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am 6. Juni 2002
Agamben knüpft in seinem brillianten Werk an drei Überlegungen der abendländischen Philosophie: Aristoteles' Spaltung des Lebens in privates und öffentliches Leben, der Begriff des "homo sacer" ("heiliger" oder "verfluchter Mensch") aus dem Römischen Recht sowie Carl Schmitts Souveränitätsbegriff: "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet". Auf dem Rücken dieser drei Thesen und mit Hilfe vieler anderer philosophischer Klassiker versucht er die Souveränität als das durchgänige Merkmal der abendländischen Politikgeschichte festzumachen, indem er den Begriff des "homo sacer" reaktiviert, welcher im alten Rom für Menschen stand, die straflos getötet, jedoch nicht geopfert werden durften. Agamben glaubt, dass sich diese Entwicklung bis in die Gegenwart erhalten hat und ihren schliesslichen "Höhepunkt" im "Lager", also dem KZ bzw. Gulag im 20. Jahrhundert erlebte. In diesem Fall passt er Schmitts Souveränitätsbegriff dieser Entwicklung an: "Souverän ist, wer töten kann, ohne einen Mord zu begehen." Eine beängstigende Vision, die Agamben entwirft, denn er glaubt, dass durch die Gentechnologie diese Situation noch verschärft wird und plädiert deshalb für eine Biopolitik a'la Foucault. Brilliantes Buch!
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am 31. März 2006
Wenn Philosophie tatsächlich "ihre Zeit auf den Begriff gebracht" ist, dann ist Giorgio Agambens "Homo sacer" das wichtigste philosophische Buch seit Jahren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten. Politisch ist dieser Text weniger durch den expliziten Entwurf einer politischen Philosophie, als vielmehr durch harte Arbeit am Begriff und der Aufdeckung der ontologischen Grundkonstellation unserer globalisierten Welt. "Die Politik ist nun buchstäblich die Entscheidung über das Unpolitische (das heißt das nackte Leben)", heißt es lapidar auf Seite 182. Hier spannt sich der weite Bogen der Biomacht von Guantanamo bis zum Kongo, von der modernen Medizin bis zu Hartz IV (der Sozialstaat als biopolitischer Kontrollstaat), vom Irak-Krieg bis zur Gentechnik usw. Agambens Text ist nichts weniger, als der Versuch, "das Feld für jene neue Politik frei zu machen, die im wesentlichen noch zu erfinden bleibt" (S. 21). Und er hat das Feld in der Tat beeindruckend geräumt. Manche Passagen sind in ihrer Unerbittlichkeit der Aufdeckung dessen, was wir als Menschheit gerade mit uns selber tun, kaum zu ertragen; doch diese Reinigung wirkt letzten Endes befreiend. Am Ende kommt ein revolutionärer Humanismus zum Vorschein, der das Leben liebt und ihm vertraut.
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am 30. Mai 2006
"Nun ist es also an der Zeit, den Mythos von der Gründung des modernen Staates von Hobbes bis Rousseau noch einmal zu lesen." Die Gründung ist niemals abgeschlossen, sondern in Form von souveränen Entscheidungen fortwährend wirksam. Das Leben in diesem Staat verändert sich ebenso, als psycho-historischer Prozess. Die Gesetze in diesem Staat sind von Menschen gemacht, aber müssen allein im Sinne Kants gelten und damit Allgemeingültigkeit erlangen, die in reinster Form zur Geltung ohne Bedeutung wird. (vgl.: Vor dem Gesetz, Franz Kafka) Der Mensch, aus der Gemeinschaft ausgestoßen, wird da zum Homo sacer, wo seine Existenz ohne Bedeutung ist. Sacer in der Übersetzung von 'heilig' und 'verflucht' zeigt den oszillierenden Charakter des Nicht-in-der-Gemeinschaft-Seins.

