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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Man fragt nach dem Sinn dieser DVD...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Homo Faber (Arthaus Premium Edition; 2 DVDs) (DVD)
Lange hat es gedauert, ehe die Verfilmung eines der populärsten deutschsprachigen Romane überhaupt auch das Licht der digitalen Welt erblickte: Max Frischs Homo faber". Der Erlebnisbericht des Technikers, der in seiner rationalen Welt verfangen ist, der zwar die notwendigen Erkenntnisse über sein falsch gelebtes Leben noch gewinnt, aber dafür teuer bezahlen muss.1991 setzte Volker Schlöndorff den Stoff um. Für Freunde und Verehrer der grandios geschriebenen Geschichte Walter Fabers war dies endlich die Möglichkeit, neue Einblicke und Erkenntnisse zu gewinnen. Oder doch nicht? Das Echo auf Seiten der Kritik fiel gemischt aus, denn Schlöndorff vereinfachte den Stoff stark. Das Krebsleiden Fabers wird nur äußerst subtil angedeutet (dazu gleich mehr), die Liebesgeschichte rückt ins Zentrum und somit nicht der eigentliche Mittelpunkt: Fabers Dilemma eines selbst auferlegten, falschen Menschenbildes. Es geht im Leben um weit weit mehr als Ratio und Technik. Nicht die Macht des Schicksals läutert Faber, nicht bloße Zufälle - denn nach Frischs Verständnis, war und ist es immer das "Fällige", das einem passiert. Schlöndorff wählte zur Verkörperung des Walter Faber Sam Shepard, einen smarten, groß gewachsenen Charaktermimen. Der Oscar nominierte Pulitzerpreisträger Shepard - eine nicht gerade häufige Konstellation - vermag in seine Mimik Stoik zu legen; aber ebenso eine gewisse Fragilität. Das macht ihn eigentlich wie geschaffen für die Rolle, wäre er nicht ein viel zu charismatischer Walter Faber. Dass dieser Mensch nämlich ein zynischer Misanthrop ist, der seinen toten Jugendfreund Joachim lieber mit der Kamera filmt, als in Trauer zu verfallen, der seine Geliebte - Ivy - kurzerhand abserviert und sich zu den bewegenden Worten: "mag sein, ich war gemein" hinreißen lässt, all das glaubt man Shepard nicht. Oder besser: Man würde es ihm nicht glauben, hätte Schlöndorff die Figur plastischer gezeichnet. Julie Delpy als Sabeth verzaubert und betört. Unschuldig, engelsgleich erweckt sie in Faber das Gefühl echter Liebe. Einer wie ihr nimmt man das ab. Definitiv ist die Französin eine Sabeth, die man sich so vorgestellt hätte. Ein weiterer Volltreffer ist Barbara Sukowa als Hanna. Ihre verhärmte Mimik deutet die Defizite der Figur aus dem Roman an. Auch Hanna ist ja letztlich ein sozial eher schwieriger Fall, eine etwas skurrile Person. Sukowa spielt dies grandios. Lässt man also mal beiseite, dass da eine nicht nur sprachlich hochklassige Romanvorlage existiert, bietet der Film ein sehr gutes Schauspielerensemble, das eine eher einfache, aber relativ souveräne Dramaturgie gut umsetzt. Anders gesagt, Schlöndorffs Film ist als Film gut. Was macht nun die DVD. Wer den Film bereits kannte, der darf sich wundern, denn einiges fehlt. Kein zusammengebrochener Walter Faber auf der Flughafentoilette, kein "Sturz vornüber in die Bewusstlosigkeit", keine Odyssee, bis der Jugendfreund endlich gefunden wurde. Die Szenen sind zwar als Extras vorhanden, aber eben nur als solche. Das ist schade, denn so verliert der Streifen nochmals an Komplexität. Eigentlich ist das ein Unding. Denn wer schaut sich eine Literaturverfilmung mehrheitlich