Qualitatsfreaks werden die Fünfsternebewertung für diese DVD nie und nimmer verstehen. Es sei denn, sie kommen vom Wunsch nach perfekten Bildern ab und dürsten nach Atmosphäre. Denn die stand bei Jim Jarmusch ganz offensichtlich im Vordergrund, wenn man daran denkt, wie er sein Handwerk beherrscht. Und hat man sich einmal daran gewöhnt, dass hier keine der üblichen PR-Inszenierungen stattfinden, wird das Rohe plötzlich ästhetisch und sinnlich. Das lässt sich selbstverständlich auch von der Musik, vom Sound sagen, der eben einzigartig ist. Welche Drogen dabei mithalfen, steht dabei glücklicherweise nicht im Zentrum. Jedenfalls bestätigen Musikfilme der letzten Jahre, dass Geld nicht unbedingt die bessere Droge ist als Gras. Und immerhin nehmen die Bandmitglieder klar Abstand von Drogen, die etlichen Musikern das Leben kosteten.
Jim Jarmusch wurde nicht gerade mit offenen Armen empfangen, als er die Band während ihrer 1996-Tour begleitete. Gerade weil man mit intellektuellen Filmern schlechte Erfahrungen machte. Aber wenn einer das Vertrauen dieser älter gewordenen Outlaws gewinnen kann, dass ist es Jarmusch, wie man im Laufe dieser Dokumentation schnell merkt. Eine stimmige Beziehung zur Band aufzubauen, gelang Jarmusch auch deshalb, weil er das Raue und Rohe nicht stilisierte, sondern mit seiner Kamera einfach einfing. Hi-8 und Super-8 sind daher keine Kunstmittel, um sich als Regisseur selber in Szene zu setzen, sondern einfach passende Aufnahmetechniken.
Für diesen Film eingenommen hat mich vor allem der Power, der von diesen Musikern und von Neil Young im Speziellen ausgeht. Blättere und lese ich in Musikzeitschriften von heute und lese das zeitgenössische Promigeschwätz, so kommt unweigerlich Wehmut nach dieser rohen Kraft auf, die in jedem der neun Songs zu spüren ist. Und durch kluge Schnitte zwischen 1976, 1986 und 1996 wird klar, dass sich Power eben nicht antrainieren lässt, sondern in einem Musiker drin ist - oder eben nicht. Daher ist auch Keith Richards auf der Bühne noch immer stärker als die meisten, von Choreografen gesteuerten Jungmusiker.
Mein Fazit: Wer sich damit abfinden kann, dass nicht alles geschliffen daherkommen muss, um ein Qualitätslabel zu erhalten, wird Jim Jarmusch dankbar sein, dass er mit diesem Film dem Authentischen, Rauem und Rohem ein Denkmal setzte. Hier wird noch Live-Musik gespielt. Da ich kein Extra-Freak bin, störten mich die eher dürftigen Zugaben keine Sekunde. Im Gegenteil, diese Modeerscheinung hätte gar nicht zum Film gepasst.