür wohl noch zu früh um eine endgültige Aussage zu treffen.

Leider trifft dies wohl auch immer noch um alle Themen zum dritten Reich zu - denn in Deutschland und außerhalb ist eine sachliche Diskussion um das Für und Wider immer noch nicht möglich, zu frisch die Wunden, zu verletzt die Gemüter und zu offensichtlich die tendenziösen politisch unterschwelligen Meinungen.

Nach meiner Ansicht sollten wir uns mit dem dritten Reich in circa 300 - 500 Jahren noch einmal beschäftigen, bis dahin dürften sich die Gemüter abgekühlt haben und eine sachliche Aufarbeitung ist dann wohl möglich.

Doch zurück zu diesem Buch: HORST WESSEL, an dem Buch gefiel mir die Prozessaufarbeitung gegen die Täter, nach meiner Rechtsauffassung waren die Urteile im ersten Prozess gerechtfertigt und korrekt, im zweiten Prozess allerdings eindeutig zu hoch. Die Aufrechnung von Urteilen gegen Linke und Rechte, wie in dem Buch geschehen, empfinde ich als irrelevant und nicht der Sache dienlich.

Das Horst Wessel mit Vorsatz ermordet wurde ist klar, denn wer bei öffnen der Tür schießt, hat dies vorher geplant. Ob Horst Wessel von seinem Vater geschlagen wurde und er sich daher dem Nationalsozialismus anschloss, halte ich für eine sehr gewagte und höchst spekulative These des Autoren - dies ist nicht bewiesen.

Horst Wessel war jung, ein guter Redner, ein Kind seiner Zeit und starb so früh das man ihm schlecht irgendetwas Negatives nachweisen konnte.

Einen großen Teil im Buch nehmen die beiden Prozesse und seine Kindheit / Jugend ein, doch auch die Familie Wessel und ihre Tätigkeiten bei der Erschaffung des Mythos HORST WESSEL werden beleuchtet. Dass Horst Wessel sogar in der DDR und der BRD nachwirkte, zeigt das abschließende Kapitel des Buches, seine Bewertung und Besetzung war schon immer zwiespältig.

Das er von Joseph Goebbels und im nach hinein von vielen anderen Paladinen ideologisch missbraucht und als Opfer hochstilisiert wurde, ist tragisch, denn die Toten soll man ruhen lasen.

Obwohl das Buch einige Schwächen besitzt ist doch die thematische Auseinandersetzung mit dem Thema gelungen und das Buch packt ein Thema an, mit dem man sich so in dieser Konzentration noch nicht auseinandergesetzt hat, daher denke ich, dass man es unter Vorbehalt empfehlen kann.
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