an? Freunde von Actionfilmen, oder doch eher Schulklassen, die darüber diskutieren - bzw. Menschen, die sich damit auseinandersetzen wollen. Frisch, der die Premiere des Films nicht mehr miterlebte, war von Schlöndorffs Arbeit ausgesprochen angetan. Dank Shepard, Delpy, Sukowa und weiteren Akteuren, versteht man das. Aber man versteht nicht, warum hier ein deutschsprachiger Roman behandelt wird, als ginge es drum, Popcorn-Cineasten dafür zu begeistern. Das ist definitiv nicht die DVD-Umsetzung, die man sich erhofft hatte. Leider. 4 Sterne gibt es dennoch: Wegen einer sonst sehr soliden, gut ausgestatteten Arthaus-DVD. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Romanverfilmung ohne Tiefgang,
Rezension bezieht sich auf: Homo Faber (Arthaus Premium Edition; 2 DVDs) (DVD)
Das Problem einer Romanverfilmung ist meistens der Roman selbst. Er legt dem Regisseur eine Handlung vor, die ihn sowohl inspiriert, als auch im Wege steht. So lässt sich fast kein Buch originalgetreu dem Text gegenüber verfilmen. Der Regisseur ist also gezwungen, Passagen des Textes umzuschreiben oder wegzulassen, um ein vernünftiges Drehbuch zu erstellen. Zweifellos ist Homo Faber von Max Frisch ein Roman, der nach einer Verfilmung schreit, jedoch auch durch seine Art und Weise, wie es geschrieben ist, schwer umzusetzen ist.Der Film handelt von Walter Faber, einem Ingenieur aus der Schweiz um die 50, der auf einer Schiffsreise die junge Sabeth trifft, in die er sich auch bald verliebt. Es entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden. Erst später erkennt er, dass Sabeth die Tochter seiner ehemaligen Geliebten Hanna ist, die ihn vor 20 Jahren verlassen hat. Er findet heraus, dass Sabeth auch seine Tochter ist. Faber befindet sich darauf in einem Konflikt mit sich selbst und seiner ihn prägenden rationalen Denkweise. Die Charaktere für den Film sind meiner Meinung nach gut besetzt, Sam Shepard als Walter Faber mit monoton grimmigem Gesichtsausdruck hätte allerdings mehr aus seiner Rolle machen können. Julie Delpy als Sabeth sowie Barbara Sukowa dagegen spielen meiner Meinung nach überzeugend. Delpy verkörpert Sabeths unschuldiges, naives und kindliches Wesen so, wie ich es mir im Buch vorgestellt habe. Sukowa passt ganz in die Rolle der etwas suspekten und auch widersprüchlichen Karrierefrau Hanna, die ähnlich wie im Buch Faber mit seiner ideologischen Denkweise konfrontiert. Der Film von Volker Schlöndorff thematisiert hauptsächlich die Beziehung zwischen Sabeth und Faber. Das ist nachvollziehbar, da die Handlung so deutlich vereinfacht wird und der Zuschauer sich nicht auf mehrere Handlungsstränge konzentrieren muss. Doch durch das Weglassen von, meiner Meinung nach, wichtigen Handlungssträngen wie z.B. Fabers Krankheit oder seinem Aufenthalt auf Kuba, geht der Tiefgang der Romanvorlage verloren. Es werden wesentliche Charakterzüge Fabers überhaupt nicht erwähnt, die in die Handlung locker mit eingebaut hätten werden können, zumal ich nach fast zwei Stunden das Gefühl nicht losgeworden bin, dass der Film ziemlich langatmig gewesen ist. Alles in allem eine Verfilmung über die man sich streiten kann. Kennt man das Buch nicht, ist der Film vielleicht ganz nett, den Tiefgang des Buches erreicht es jedenfalls nicht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Großes Literatur-Kino für Genießer,
Von
Rezension bezieht sich auf: Homo Faber (Arthaus Premium Edition; 2 DVDs) (DVD)