Agamben ist einer der großen Denker des 21. Jahrhunderts. Seine Aufschlüsslung des menschlichen Lebens, beginnend mit Aristoteles' Dualismus von zoe (privat) und bios (öffentlich) , über die römische Zusammenlegung in 'vita' und der dann wieder auftrennenden zusätzlichen Bedeutung in 'vitae necisque potestas' hat er stark verwoben mit dem Begriff der souveränen Macht. "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet" sagte Carl Schmitt und hier ist die Teilhabe an sich im Ganzen zu sehen. Recht sprechen für alle und in diesem Kreise sich befinden, ist das eine, wo doch der Souverän qua Amt sich außerhalb befinden muss, um den Ausnahmezustand zu bestimmen. Über die Funktionen des Souveräns im römischen Leben, in der Rechtsprechung und im mittelalterlichen Leben der 'zwei Körper' Könige erreicht Agamben einen hervorragend Kreis bis in die NS Zeit Deutschlands, wo er mit gleicher Logik Zusammenhänge von Leben des homo sacer und der souveränen Macht herzustellen weiß und folgerichtig erkennt, dass die Biopolitik nach Foucault sich weiterentwickelt mit anderen Mittel bis hin zu öffentlich verlautbaren und akzeptierten Meinungen in der modernen Eugenik bzw. medizinisch politischer Komaforschung. Das 'Lager' ist nicht mehr nur real, sondern als Begriff einer übergeordneten Virtualität im Denken verhaftet. Der Homo sacer lebt damit noch heute, ist frei vom Vorwurf Mord von Dritten zu töten und bedarf nicht einmal eines offiziellen Todesurteils, weil der Homo sacer per definitionem nicht zu opfern ist, auch nicht dem Recht. Diese Ausnahmestellung gilt ebenso für den Souverän, der "töten kann, ohne einen Mord zu begehen".

Für die Zukunft ist ein waches Auge gefragt. Die Notwendigkeit, "im Leben laufend die Schwelle neu zu ziehen, die, das was drinnen, und das, was draußen ist, verbindet und trennt" ist einer der wesentlichen Züge der moderne Biopolitk im Sinne Foucaults. Historische Zusammenhänge auf heute projiziert können moderne Ängste erzeugen, die ein wacher Verstand bezwingen kann. Demokratie und Totalitarismus sind Folgen der Menschen und deren Meinung und Verhalten im la nuda vita in den jeweiligen Systemen. Hier wird mit Agamben ein Feld zur Neubestellung frei geräumt.

Politische Philosophie, gepaart mit radikalem Humanismus, macht das Buch sehr lesenwert.
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am 29. November 2010
Es fällt schwer, voraussetzungslos dieses Buch zu verstehen. So ging es mir. Die Theorie der Biopolitik habe ich zum ersten Mal aus diesem Buch vernommen. Foucault hatte bis zur Lektüre dieses Buches für mich undeutlich etwas mit einem Pendel zu tun. Und der Jurist Carl Schmitt, dessen Staats- und Verfassungstheorie grundlegend für Agamben sind, war für mich ein zumindest zweitweilig ein Nazi und lebenslang ein Antisemit. Keine guten Voraussetzungen, um dieses Buch zu verstehen oder den Versuch dazu unternehmen zu wollen.

Meine mehr auf Affinität als auf Wissen beruhende Orientierung am lateinischen Kulturkreis (im Gegensatz zum angelsächsisch-amerikanischen) wurde geschmeichelt durch die vielen lateinischen, französischen und italienischen Zitate, die dankenswerter Weise vom brillanten Übersetzer, der diese Erwähnung verdient, mit übersetzt wurden (mehr oder minder akkurat, aber ob meiner oberflächlichen Sprachkenntnisse steht mir die Kritik nicht zu). Auch Griechisch kommt viel vor (auch übersetzt) und ein wenig Englisch.

