Dr. med. Barbara Fervers-Schorre, Hormonspezialistin, Psychoanalytikerin und Gynäkologin, hat ein Buch geschrieben, das sich ganz mit unseren Botenstoffen, den Hormonen beschäftigt. Sie erklärt knapp, aber gut verständlich den endokrinen Apparat, indem sie auf Hormondrüsen und Hormone einzeln eingeht. Hierbei benutzt sie eine Sprache, die auch für einen Laien gut verständlich ist. Im Kapitel 'Wenn die Balance nicht stimmt' werden körperliche Probleme behandelt und die hormonelle Beeinflussung aufgezeigt. Ein eigenes Thema ist dann das Altern. Lehrreich ist hier zu lesen, welche Hormonveränderungen der Körper bewältigen muss und wie sich diese auswirken. Zu kritisieren ist jedoch das Versprechen: 'Die ausgewogene Behandlungsmaßnahmen der Anti-Aging-Medizin und Ihr eigenes Zutun machen es heute jedoch möglich, ohne größere altersbedingte Beschwerden und mit jugendlicher Fitness die reifen Jahre zu genießen!'. Ich halte das für etwas überzogen und denke, dass solche Versprechen den Jugendwahn antreiben. Ich halte der Autorin zugute, dass sie ihre Anti-Aging-Strategien immer mit gesunder Lebensführung in Verbindung bringt. Dennoch kann das Buch den Kampf gegen das Altern mächtig anheizen. Einige Zeilen mehr zur Stärkung des Selbstbewusstseins oder Bewunderung des alternden Körpers wären wünschenswert gewesen. Östrogen gegen Osteoporose, Progesteron gegen die alternde Haut, Testosteronpflaster für Muskelmasse und Knochendichte, DHEA-Creme zur Bindegewebsstraffung, estradiol- und biotinhaltige Salbe für die Fingernägel...! Das klingt alles sehr verlockend, doch leider konnten meine Zweifel an der Anti-Aging-Strategie nicht beseitigt werden (was nicht heißen soll, dass andere Leser nicht fasziniert und begeistert sein können). Doch ich hätte gerne noch etwas mehr zu den Folgen und Risiken gelesen. Darauf wird leider wenig eingegangen. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der gesunden (hormongesunden) Lebensführung, die sich bestimmt viele Leser zu Herzen nehmen können. Ernährungstipps, Drogen, Sport und Schlaf werden recht gut behandelt. Die Entspannungstechniken kommen allerdings im Rahmen des Themas sehr kurz, so dass ich die knappen Anleitungen als eher problematisch ansehe. Sehr interessant ist der Abschnitt 'Phytohormone'. Im Rückblick würde ich sagen, dass es ein interessantes Buch ist, das allerdings einige diskussionswürdige Themen verkürzt und dadurch an manchen Stellen etwas einseitig wirkt.