Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Wie ich den Roman mit 18 erlebt habe, 3. Oktober 2007
In der 12. Klasse musste ich "Homo Faber" in Deutsch lesen. Es war von Anfang an nicht langweilig, was nach mehreren ungenießbaren Lektüren des Leistungskurses schon erfreulich war. Was ich auch sofort gut fand: ich las nicht nur Literatur, sondern auch eine teilweise zynisch geschriebene Geschichte, bei der gelegentliche kleine, ungefährliche Lachanfälle nicht auszuschließen waren.
Ich las die meisten Seiten laut vor mich hin und versuchte, den Sprachstil passend dabei zu betonen. Dies war besonders leicht, da Max Frisch einen Ich-Erzähler gewählt hat. Es war, als schnüffelte ich im Tagebuch eines Fremden, der seine Erlebnisse nicht trocken genug schildert, um es wieder beiseite zu legen. Emotionen kommen interessanterweise nie richtig zum Vorschein - sie werden vom Erzähler einfach weggelassen. Noch besser hätte mir die Geschichte gefallen, wenn Walter Faber am Ende durch den entscheidenden Lebenseinschnitt (den ich hier nicht vorwegnehmen will) zum bemitleidenswerten Sympathieträger würde. Es kann aber sein, dass der Autor das gerade nicht wollte, um die Einstellung der Homo Fabers auf diesem Planeten zu kritisieren: solche Leute ändern sich eben nie.
Es gibt eine Verfilmung zum Roman, die ich aber weniger hoch einstufe, weil nur im Buch alle Ansichten,Gedanken und Defizite des Protagonisten deutlich werden.
Manche Bücher sind wirklich zum Lesen geschrieben, nicht nur dafür, dass der Schreiber Geld verdient. "Homo Faber" zählt dazu.
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Über den entwurzelten Menschen, 4. November 2007
Neben vielem anderem ist "Homo Faber" auch eine gelungene Studie über einen Mann, der sich ständig selbst belügt. Schon nach gut zwanzig Seiten erhalten wir einen Blick auf das Ende der Geschichte. Die Notlandung mit dem Flugzeug in der Wüste, die die weiteren Ereignisse auslöst, sei natürlich nicht Schicksal, nicht Fügung, erfahren wir vom Protagonisten. Sondern nur das Ergebnis von Unwahrscheinlichkeit, damit mit Hilfe von Mathematik erklärbar. Dabei haben seine eigenen Instinkte ihn zuvor bei der Zwischenlandung lange genug vom Schritt in das Flugzeug abgehalten. Kurz: Er weiß es besser. Aber er will nicht wahr haben, was nicht wahr sein darf.
Formal haben wir einen Reiseroman aus den 50er Jahren vor uns. Es geht von New York nach Mexiko und Südamerika, dann über den Ozean zurück nach Europa, wir sehen Italien und Griechenland, dann am Ende Kuba. Alle Orte entsprechen den Träumen von der Reise an die Sonne, die im Nachkriegseuropa die Menschen bewegt haben. Aber reist Walter Faber, der Held dieser Geschichte zum Spaß um die Welt? Es hat etwas von einer Flucht. Wir erfahren so wenig von seiner Heimat, dass man als Leser den Eindruck erhält, er habe keine solche. Und so erscheint mir eine der Pointen dieses Buches die zu sein, dass man erst Stück für Stück merkt, dass der so selbstbewusst auftretende Ingenieur schon von Anfang an ein gescheiterter Mensch ist. Er trägt den Krebs schon in seinem Bauch. Die Liebe seines Lebens hat er selbst ruiniert. Seine Tochter ist ohne ihn aufgewachsen. Beziehungen zu seiner Umwelt hat er keine. Andere Menschen mag er auch nicht besonders. Und vor allem: Er weigert sich standhaft, einmal selbst über sich und sein Leben ernsthaft nachzudenken.
Während in der Wirklichkeit solche Menschen meist in Dummheit sterben, gibt es im Roman natürlich eine elegantere Lösung. Der Held unserer Geschichte erlebt die Wirkungen des Schicksals, bis er sich seiner eigenen Existenz nicht mehr erwehren kann. Immer mehr Ereignisse bringen ihn dazu, sich mit seinem Selbst zu konfrontieren. Da ist die Leiche seines Freundes Johannes, die er mitten im Dschungel findet. Da ist die Affäre mit Sabeth, die sich als Tochter seiner großen Liebe herausstellt. Da sind die vielen Verweise auf die Geschichten aus der Antike über Götter, Menschen und Menschen, die sich zu Göttern aufspielen. Hybris bekommt den Sterblichen aber schon damals nicht gut, und so findet auch die Geschichte von Faber kein gutes Ende.
