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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 20.02.2002
Der Veroneser Philosophieprofessor ist längst ein Geheimtipp, behauptet Urich Raulff und bedauert, dass der Suhrkamp Verlag dieses Werk des deutschesten unter den ausländischen Philosophen Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen der deutschen Öffentlichkeit präsentiert. Aber heute ist es soweit, und gleich am ersten Erscheinungstag schreitet Raulff zur Tat und stellt den Lesern diesen an Foucault einerseits und an deutsche Philosophen wie Heidegger, Arendt, Kantorowicz und Schmitt anschließenden Denker vor. Raulff erläutert den Titel des Buches "Homo sacer": dies sei ein Begriff aus dem römischen Recht, der einen Mensch bezeichnet, "der 'heilig' ist, obwohl oder weil er im Bann steht", schreibt Raulff. Er stehe für die Grenze zwischen göttlichem und menschlichem Recht, für den politischen Raum, in dem man "töten kann, ohne einen Mord zu begehen". Raulff schlägt mit Agamben einen großen Bogen zu Foucault, wonach sich tendenziell jede Politik in Biopolitik verwandele, d.h. die Grenzen des Lebens und die Entscheidung über das Leben immer ununterscheidbarer würden. Ähnlich wie Wolfgang Sofksy, wenn auch mit anderen Begriffen, betreibe Agamben eine Untergrabung der Zivilisationsgeschichte, meint Raulff, aus der sich jeder Geschichtsoptimismus verflüchtigt habe. Eine Selbstreflexion des Agamben'schen Theoriestandorts steht für Raulff noch aus.
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Kurzbeschreibung
Über den Autor
Giorgio Agamben wurde 1942 in Rom geboren. Er studierte Jura, nebenbei auch Literatur und Philosophie. Der entscheidende Impuls für die Philosophie kam allerdings erst nach Abschluß des Jura-Studiums über zwei Seminare mit Martin Heidegger im Sommer 1966 und 1968. Neben Heidegger waren seitdem Michel Foucault, Hannah Arendt und Walter Benjamin wichtige Bezugspersonen in Agambens Denken.
Als Herausgeber der italienischen Ausgabe der Schriften Walter Benjamins fand Agamben eine Reihe von dessen verloren geglaubten Manuskripten wieder auf. Seit Ende der achtziger Jahre beschäftigt sich Agamben vor allem mit politischer Philosophie. Er lehrt zur Zeit Ästhetik und Philosophie an den Universitäten Venedig und Marcerata und hatte Gastprofessuren u.a. in Paris, Berkeley, Los Angeles, Irvine.