Wer sich mit ,Honkin' On Bobo' damals ein dem Blues gerechtwerdendes Album erwartet hatte, wurde sicher enttäuscht, und schraubte die Erwartungen wohl auch zu hoch, denn: zu rockig, zu knüppelnd waren Aerosmith immer (selbst bei ihren Hochglanzproduktionen), als dass man sich von der Band ein Bluesalbum im Stile eines - bspw. - Clapton erwarten dürfte.
Angekündigt wurde die Platte damals ja auch mit slogan ,Blues done the Aerosmith style', was übersetzt ja nichts anderes bedeuten sollte, als Blues songs die ver-aerorockt wurden.
Über ,Roadrunner' brettern Sie deswegen genauso gnadenlos dahin, wie Sie auch ,Baby Please Don't Go' mit einer Dampfwalze mit 100 km/h überfahren. Subtilität ist ihnen hier fremd. Auch könnte man die Titelauswahl bemängeln, aber bei der Menge an Blues Standards die es gibt, gäbe es da wohl sowieso immer etwas zu bekritteln.
Sie drücken den songs hier aber erfolgreich ihren Stempel auf, und in seinen besten Momenten schafft es dieses Album auch die songs wie gute Aerosmith Originale klingen zu lassen. Das düstere ,Back Back Train' bspw. das in seiner Anmutung gar nicht so weit von ,Sweet Emotion' entfernt ist. Und dass Sie schon auch ein feeling für den Blues haben, beweisen Sie mit ,Never Loved A Girl' und dem zähen, aber lasziven ,I'm Ready'.
Die verrockte Version des Stones Klassikers ,You Gotta Move' gelingt ihnen eitgentlich auch hervorragend, und genau hier beweist Tyler auch wieder, dass er im Vergleich zu seinem optischen Zwillingsbruder Jagger der - technisch - wesentlich bessere Sänger ist.
Schämen brauchen Sie sich bei diese Album nur für das mastering. Komprimiert bis zum obersten Limit kommt es leider so brüllend und übersteuernd daher, dass man manchmal fast weinen möchte. Aber in diese Falle tappten ja damals viel acts, um ihre Alben möglichst fett klingen zu lassen.
Gute 4 Sterne dennoch für ein Album, mit dem Sie erstens bewiesen, dass Sie immer noch erdig rocken können, und dass Sie zwar den Blues aus manchen Nummern entfernen können, dass man aber nie den Blues aus Aerosmith entfernen wird können. Punkteabzug gibt's wegen des masterings und weil man sich halt dann doch zwischendurch ab und zu eine etwas subtilere Herangehensweise gewünscht hätte.