Viele Kulturschaffende werden erst lange nach ihrem Tod berümt - der Filmemacher Volker Schlöndorff wurde bereits zu Lebzeiten zur Legende. Mit seinen genialen Literaturverfilmungen gelang ihm immer wieder der Beweis, dass anspruchsvolle Stoffe in durchaus spannenden und unterhaltsamen Filmen präsentiert werden können. Wer hätte gedacht, dass ein problematischer Stoff wie Bölls "Katharina Blum" zu einem Publikumserfolg führen könnte? Die Grass-Verfilmung "Blechtrommel" erhielt sogar einen Oscar - der erste Oskar seit 53 Jahren, der nach Deutschland ging.Allerdings hat er die Zivilcourage besessen, die junge deutsche "Demokratur" und vor allem die Massenmedien in seinen Werken zu kritisieren. Schon eine Verfilmung des Nobelpreisträgers Böll stempelte ihn bei den unerträglichsten Mitgliedern unserer Gesellschaft zum "Sympathisanten". Seitdem machen sich übereifrige Gesinnungswächter einen Sport daraus, auf Schlöndorff - oder auf seine Produktionen - einzudreschen. Bei Homo Faber kam noch dazu, dass es immer noch von vielen nicht ertragen wird, wenn ein größerer Altersunterschied zwischen Partnern besteht. Es kann gar nicht intolerant und peinlich genug sein, was die gleichgeschalteten Leitmedien von SPIEGEL bis BILD manchmal von sich geben. Aber Qualität setzt sich durch: "Homo Faber" wurde von 1,4 Millionen Zuschauern besucht - ein beachtliches Ergebnis für einen so anspruchsvollen Stoff. Denn Schlöndorffs 1991er Verfilmung wurde eines der schönsten und wichtigsten Kunstwerke ist, die man je auf die Leinwand geworfen hat. Eine große Erzählung, vorzügliche Schauspieler und vor allem in HD auch ein traumhaftes Augenkino. Dazu entstand der Film in enger, freundschaftlicher Zusammenarbeit mit Max Frisch, was dem Werk eine große Authentizität verleiht. Frisch liebte den Film - er hatte gegenüber Schlöndorff die Vorteile des Films gegenüber der Literatur gerühmt [2]. Wenige Tage nach Fertigstellung des Films starb Max Frisch [1]. Wer zu den Glücklichen gehört, die weder das Buch noch den Inhalt des Films kennen, sollte hier aufhören zu lesen. Denn die Geschichte Fabers bietet Überraschungen und Wendungen, die manchen Thriller vor Neid erblassen lassen würden. Wer sich "Homo Faber" an einem ruhigen Abend völlig spontan und unvoreingenommen gönnt, wird sicher nicht enttäuscht werden. INHALT & WÜRDIGUNG (ENTHÄLT HINWEISE AUF WESENTLICHE TEILE DER HANDLUNG) In der Hauptfigur des Ingenieurs Walter Faber finden wir jede Menge Max Frisch wieder. Walter (Sam Shepard, 48), der - geniales Casting - einem jungen, schlanken Frisch durchaus ähnlich sähe, ist Ingenieur - Frisch war bekanntlich Architekt. In der natürlich auch von Frisch erlebten und erlittenen, ebenso tragischen wie alltäglichen Situation, dass ein junger Mann unmittelbar nach Abschluss des Studium noch keine Familie gründen möchte, die Geliebte ihn aber mit einem Kinderwunsch oder sogar mit einer Schwangerschaft konfrontiert, gab es keinen Kompromiss: Die geliebte und liebende Hannah (Barbara Sukowa, 41) zieht sich zu dem Arzt Joachim Hencke (August Zirner) zurück, der ihr verfallen ist und ihr "helfen" will. Walter fliegt zu einem Staudammprojekt in die Ferne in dem Glauben, das Kind sei abgetrieben worden. Walters Verpflichtungen führen ihn rastlos um die Welt. Aber er kann dem Verlustschmerz nicht entfliehen. Seine - wie bei Max Frisch selbst - zahlreichen Beziehungen bleiben oberflächlich, oft hat er