Der sprachliche Schwerpunkt im Lateinischen deutet an, dass hier lange Entwicklungslinien der europäischen Philosophiegeschichte und der Rechtsgeschichte rezipiert werden. Beschämend für mich als Mitglied der deutschen Bevölkerung (!) sind die exzellenten Kenntnisse, die der Autor über die deutsche Philosophie des 18. und 19. Jahrhundert besitzt. Gleiches gilt seinen Kenntnissen der deutschen Rechtswissenschaft des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von Savigny, Ihering, Binding und natürlich Carl Schmitt - offenbar Präsenzwissen des Autors. Auch das deutsche Verfassungsrecht der Weimarer Republik und die Rechtsentwicklung unter den Nazis kennt der Autor aus der Westentasche - dort holt er sich unter anderm die Argumente für seine Philosophie, z.B. über Art. 49 der Weimarer Reichsverfassung (Notverordnungsparagraph). Dass Konzentrationslager (nicht: Vernichtungslager) in der Weimarer Republik von den Sozialdemokraten über das Preußische Schutzhaftrecht eingeführt wurden (eines für militante Kommunisten und eines für Ausländer in Form von 'Ostjuden'), war mir nicht bekannt. Übrigens: Im Rahmen von 11/09 hatte der amtierende Innenminister Schily (SPD) vorgeschlagen, wieder eine präventive Polizeihaft einzuführen (was mich endgültig veranlasste, aus der SPD auszutreten. Übrigens waren die ersten Insassen des KZ Dachau katholische Priester, Kommunisten und Sozialdemokraten. Das muss man als SPD Minister natürlich nicht wissen).

Die Lektüre war trotz aller Schwierigkeiten in Form des Fehlens der Vorbildung sehr aufschlussreich. Sie lieferte mir eine Struktur, in die ich im Rahmen meines Berufes als Jurist mit Schwerpunkt Öffentliches Recht erkannten Besonderheiten einreihen konnte. So wurde im Asylrecht das Rechtsbehelfsrecht drastisch eingeschränkt und dann auf die allgemeine Prozessrecht der VwGO übertragen ('Zulassungsberufung') ' nach dem Motto 'Erst der Ausländer, dann der Bürger'. Der ständige Abbau der Grundrechte belegt die vom Autor vertretene These, dass Grundrechte den Staat voraussetzen, der sie gewährt, einschränkt oder abschafft. Die Mär von der quasi vorstaatlichen Existenz der Menschen- und Grundrechte wird als Milch der frommen Denkungsart entlarvt. Die ständigen Grundgesetzänderungen durch die qualifizierte Mehrheit des Bundestages zeigen, dass das Grundgesetz nur ein Stück Papier ist und dass Souveränität nicht verfasst werden kann und daher eine Verfassung keinen Schutz bietet vor Verfassungsänderungen. Zur Zeit wurde von einem Minister (Name, Funktion und Bedeutung sind mir entfallen) angeregt, im Rahmen der Terrorismusbekämpfung die Pressefreiheit einzuschränken. Zur Zeit kämpft die Bundeswehr am Hindukusch für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und sicherlich bald in Stuttgart oder Gorleben (schon komisch, schon wieder so ein Ausland/Ausländerbezug mit Auswirkungen auf die Bürger).
Der Autor macht auch deutlich, dass er nicht nur Missstände beschreibt, sondern ein Strukturproblem der Aufklärung mit der Erklärung der Menschenrechte an der Spitze. Die Unterscheidung von Menschen- und Bürgerrechten, die sich in der Erklärung der Menschenrecht bereits angedeutet hat, führt im funktionierende Nationalstaat zu Menschen mit verschiedenen Rechtskreisen. Provokant formuliert hat die europäische Demokratie auf Grundlage der Ideale der französischen Revolution die Grundlage für die menschenverachtende Politik und für Terrorregime geschaffen, die diese unterschiedlichen Rechtskreise im Sinne ihrer Ideologie instrumentalisieren, um z.B. dem deutschen Volk zu dienen, in dem Ausländer, Juden, Homosexuelle, gläubige Christen, Schwachsinnige, Verkrüppelte oder politisch Andersdenkende dem Volk und der Volksgesundheit schaden und daher als Schädlinge angesehen werden können. Dieses Phänomen ist aber keineswegs ein rein deutsches Phänomen.

Das Buch ist wichtig. Es gehört verbrannt. Es beschädigt die geistige Gesundheit von Gutmenschen und der damit verbundenen bequemen Lebenslügen.
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