"Honest Lullaby" von 1979, Joan Baez' zweites (und letztes) Album für Portrait, einem Unterlabel von CBS, ist eine durchwachsene Angelegenheit. Es wurde in den berühmtem Muscle Shoals Studios, Alabama, mit der dortigen Studio Band eingespielt und ist klarerweise technisch perfekt. Es ist eine Pop-Rock Produktion großen Stils, aber wie schon der Vorgänger hart am Mainstream der ausklingenden 70er. Baez bringt hier die Country-Schnulze "Let Your Love Flow" und versucht sich an Bob Marleys Klassiker "No Woman, No Cry", dem hier natürlich der Tiefgang des Originals völlig abgeht. Nervtötend ist auch die ständige Wiederholung der Titelzeile der abschließenden Friedenshymne "Free at Last".
Positiv hingegen sind die drei Eigenkompositionen. Wie schon zuvor episch breit und textlastig, aber auch berührend. "Honest Lullaby" ist ihrem Sohn gewidmet, "For Sasha" beschäftigt sich mit dem Holocaust und bei "Michael" blickt sie auf ihre Folkzeiten zurück. Gut kommen auch Janis Ians "Light a Light" und Jackson Brownes "Before the Deluge" herüber. Wunderbar auch "The Song at the End of the Movies".
Insgesamt doch ein angenehmes Album mit einer großartigen Stimme, die hier doch schon ein klein wenig gealtert erscheint.
Es ist ein Album bei dem man sich unterhalten fühlt und das auch einige Höhepunkte zu bieten hat.