Daß Homosexuelle in KZs landeten, ist einigermaßen bekannt. Doch welche extremen Ausmaße die Homophobie der Nazis und welche Konsequenzen dies hatte, war für mich etwas völlig Neues. So grausig die Taten der Nazis auch waren, konnte ich mir doch manchmal das Lachen kaum verkneifen, so lächerlich und paranoid war ihre Einstellung den Homosexuellen gegenüber. Wären die Strafen nicht so schrecklich gewesen, könnte man das ganze für einen schlechten Witz halten.
In diesem Buch zeigt sich, wie stark verschiedene Dinge mit einander verquickt sind: das Frauen- und Männerbild der Nazis, Kirche, Wandervogel/Pfadfinder, Politik und (Möchtegern-)Wissenschaft.
Da dieses Buch eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten ist, ist es sehr schwierig den Inhalt wiederzugeben. Deshalb werde ich einfach nur ein paar Kapitelüberschriften auflisten:
- Streit um die Strafwürdigkeit der Homosexualität
- Razzien, Verbote und Verhaftungen (Verbot von Schriften, Zerstörung des Sexualwissenschaftlichen Instituts)
- Neufassung des Paragraphen 175
- Diskussion um die Strafverfolgung lesbischer Frauen
- Reichsweite Erfassung homosexueller Männer
- Die Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung
- Rücksichtslose Strenge in der Wehrmacht
- Das Vorgehen in okkupierten Gebieten
- Bekämpfung gleichgeschlechtlicher Verfehlungen in der Hitlerjugend
- Die Kastration als Instrument repressiver Politik
- Homosexuelle Männer in Konzentrationslagern
- Experimente zur hormonellen Umpolung
Der Autor hat unzählige Dokumente thematisch geordnet und überläßt es dem Leser - nach einigen einleitenden Worten zu jedem Kapitel - selbst, sich durch die Briefe und Texte und Gesetzesentwürfe zu wühlen. Dies ist manchmal recht mühsam, so daß ich mir etwas mehr Anleitung gewünscht hätte, doch andererseits entsteht gerade durch das Lesen all dieser Schriften mit der Zeit ein erstaunlich detaillierter Eindruck der Situation der Homosexuellen. Manche der abgedruckten Dokumente sind im Original in Sütterlin. Somit ist es ganz nützlich, aber nicht zwingend notwendig, die altdeutsche Schrift lesen zu können.