Das ganze wird aus der Perspektive des Helden erzählt. Dem aufmerksamen Leser wird aber schnell klar, dass es mehr hinter der Geschichte gibt, als Faber selbst schildert. Das ist clever geschrieben, denn obwohl Philosophie hier eine große Rolle spielt, ist der Roman alles andere ein Lehrbuch. Es ist einfach eine großartige Geschichte, die den Leser an die Grundlagen der eigenen Existenz führt - soweit er denn bereit ist, diesen Weg mitzugehen.
Wie viele andere habe ich den Roman zuerst in der Schule gelesen, mit dem drohenden Deutschaufsatz im Hintergrund. Das sollte aber nicht davon abhalten, das Buch jetzt, mit mehr Erfahrung, noch einmal genießen zu können. Es lohnt sich.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Fabers Wandlung, 4. Februar 2008
Man kann eine Wandlung Fabers im Laufe des Romans feststellen, die vor allem an der sprachlichen Gestaltung sichtbar wird. Anfangs berichtet Faber in Erzählblöcken, die linear aufeinander folgen und aufgefasste Gegebenheiten wiedergeben. Faber ist ein einfacher Protokollant, der sachlich und durchaus genau seinen Bericht" erstattet. Er verfasst alles in einer eindimensionalen Sprache, die den Anschein geben soll, nur auf expliziten Gegebenheiten zu beruhen. Jedoch merkt man immer wieder, dass Faber eigentlich ein empfindsamer und nachdenklicher Protagonist ist, beispielsweise wenn er bestreiten will, dass in schwarzen Agaven schwarze Seelen" zu erkennen sind, wie es andere Menschen meinen würden. Kaum gesteht er sich jedoch ein, dass es Schönheit in der Natur oder Schicksal geben könnte, versucht er die Gedanken durch rationale Überlegungen im Gebiet der Stochastik u.a. zu unterbinden. Es gelingt ihm jedoch nicht, einen vollständig sachlichen Bericht zu schreiben, oftmals unterbrechen Einschübe seiner Gedanken den Erzählfluss.
In seinen Prinzipien lässt sich eine gewisse Diskontinuität entdecken. Auf der einen Seite lehnt er gegenüber Ivy das Heiraten ab, auf der anderen wünscht er sich gegen Ende, Hanna zu heiraten.
Im Laufe der Handlung gelingt es Faber immer weniger, seine Gefühle zu unterdrücken und auf seiner Rolle als Techniker zu beharren. Seine Erlebnisse in Kuba bringen ihm ein bisher völlig neues Verhältnis zur Umwelt. Er entdeckt die Schönheit in ihr und seine Scheu gegenüber den Mitmenschen verschwindet, er streichelt beispielsweise einen kleinen Jungen. Allgemein kann man sagen, dass er in Kuba, dessen Einwohner er aufgrund ihrer unbeschwerten Art sehr achtet, lernt sein Leben zu genießen. So beendet er auch sein Filmen, da er sich nun auf seine geistigen Erinnerungen stützen kann, die er vorher bildlich mit seiner Kamera festhalten musste. Bei der Filmvorführung in Düsseldorf gesteht er sich alle Emotionen ein, die er für Sabeth hatte. Letztlich bemerkt Faber, dass sein technischer Blick auf die Welt dieser nie gerecht wurde und sie nie vollständig erfassen konnte.
Zwar ändert Faber sein Leben und verändert sich letztlich dadurch auch selbst, jedoch war der Kern seiner Persönlichkeit von Anfang an vorhanden. Er war immer schon gefühlvoll. Möglicherweise ist sein Erkalten durch die plötzliche Trennung von Hanna zu erklären, die ihn sehr verletzt und dazu veranlasst hat, sich keiner Frau mehr zu öffnen. Die Ereignisse führen jedoch zu einem Abbau dieser Schutzmauer und sein wahres Ich kommt wieder zum Vorschein.
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