Das Buch beschreibt das Leben der Dr. Hope ( 1855-1916 ), einer außergewöhnlichen Ärztin und Frauenrechtlerin im 19. Jahrhundert.
Der Autorin Marita Krauss , Pofeesorin für Geschichte, ist zu verdanken, daß sie diese außergewöhnliche Frau der Vergessenheit entrissen hat . Sie stellte umfangreiche Nachforschungen nach Dr. Hope an, verfolgte in detektivischer Beharrlichkeit die Spuren ihres Lebens. Das Ergebnis ihrer Forschungen legte sie 2002 in einer ersten Biografie "' die Frau der Zukunft " ' nieder. Dieses Buch fand großen Anklang und war bald vergriffen. Es reizte manch andere, sich ihrerseits für Hope zu interessieren und sich dabei die Forschungen und die exakt zitierten Quellenfunde von Krauss nutzbar zu machen. Das nun vorliegende Buch ist eine erweiterte Fassung der ersten Biografie, das über die Beibehaltung wissenschaftlicher Exaktheit das Leben von Hope anschaulich schildert. Die Autorin hat einen glänzenden Stil. Das Buch liest sich spannend und unterhaltsam. Es enthält zahlreiche Fotos aus damaliger Zeit und ist daher auch ein Augenschmaus, nicht nur für Fotoliebhaber.
Frauen waren im 19. Jahrhundert als ordentliche Studierende an Deutschlands Universitäten noch nicht zugelassen. So schrieb Hope sich 1876 als Gasthörerin
an der Universität Leipzig ein. Nach Überwindung vielfältiger Schwierigkeiten
legte sie 1880 im Alter von 25 Jahren das medizinische Staatsexamen in Leipzig ab. Nach anschließender Promotion arbeitet sie als 'praktische Ärztin und Geburtshelferin' zunächst in Frankfurt, später in München. Sie war von großem sozialen Engagement, behandelte nicht nur die Reichen und Schönen, sondern auch die Arbeiterfrauen, die Tagelöhnerinnen, die Zeitungsausträgerinnen. Sie beklagte, daß die Frauen aus den unteren sozialen Schichten nach den Entbindungen unverzüglich wieder ihre Arbeit aufnehmen mußten ohne die Möglichkeit, sich von den Strapazen einer Geburt
ausreichend erholen zu können. Sie betrieb daher die Gründung eines 'Frauenheims',
in dem sich vor allem Wöchnerinnen erholen sollten. Sie half auch Frauen, die nach 7 oder mehr Geburten für eine weitere Schwangerschaft zu ausgelaugt waren. Deswegen kam sie in große Schwierigkeiten, die in einem Strafverfahren wegen "' Verbrechen wider das Leben" ' gipfelten, das aber auf Antrag der Staatsanwaltschaft 1915 eingestellt wurde.
Hope bekämpfte das damals allgemein getragene Korsett als gesundheitsschädlich. Selbst trug sie ein 'Reformkleid', das den Brustkorb nicht einschnürte .
Hope war zwei mal verheiratet und gehörte dem gehobenen Bürgertum an.. Sie hatte privaten Umgang mit führenden Sozialdemokraten wie August Bebel und Georg von Vollmar. Gern ging sie mit ihrem Mann in die Berge und trug dazu - im 19.Jahrhundert !- eine Hose, wenn auch darüber noch einen Rock.
Sie führte ein unkonventionelles Leben, das auch in heutigen Zeiten noch bemerkenwert wäre.
das Buch wird jeden fesseln, auch den, der sich bisher für Geschichte nicht interessiert hat.