Dieses Buch ist nicht nur ein Thriller, sondern auch ein Spiel mit den Erwartungen der Leserinnen und Leser. Zunächst beginnt alles ganz normal: ein Mann erhält verschiedene mysteriöse Liebesbriefe einer gebildeten Frau und lässt sich auf einen Seitensprung ein. Nachdem das Zusammentreffen zuletzt platzt, trifft er unerwartet doch noch mit der Schreiberin zusammen - und sieht sich Greta Garbo gegenüber. Und alsbald häufen sich die Morde an Männern, die immer auf die gleiche Weise verführt worden sind. Die Polizei tappt im dunkeln, bis ein Kommissar die richtige Fährte findet... Natürlich kann nicht mehr von der Handlung verraten werden. Es kommt jedenfalls alles anders, als es Leser und Protagonisten des Romans erwarten. Die geheimnisvolle Blonde übernimmt selbst die Regie des Geschehens und droht, die Handlung in ihrem Sinne zu verändern. Und wie in Paul Austers "New-York-Trilogie" befindet sich der Leser schließlich im Zwischenraum von Fiktion und Realität, gefangen vom intellektuellen Spiel der Erzähler. Doch liegt hier nicht das einzige Verdienst des Buches: nebenbei liefert Kjaerstad noch ein detailliertes Bild des heutigen Oslo, auch wenn der Erzähler beteuert, die Handlung könne an jedwedem Ort spielen. Außerdem ist in diesem schon 1984 verfassten Roman die wahrnehmungs- und literaturverändernde Rolle des Computers faszinierend dargestellt. Für Freunde des Kinos spart der Autor nicht mit Filmszenen der Greta Garbo, deren mythische Figur eine hervorragende Vorlage für die Protagonistin bietet. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)