Hätten Sie's gewusst? Innerhalb von nur 18 Monaten brachte Honda Anfang der achtziger Jahre, als man sich mit Yamaha um den Titel des weltgrößten Motorradproduzenten stritt, 81 neue Modelle heraus. Unmöglich, dabei die Übersicht zu behalten. Wer dennoch die Honda-Modellgeschichte der vergangenen sechzig Jahre übersichtlich präsentiert haben möchte, dem sei das vorliegende Werk empfohlen.
Unterteilt nach Motorbauarten (Reihenmotoren, V-Motoren, Boxer und Einzylinder) und Fahrzeugarten vom Sportler bis zum Mofa findet sich eine reich bebilderte Übersicht der Honda-Modelle 1948-2005. Hilfreich sind auch kurze Zitate der Testberichte aus "Motorrad" und anderen Zeitschriften. Mit 280 großformatigen Seiten und einem ansprechenden Layout ist dieses Buch eine Bereicherung für den Bücherschrank.
Schade allerdings, dass Joachim Kuch auch diesmal wieder eine Handvoll Fehler in die technischen Daten eingestreut hat (wie schon beim Typenkompass Honda). Dadurch büßt das Buch doch etwas von seiner Nützlichkeit ein. Beispiel SLR650 und Vigor 650, beide mit identischen Motoren (650cc, 39 PS) ausgerüstet: als Drehmoment werden mal 54 Nm/4500 Umdrehungen, mal 29 Nm bei gleicher Drehzahl genannt. Beträgt der Radstand der SLR laut Joachim Kuch 1440 Millimeter, soll die sehr ähnlich gebaute Vigor mit 1140 mm (30 cm weniger!) einen mit dem PX50-Mofa vergleichbaren Radstand haben -was natürlich falsch ist.
Weiter mit der CB500: die Höchstgeschwindigkeit mit 58 PS liegt bei eingetragenen 193 km/h, das Gewicht bei eingetragenen 190 (Modell PC26) oder 193 (Modell PC32) kg. Joachim Kuch nennt in der Tabelle 176 km/h und 170 Kilo, im Text 185 km/h und 190 Kilo. Die in der Tabelle genannte Beschleunigung in 8,7 Sekunden von 0-100 km/h wäre für 58 PS blamabel: tatsächlich sind es nur 5,2 Sekunden.
Auch die Angabe, die CB500 sei eine Reaktion Hondas auf die Suzuki "Bandit" GSF600 gewesen, ist falsch: tatsächlich erschien die "Bandit" erst 1995, zwei Jahre nach der CB500 -der Auslöser war wohl eher der anhaltende Erfolg der seit 1989 gebauten Suzuki GS500E.
Schade, weiß man doch nie, ob man den angegeben Daten nun trauen kann oder nicht. Darum bekommt das Buch nicht die volle Punktzahl von mir. Der inzwischen stark gesunkene Preis lässt mich aber vier Sterne vergeben, denn zur Modellgeschichte weiß das Autorenteam Interessantes zu berichten.