Antonio Rosetti (1750?-92) war ein aus Nordböhmen stammender (Geburtsname Anton Rösler oder Rössler) Musiker, der nach Abbruch seiner Priesterausbildung zunächst als Kontrabassist und Diener, später als Kapellmeister dem Fürsten zu Oettingen-Wallerstein diente ehe er Hofkapellmeister des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin wurde.
Rosetti war als Komponist äußerst produktiv, schrieb über 400 Werke. Zu seiner Zeit war er ausgesprochen erfolgreich, doch recht bald nach seinem Tod geriet er in Vergessenheit. Einzig die Hornisten verloren ihn nie so ganz aus dem Auge. 17 Konzerte für Solo-Horn soll es aus seiner Feder geben, 14 davon sind erhalten. Bisweilen ergaben sich Zuordnungsprobleme. Das erste auf dieser CD eingespielte Konzert wurde lange Zeit Mozart zugeschrieben. Doch dem Stil nach passt es eher zu Rosetti - die Orchestereinleitung ist relativ lang und seine Tonsprache erinnert insgesamt eher an Rosetti als an Mozart.
(Quelle bis hierhin: das Booklet der CD)
Die Akteure dieser CD sind der tschechische Hornist Radek Baborak sowie die Bayerische Kammerphilharmonie unter der Leitung von Johannes Moesus.
Baborak, Jahrgang 1976 gelangte nach dem Studium in Prag über die Stationen Tschechische Philharmonie, Münchner Philharmoniker, Bamberger Symphoniker im Jahr 2002 zu den Berliner Philharmonikern, die er im Jahr 2010 mit der Begründung verließ, er wolle sich künftig verstärkt als Dirigent betätigen. So arbeitet er derzeit regelmäßig u.a. mit der Prague Philharmonia zusammen. Berlin verließ er nicht ohne einen kleinen Seitenhieb auf Simon Rattle, dem er in einem Interview bescheinigt haben soll (ich habe es nur als Sekundärzitat in der Musikzeitschrift "Rondo" gelesen und erinnere mich nicht mehr, ob die Originalquelle angegeben war), dieser habe "eine große Speisekarte, aber keine Spezialitäten."
Zur Bewertung dieser CD: die Kompositionen Rosettis sind melodisch eingängig, die Begleitung ist klug instrumentiert, Solohorn und Orchester gut zueinander in Beziehung gesetzt. An die kompositorische Raffinesse von Haydn und vor allem von Mozart reichen sie für meinen Geschmack nicht ganz heran, was ich allerdings nicht weiter als bedeutenden Kritikpunkt anführen möchte - Mozarts Hornkonzerte sind einfach gewaltige Monumente der Klangschönheit. Aber Rosetti bereitet mir ebenfalls große Freude.
Ich hatte bisher einmal das Vergnügen, Radek Baborak live im Konzert zu erleben. Er gastierte mit der Prague Philharmonia im Münchener Gasteig, dirigierte Händels Wassermusik, fungierte als Leiter und Solist bei Mozarts Hornkonzert und mit dem ersten Solohornisten des Orchesters gemeinsam als Solist bei Haydns Konzert für 2 Hörner (das schwer im Verdacht steht in Wahrheit auch aus Rosettis Feder zu stammen) sowie abschließend wieder als Dirigent von Beethovens 5. Symphonie. Nur am Rande sei erwähnt, dass die dirigentische Leistung sehr kontrastreich ausfiel - eine brillante Wassermusik und eine äußerst mäßige fünfte Symphonie waren zu hören. Aber zum wesentlichen: Baborak hat mich als Hornist ungeheuer beeindruckt. Er hat einen ungeheuer warmen, runden Ton, eine große Intonationssicherheit in allen Lagen und interpretiert auch sehr durchdacht. Ich war absolut begeistert!
Leider gibt es von diesem herausragenden Musiker nur wenig Musik auf CD. Diese Aufnahme von 4 Hornkonzerten aus der Feder Rosettis ist eine der wenigen mir bekannten CDs und ich kann sie Ihnen nur wärmstens ans Herz legen. Als oben aufgezählten Vorzüge Baboraks finden sie auf dieser CD wieder. Ein wunderschöner Hornklang und für meinen Geschmack auch sehr feinfühlige Interpretationen. Das Zusammenspiel mit der Bayerischen Kammerphilharmonie gelingt hervorragend. Darüber hinaus hat die Bayerische Kammerphilharmonie bei Einleitungs- und Zwischenspielpassagen ebenfalls einen sehr schönen Klang. Es sind keine Angaben über die Instrumentenwahl oder ähnliches, aber ein großer Einfluss der historischen Aufführungspraxis lässt sich nicht hören und ich bin mir sicher, das neue Instrumente mit der heute gängigen höheren Grundstimmung verwendet werden. Für Puristen vielleicht ein Problem, für mich nicht, zumal wenn so feinfühlig gespielt wird, das Vibrato nicht zu extrem ausfällt und die Tempi in allen Sätzen adäquat klingen (ich muss gestehen, ich habe keinerlei Vergleichsmöglichkeiten). Von meiner Seite jedenfalls auch ein Kompliment an Orchester und Dirigent.
Eine rundum gelungene CD, die ich für jeden, der klassische Hornmusik liebt angesichts des Spottpreises fast zum Muss erklären möchte.