ZUM INHALT DES FILMS (SPOILER-WARNUNG: Wer den Ausgang im Film sehen, aber hier nicht lesen will, sollte diese Rezension nicht lesen!)
Der Handlungsverlauf ist einfach und geradlinig; es gibt keine überraschenden Wendungen.
Der amerikanische Journalismus-Student Matt Buckner bekommt an der Elite-Universität Harvard von seinem Zimmergenossen (und Sohn eines reichen und einflussreichen Politikers) Jeremy van Holden kurz vor einer Drogenrazzia im Wohnheim dessen Drogen untergeschoben und wird zwangsweise exmatrikuliert. Mit 10.000 $ Schweigegeld des Täters in der Tasche reist er nach London, wo seine Schwester Shannon mit Steve Dunham, dem ehemaligen Anführer der gefürchteten Hooligan-Vereinigung GSE verheiratet ist. Die GSE, unter der Führung von Steves charismatischem Bruder Pete, sieht sich selbst als Fan-Vereinigung des Fußballclubs West Ham United und prügelt sich landauf und landab mit anderen Fan-Gruppen, Firmen genannt. Besonders groß ist die Rivalität zwischen der GSE und den Anhängern des Lokalrivalen Millwall, deren Anführer Tommy Hatcher noch eine persönliche Rechnung mit Steve Dunham zu begleichen hat: zehn Jahre zuvor wurde Tommys Sohn bei einer Auseinandersetzung zwischen Millwall- und West Ham-Hooligans getötet. Steve, der sich (trotz seiner persönlichen Unschuld) für den Tod des Kindes verantwortlich fühlt, zog sich darauf hin aus der Hooligan-Szene zurück, und Shannon sagte ihrem Mann klar und deutlich, dass sie ihn verlassen würde, wenn er noch einmal in die Szene zurückkehren sollte.
Pete weiht den Neuankömmling aus den Staaten in die Fußball-Kultur und auch -Subkultur ein, zunächst mit einer gewissen Portion Widerwillen und Herablassung, später dann immer herzlicher und vertrauensvoller. Dabei prägt er dem nach Orientierung, Vorbildern und Prinzipien im Leben suchenden Matt die Grundsätze der GSE ein: Weiche keinem Kampf aus, gib niemals auf und lasse vor allen Dingen niemals deine Kameraden im Stich. Matt entdeckt in sich eine Faszination für die gewalttätigen Auseinandersetzungen der sogenannten "dritten Halbzeit" und entwickelt sich zu einem respektablen Straßenkämpfer, der sich die Achtung seiner GSE-Kameraden im wahrsten Sinn des Wortes erkämpft.
Als jedoch durch einen Zufall herauskommt, dass Matt in den USA Journalismus studierte und beim Betreten des Verlagshauses einer großen Londoner Zeitung beobachtet wurde, misstrauen Matts neue Freunde dem vermeintlichen Spion und verdächtigen ihn nunmehr, als Undercover-Journalist gegen die Hooligan-Szene tätig zu sein. Nur Petes Bruder Steve hält noch zu ihm. Um die Situation zu entschärfen, bevor sie endgültig eskalieren kann, entschließt sich Steve, der ehemalige GSE-Anführer, Matt zu unterstützen und während eines Treffens im Vereinslokal der GSE seinen Bruder Pete und die übrigen Mitglieder von Matts Unschuld zu überzeugen.
Doch es ist bereits zu spät. Bovver, ein enger Vertrauter Petes, ist eifersüchtig auf Matt und glaubt nun, die Stunde der Rache an dem "Yankee-Emporkömmling" sei gekommen. Um sich nicht selbst die Hände schmutzig zu machen, verrät er Ort und Zeit des Treffpunkts seiner Kameraden an die rivalisierenden Millwall-Hooligans und ihren nach Rache dürstenden Anführer Tommy Hatcher. Beim Überfall der Millwall-Hooligans wird Steve von Tommy lebensgefährlich am Hals verletzt und für sterbend liegen gelassen. Die GSE bringt ihren ehemaligen Anführer eilig ins Krankenhaus, wo sein Leben gerettet werden kann. Auch wenn Shannon ihren Mann besucht und froh ist, dass er überleben wird, so teilt sie ihm jedoch mit, dass sie mit dem gemeinsamen Kind zu ihren Eltern nach Amerika zurückkehren wird.
Der weilen ist es Pete und den übrigen GSE-Mitgliedern klar geworden, dass nicht Matt, sondern Bovver der Verräter ist. Bovver wird von Pete aus der GSE verstoßen. (Dass er bereits am nächsten Tag schon Vergebung findet, als er sich mutig in den Kampf gegen die Millwall-Fans stürzt, ist eine andere Geschichte.) Dann arrangiert Pete für den nächsten Tag einen Entscheidungskampf zwischen den beiden rivalisierenden Gruppen der GSE und der Millwall-Hooligans.
Gegen Petes Willen schließt sich auch Matt der GSE zur Hilfe im vermeintlich "letzten Gefecht" an. Während der Auseinandersetzung, die von beiden Seiten mit hasserfüllter Brutalität ausgetragen wird, wird Pete von Tommy Hatcher schwer verletzt. Dann eskaliert die Situation endgültig, als Matts Schwester mit ihrem Kind eintrifft, um ihren Bruder abzuholen und mit in die USA zu nehmen. Tommy, noch immer vom Gedanken an Blutrache für seinen Sohn beseelt, versucht, sich Shannons und des Kindes zu bemächtigen, doch Pete stellt sich Tommy in den Weg und provoziert ihn solange, bis Tommy vollends die Beherrschung verliert, sich auf den verletzten Anführer der GSE stürzt und ihn zu Tode prügelt noch ehe jemand eingreifen kann.
