Als Erstes möchte mich der Empfehlung meiner Vor-Rezesesenten anschließen, dieses Buch nur zu lesen, sofern man auch die vorhergehenden Bände gelesen hat. Genauso wird der Leser nicht zu einem befriedigendem Edne gelangen, weil die zweite Hälft der Übersetzugn fehlt - dies geht jedoch nicht in die Bewertung ein.
Thematisch setzt Weber seine letzten Romane fort. Sowohl den "Hauptplot" mit Honor, die endlich einmal wieder als Protagonist in Erscheinung tritt, als auch die Ränkespiele von Mesa/ Dem Alignment und der politisch-militärischen Situtation im Talbott-Quadranten.
Leider verstärkt auch Weber die Tendenzen, die sich leider seit ca. Band 9 etabliert hat: eine sich immer schneller drehende Technologiespirale (zu 95% auf Manticores Seite), und die Wahrnehmung der Charaktere. Während Manticore und assoziierte Teile "cool", gerecht, intelligent,vorausschauend etc. sind, ist die Gegenseite verschlagen, dumm und gänzlich unfähig. Dies betrifft v.a. die Solarian Navy. Nun mag es sein, dass eine kriegserfahrene Streitmacht, wie sie Manticore nun einmal darstellt, duraus ihre Vorteile gegenüber einer "noch rückwärtsgewandten" Streitmacht hat. Allerdings kommt Weber mit der großen Klischeekeule und der Leser weiß nach ca. 50 Seiten (sofern nicht schon früher erkannt): Solarische Schlachtflotte = saudumm; Grenzflotte = nur dumm; Mesa = neutral; Manticore = super. War die Beschreibung der Kontrahenten während des ersten Haven-Krieges noch ziemlich ausgewogen (politische Führungsspitze und SyS mals ausgenommen), überwiegen nun die Sterotype.
Zur Technologieentwicklung: Langsam finde ich den technologischen Vorsprung von Manticore mehr als ermüdend: Wenn tausende von Raketen durch das All fliegen, ein Drittel abgefangen wird und die restlichen zwei Drittel 23 namenslose Super-Dreadnoughts vernichten, ist der Spannungsgrad der Gefechte gegenüber den ersten Bänden deutlich abgefallen.
Die Tendenz Webers, auch die kleinste Nebenbesprechung erschöpfend über zwanzig Seiten darzustellen, resultiert in dem Umfang des Buches und der einen oder anderen kleinen Ermüdungserscheinung.
Ein anderer Punkt, der mich stört: die Sprache. So werden bspw. in jedem Gespräch vom kleinsten Marineoffizier bis zur Königin - sorry, der Kaiserin! - beispielsweise die Reporter als Pressefritzen, Presseheinis, Schmierenfinke etc. bezeichnet. Ab und an wäre es ja auch angebracht; aber die durchgängige negative Titulierung ist schon wieder störend. Ich zumindest habe es nicht erlebt, dass heutzutage Politiker durchgängig als "Lügner" und Banker als "Verbrecher" bezeichnet werden, um mal zwei in diesen Tagen *gelegentlich* benutzte Begriffe zu benutzen. [Disclaimer: Liebe Politiker und Banker, die Ihr diese Rezension gerade lest: ich beziehe mich hier lediglich auf Titelseiten und Headlines in Zeitungen. Vielleicht war auch mal der eine oder andere Stammtisch-Erguß mit eingeflossen. Also tötet nicht den Boten! ;-)]
Das Personenregister ist m.E. teilweise nutzlos. Einige Namen habe ich nicht gefunden; dagegen ist Helen Zilwicki Sr, deren einzige Leistung es ist, in einem Raumgefecht 25 Jahre zuvor zu fallen, schön ausführlich erwähnt.
Damit müssten die negativen Punkte erschlagen sein.
Solide drei Punkte Gesamtwertung gibt es deswegen, weil trotz der o.a. Negativpunkte ein "schlechter" Weber/Honor Harrington Roman immer noch eine excellente Lektüre ist - sofern man sich in dem HH-Universum bereits auskennt.