Joachim Fest beschreibt in diesem Buch die Jahre 1971-95 seiner Freundschaft mit Horst Janssen. Die Beschreibung dieses Lebensabschnitts nimmt er anhand von tagebuchartigen Aufzeichnungen vor, die aufgrund persönlicher Begegnungen und Gespräche mit dem Künstler entstanden sind. Die Aufzeichnungen sind subjektiv und nur auf den eigenen und aktuellen Eindruck beschränkt, dehalb ist es im eigentlichen Sinne keine Biographie sondern die Beschreibung eines Lebens mit Horst Janssen in chronologischer Form. Das ist es auch, was den besonderen Reiz dieses Buchs ausmacht. Der Leser ist mitten im Geschehen und dieses Geschehen lässt nichts zu wünschen übrig - ganz entsprechend der Person des Malers und der ausgezeichneten Beschreibungsgabe des Autors. Man ist bei der Entstehung wichtiger Arbeiten hautnah dabei, erlebt Suff und Tabletten, Tobsuschtsanfälle, geniale und weniger geniale Einfälle und Streiche Janssens, witzige Geschichten wie z.B. das "Maikäferrennen" oder die Story in der Janssen einmal nicht erkannt wird, liest fantastische Geschichten über Moorleichen und abgeschossene Flieger, dramatische Zuspitzungen von Liebesbeziehungen, ist bei Begegnungen mit Albert Speer und Ernst Jünger dabei. Schließlich ist dieses Buch auch die Geschichte von Janssens Krankheit und Sterben. Sein Sturz vom Balkon, die vorübergehende Blindheit, Schlaganfälle und die Ängste von denen er getrieben wurde, werden beschrieben.
Dieses Buch kann sehr viel zum Verständnis seiner Bilder beitragen. - auch wenn man sie nicht kennt, wird es dazu anregen, sich weiter mit dieser interessanten Persönlichkeit auseinanderzusetzen.
Die Auswahl der Bilder und Photographien ist meiner Ansicht nach unerreicht, sie fügen sich immer harmonisch in den Text ein und könnten trotzdem auch für sich stehen - sehr gut durchkomponiert.
Insgesamt eines der besten Bücher im Bereich Biographie/Lebensbeschreibung, die ich bisher gelesen habe.