Ich hasse es.
Und was mache ich hier überhaupt?
Wollten Sie sich schon einmal über einen Film Informationen durch das Lesen von Rezensionen einholen? Diese sind meistens von himmelhochjauchzend bis zu Tode gelangweilt. Und nun? Wie urteilen Sie?
Und wie soll man dann bitteschön Musik beschreiben oder gar beurteilen, die man einfach nur durch das Fühlen hört? Ich habe es versucht, das können Sie mir glauben, doch mit jedem Wort ging der Zauber, das Schöne und Verborgene verloren.
Aber da ich das neue Album "Hope on the horizon" von Martin Gustafsson alias Boy Omega sehr schätze und ich der Meinung bin, dass seinen Worten viel mehr Aufmerksamkeit gebührt, versuche ich es eben auf meine Weise.
Es gibt Momente, in denen alles so unendlich traurig ist, dass ich die Tür hinter mir schließe und Niemanden, wirklich Niemanden sehen möchte. Und das Einzige, dass mich in diesen Momenten begleiten kann, sind Lieder, diese Art von traurigen Liedern, bei denen es in Ordnung ist, sich hilflos und hoffnungslos zu fühlen, die Dämme brechen und mir Klarheit verschaffen. Und es sind genau diese Lieder, die mich da wieder herausholen, und ich liebe Stimmen, die unverwechselbar sind, die wenn wir sie hören, an einen alten Freund erinnern, und uns trösten. Und so ergeht es mir mit der Musik von Boy Omega. Dieses Album ist unendlich traurig und so unsagbar schön.
Für alle, die noch nie etwas von Boy Omega gehört haben: Stellen Sie sich vor Arcade Fire, Bright Eyes und Elliott Smith betreten gemeinsam eine Bühne. Boy Omega macht das Unvorstellbare möglich und wächst dabei über sich hinaus.
Denn anders wie in seinen Vorgängern lässt er dieses mal elektronische Spielereien beiseite und bereichert seinen Sound durch Streicher- und Bläsereinlagen.
Die mit musikalischem Feingefühl ausgetüftelten Kompositionen ziehen mich in den Bann und erklingen so facettenreich, wie das Leben nur sein kann.
Bei "A Quest for fire" flüstert er mir '"Well you ripped me apart like an old piece of paper" ins Ohr und alles was ich tun kann, ist das Atmen nicht vergessen, doch spätestens beim unerwartetem Einsatz des grandiosen Orchesters strömt die Wärme in jeden Winkel meines Körpers.
Es folgen unter anderem
das beschwingte "The Blues And The Bee Sting",
die melancholische Countryballade "Hard Work" mit einer Stimme, die meine Seele vibrieren lässt,
das zerbrechlich akustische "Pocket Knife" ,
"Suffocation Street", bei dem ich am liebsten meine alten Gummistiefel aus dem Keller holen würde, um im Regen spazieren zu gehen,
die Hymne "Looking For You In Me",
"Change of plans", bei dem ein See zum Ozean wächst
und das herzerweichende "Good Times" bei dem man buchstäblich spürt wie sich eine letzte Umarmung anfühlt und dann deine Hand für immer los lässt.
Das letzte Lied '"True Haven"' weint, schreit, klagt an und verschlägt mir vor Faszination die Sprache. Es endet mit den Worten:
"Now we say goodbye, but lord, i can see a new sun is rising, hold on my love, there`s hope on the horizon".
Und ich glaube es ihm.