Shannon und Matt kehren in die USA zurück, wo Matt auf einer Restaurant-Toilette seinen ehemaligen Zimmergenossen beim Koksen erwischt und ihm bezüglich der damaligen Drogengeschichte ein Geständnis entlockt, das er heimlich aufzeichnet und als "Rückfahrkarte nach Harvard" benutzen will. Als der Erpresste versucht, Matt das Diktiergerät mit Gewalt abzunehmen, begnügt sich Matt damit, den Angriff abzuwehren statt den Angreifer "aufzumischen," wie er es während der "dritten Halbzeit" in England oft genug tat. Mit der Hymne von West Ham United auf den Lippen spaziert Matt die Straße hinunter...
KRITIK AM FILM
Was mir gefallen hat:
+ die Atmosphäre der englischen Fußball-Kultur und -Subkultur, ihre Vorstellungen, ihr Verhaltenskodex, wie sie bis in die 1990er galten, werden m. E. recht authentisch dargestellt.
+ die beiden Hauptcharaktere sind in der Art ihrer Darstellung glaubwürdig und haben genügend Tiefgang.
+ die soziale Struktur englischer Hooligan-Gruppierungen wurde m. E. sehr gut berücksichtigt. Es ist ja eben das Erschreckende an dieser Subkultur der Gewalt, dass sich in ihr durchaus nicht nur der gesellschaftliche Bodensatz wiederfindet, sondern auch beruflich erfolgreiche Menschen. Dies gilt umso mehr, je höher diese Leute in der Hooligan-Hierarchie stehen.
+ filmisch wurden vor allem die Kampfszenen extrem realistisch dargestellt. Da prügelt man nicht, wie in vielen Spielfilmen, stundenlang aufeinander ein und kann dann noch ganz normal laufen, sondern da bleibt man nach ein paar Schlägen auf den Kopf auch am Boden liegen, trägt blutende Wunden und Blutergüsse davon, da benötigt man mit einer schweren Verletzung auch tatsächlich ärztliche Hilfe und sogar sterben kann man, wenn man zu hart geschlagen oder getreten wird. In ihrem Realismus halte ich die Kampfszenen für deutlich gelungener als z. B. die in dem Film "Gangs of New York."
Wer meint, die äußerst brutale Schlägerei zwischen den Millwall-Hooligans und der GSE sei "eine typische Hollywood-Übertreibung", der sei darauf hingewiesen, dass die Realität noch viel dramatischere Drehbücher schreibt: Bei der Tragödie im Brüsseler Heysel-Stadion am 29.05.1985 verursachten Hooligans des Liverpool FC den Tod von insgesamt 39 Menschen: die meisten Opfer waren Fans von Juventus Turin.
+ Charlie Hunnam ist der schauspielerische Lichtblick des Films. Er spielt nicht den charismatischen Anführer der GSE; man hat den Eindruck, er IST ganz einfach der Anführer der GSE. Elijah Wood mag als Schauspieler bekannter sein, aber in "Green Street Hooligans" spielt Charlie Hunnam ihn glatt an die Wand. Und er ist ein Charakter mit Tiefgang, beileibe kein dummer Raufbold. Von Beruf ist der von Hunnan verkörperte Pete Dunham ein bei seinen Schülern beliebter Geschichts- und Sportlehrer, im gesellschaftlichen Umgang mit seinen Mitmenschen (außerhalb der "dritten Halbzeit") höflich und zuvorkommend, ein wenig lässig im Umgang mit Geld, aber insgesamt jemand, den man gerne zum Freund hat, der Typ "dufter Kumpel" halt. Zieht er dagegen mit den übrigen Hooligans von der GSE los, verwandelt sich Pete in einen gewalttätigen, zu jeder Brutalität fähigen Schläger. Eine erschreckende und durchaus glaubwürdig gezeigte Wandlung, die übrigens in beide Richtungen funktioniert. Nachdem alle Gegner krankenhausreif geprügelt und die eigenen Wunden versorgt wurden, ist Pete wieder der liebenswerte und charmante Lehrer von nebenan - sozusagen Dr. Jekyll und Mr. Hyde, bloß ohne den Zaubertrank.
+ Der Film glorifiziert Gewalt nicht, und auch nicht das Dasein als Hooligan. Es geht wohl eher darum, "Gewalt" in ihren diversen Erscheinungs- und Steigerungsformen zu zeigen:
1. Institutionelle Gewalt: Matt wird exmatrikuliert, weil man in seinem Kleiderschrank Drogen gefunden hat. Ein Angehöriger der Campus-Polizei ist anwesend, als Matt seine Sachen packen muss. Diese Art von Gewalt ist genau reglementiert und gilt als einzige gesellschaftlich voll umfänglich akzeptierte Form der Gewalt.
2. Informelle Gewalt (Nötigung/Erpressung): Matt wird von Jeremy van Holden mit Geld und dem unmissverständlichen Hinweis auf die politisch wie wirtschaftlich mächtige Familie van Holden dazu genötigt, auf eine detaillierte Untersuchung und Aufklärung des Falls zu verzichten und still und leise aus Havard abzureisen.
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