Vorweg: Die Ein-Stern-Wertung des Erstrezensenten kann ich ganz und gar nicht nachvollziehen. Christopher Buchholz' Auseinandersetzung mit und Gespräche über seinen Vater sind sehr persönlich und zuweilen rührend, aber nie darauf aus, Fallen zu stellen oder Buchholz senior gar zu desavouieren. Wer ein objektives Porträt des Schauspielers erwartet, wird sicherlich ein wenig enttäuscht sein, denn hier geht es vom ersten Moment an nur um den Menschen Horst Buchholz. Und das ist eigentlich auch ganz logisch, denn was mehr oder Besseres kann ein filmischer Zugang leisten, den der eigene Sohn ebnen will? Man ist als Zuschauer hier mehr als sonst und ausgesprochener in einer bloßen Beobachterrolle, wenn sich Bruder und Schwester über den Vater unterhalten, über seinen Tod und ihre Beziehung zu ihm. Und man merkt: Buchholz junior geht es einfach darum, an den Vater heranzukommen. Das Ergebnis ist ein zwiespältiges und muss es wohl auch sein: Weil Horst Buchholz sich manchen Fragen einfach verweigert und weil der Sohn dann auch nicht - wie es ein neutraler Journalist tun würde - bohrt oder provoziert, muss oft das Ungesagte sprechen, müssen die Pausen und das Stocken im Redefluss dem Zuschauer als Lücken gleichsam Inhalt sein. Es gibt keine (ein-)ordnende oder relativierende Kommentarstimme aus dem Off. Christopher Buchholz lässt den Zuschauer mit dem, was er gesammelt hat, allein. Natürlich ist das montiert und geschnitten, ausgewählt und teilweise mit etwas manipulatierend-suggestiver Musik unterlegt. Und am Ende wird deutlich, dass es eben doch eine Liebeserklärung war, die der Sohn erzählen wollte. Das Erstaunliche: Sie gerät gegenüber der Mutter mindestens genauso eindringlich. Denn Myriam Bru ist - wenn man Buchholz senior als das (wertfrei so adressierte) Objekt des Künstlers (denn das muss der Sohn eben doch auch sein) versteht - die eigentliche Heldin dieses Films.
Am Ende noch, was vielleicht am Anfang hätte stehen sollen: Der Aufbau des Films. Parallel montiert sind Gespräche zwischen Horst und Christopher Buchholz, Gespräche mit Mutter und Schwester (wobei mir nicht ganz klar war, ob alle oder nur einige erst nach dem Tod von Buchholz senior entstanden sind) und Szenen, in denen Christopher Buchholz - einige Zeit nach diesem Tod - in der jetzt leeren Wohnung des Vaters umherstreift. So gerät der Film zur fast meditativen Sinnsuche, zum bewussten Blick auf Leerstellen und - irgendwie - auch zum Memento für den Zuschauer.
Man versteht Horst Buchholz nicht, wenn man diesen Film gesehen hat. Sein Sohn gibt uns Außenstehenden sehr wenig an die Hand; eine Chronologie oder der erklärende Hinweis auf Ereignisse, Brüche oder andere Marken im Lebensweg des Vaters fehlen. Christopher Buchholz stellt sich und sein filmisches Dokument unter die Imperative von Instinkt, Intuition und Assoziation. Und diese drei Tugenden werden auch dem Zuschauer abverlangt. Das ist weit entfernt von Voyeurismus und boulevardesker Spekulation. Man versteht nicht, aber man spürt. Vielleicht.