... schrieb Johann Wolfgang von Goethe dereinst. Hätte er das vorliegende Buch gelesen, wäre ihm vermutlich ein ähnlich lautender Kommentar dazu eingefallen. Mir geht es an dieser Stelle vor allem darum, darauf hinzuweisen, dass der Autor des Buches nicht in Ho'oponopono ausgebildet wurde, sondern eigene Fantasiekonstrukte unter dem derzeit populären Namen Ho'oponopono vermarktet. Die einzigen Bezüge zu Ho'oponopono sind der Hinweis auf Dr. Hew Len und seine aus Dr. Joe Vitales Blogartikel weltweit bekannte Geschichte der Heilung einer ganzen Station geisteskranker Krimineller sowie etliche wörtlich abgeschriebene Zitate von Dr. Lens Website. Warum nicht mehr? Weil der Autor nicht mehr weiß, denn er hat Dr. Len nicht kennen gelernt und somit auch nicht mehr Informationen über hawaiianisches Self-I-Dentity through Ho'oponopono als jeder interessierte Mensch sich in wenigen Minuten im Internet z.B. auf Dr. Lens Seite hooponopono.org anlesen kann, aus der Klaus Jürgen Becker in der ersten Hälfte seines Buches wie gesagt fleißig zitiert. Wie macht man nun aus so wenig Inhalt ein Buch von 600 Seiten? Nun, indem man über dies und das und jenes redet, wie es der Autor durchgängig tut.
Und wenn schon kein tieferes Wissen über Ho'oponopono vorhanden ist, dann vermengt man eben die wenigen Fakten, die frei verfügbar sind mit allem anderen, was man sich im Laufe seines Lebens so angelesen hat: Da wird dann H'oponopono mit dem von Max Freedom Long erfundenen "Huna" in einen Topf geworfen, bzw. mit den von Serge King propagierten Huna-Prinzipien vermischt, was dem Leser einen gewissen Bezug zu Hawaii suggerieren soll. Im weiteren Verlauf des Buches werden dann nur noch Themen angeschnitten, die etwas damit zu tun haben, man solle "Ho-op" - wie der Autor seine Fantasieversion von Ho'oponopono nennt - z.B. mit Techniken wie EFT (nach Craig), Zwiegesprächen (nach Möller), Tonglen (nach Chödrön), Gewaltfreier Kommunikation (nach Rosenberg), Voice Dialogue (nach Stone) und vielen weiteren zeitgenössischen Methoden verbinden, wobei Anbiederungen an die "The Secret"- und "LoA"-Szene natürlich auch nicht fehlen dürfen.
Wer etwas über Ho'oponopono erfahren oder gar etwas authentisches lernen will, kommt mit diesem Buch also definitiv nicht weiter. Wer tatsächlich die Techniken der o.g. Autoren (Craig, Möller, Chödrön usw.) anwenden will, muss deren Bücher lesen, denn in diesem Buch hier wird keine der Techniken praktisch anwendbar beschrieben. Stattdessen lenkt der Autor auf diese Weise von der eigenen fehlenden Kompetenz in Sachen seines titelgebenden Themas ab, indem er z.B. zu EFT schreibt: "Wir wollen in diesem Kapitel lernen, wie Du EFT nutzen kannst, um die Qualität Deines Ho-op zu verbessern ..." Das ist nur eines der vielen Beispiele dafür, wie Becker der Aufgabe nachkommt, für seinen Verlag ein derart dickes und den Leser teuer zu stehen kommendes Buch zu verfassen: Indem er letztlich sein eigenes Nichtwissen vielfältig als Schwäche von Ho'oponopono umdeutet und dem Leser dann dutzendfach vermeintliche Lösungen dafür anbietet.
Fakt ist, dass in Self-I-Dentity through Ho'oponopono Seminaren von Dr. Hew Len (das nächste in Deutschland stattfindende Seminar ist auf den 17./18. Oktober 2009 terminiert) eine Vielzahl multidimensional wirkender Werkzeuge vermittelt werden, so dass es natürlich nicht nötig ist, dies mit anderen Methoden zu verbinden, "um die Qualität Deines Ho-op zu verbessern".
Fazit: Dieses Buch ist neben dem von Bärbel Mohr verfassten und von mir ebenfalls schon entsprechend rezensierten
Cosmic Ordering: Die neue Dimension der Realitätsgestaltung aus dem alten hawaiianischen Ho'oponopono ein weiteres Beispiel dafür, wie der populäre Begriff Ho'oponopono aus Hawaii in Deutschland von nicht ausgebildeten Autoren ausgeschlachtet wird und an authentischen Informationen interessierte Leser dabei in die Irre geführt werden. Hier schließt sich dann auch der Kreis zum einleitend von mir gewählten Goethe-Zitat, dessen Relevanz im Laufe meiner Rezension hoffentlich deutlich geworden ist. Oder mit anderen Worten: Nur weil ein Buch dick ist und vom Verleger als "Standardwerk" gepriesen wird, ist es noch lange keins, wenn wie hier eben kein entsprechender Inhalt dahinter steckt.