nach wenigen Tagen die Nase voll von den Frauen. Nun verflicht Max Frisch mit dem persönlichen Erleben Walters in genialer Weise die Konfrontation Walters mit überraschenden Ereignissen - Ereignisse, deren Wahrscheinlichkeit dermaßen verschwindend gering ist, dass ausgerechnet Walter beginnt, an Schicksal zu glauben. Denn Walter trifft "am Ende der Welt" zufällig Herbert Hencke, den Bruder Joachims. Zusammen spüren sie Joachim irgendwo im Urwald von Guatemala auf - doch der hatte sich gerade das Leben genommen. Auf einer Schiffsreise von New York nach Europa begegnet Walter der zwei Jahrzehnte jüngeren Elisabeth (Julie Delpy, 22), an der er Ähnlichkeiten zu Hannah zu erkennen glaubt. Er nennt sie - mit biblischem Anklang - Sabeth. Am letzten Tag der Reise macht er ihr spontan einen Heiratsantrag. Einen Antrag, der - anders als seinerzeit bei Hannah - aus tiefstem Herzen kommt, obwohl hier ebenso die Vernunft dagegen spricht. So trennt er sich in Paris auch zunächst von Sabeth, schließlich folgt er aber doch seinem Gefühl und begleitet sie bei einer Italienreise. Ihre leidenschaftliche Liebe ist stärker als die Bedenken wegen des Altersunterschiedes. Zum ersten Mal seit Hannah liebt Walter wieder eine Frau. Als Frisch den "Homo Faber" entwickelte, war er Anfang/Mitte 40. Heute würde man sagen, im besten Alter für die ebenso tragische wie normale Midlife-Crisis. Mit der Geschichte Fabers verarbeitete er seine eigenen Erlebnisse während umfangreicher Reisen durch Italien, einer Schiffsreise über den Atlantik sowie Reisen nach Amerika, Mexik, Kuba und Griechenland auf. Als hätte Frisch mit dem 1957 veröffentlichten "Homo Faber" seine eigene Zukunft sehen können, begann für ihn 1962 eine lange Beziehung mit der 28 Jahre jüngeren Marianne Oellers. In früheren Zeiten bekam man häufiger als heute als älterer Partner gerne die Nettigkeit "sie könnte seine Tochter sein" zu hören. Es liegt seit 2000 Jahren nahe, diesen Gedanken zu dramatisieren. Welch ein Trauma muss es sein, zu erfahren, dass der geliebte Mann der eigene Vater ist, die geliebte Frau die eigene Tochter! Liebe kann man nicht abschalten, weil das Schicksal ein Spielchen mit einem getrieben hat. Auch Faber und Sabeth lieben sich weiter. Aber wie weiterleben, weiter lieben? In unserem Kulturkreis sind inzestuöse Beziehungen zwar relativ häufig, aber auch extrem tabuisiert. Frisch hat die innewohnende Tragik in "Homo Faber" auf die Spitze getrieben, indem er Mutter, Tochter und Faber zusammenführte - um den Konflikt im Geiste der klassischen Tragödie aufzulösen. Die Gespräche zwischen Hannah und Walter, während Sabeth in der Klinik um ihr Leben kämpft, bilden ohne Zweifel einen Höhepunkt des dramatischen Films und beweisen große schauspielerische Fähigkeiten. Auf das aus Sicht der eigenen Biografie geradezu prophetische Nachspiel des Romans, welches den Lebensbogens Fabers abschließt, hat Schlöndorff im Film verzichtet. Er nimmt zum Ende die Rahmenhandlung wieder auf, Hannah verabschiedet ihn mit einer letzten Umarmung, die ihre gemeinsame Geschichte abschließt. "Ich sitze in der Abflughalle. Ich möchte nicht da sein, nirgends sein. Ich halte nichts von Selbstmord. Das ändert ja nichts daran, dass man auf der Welt gewesen ist. Und was ich wünschte: nie gewesen zu sein. Ich habe nichts mehr zu sehen. Ihre zwei Hände, die es nirgends mehr gibt. Ihre Bewegung, wenn sie das Haar in den Nacken wirft. Ihre Zähne. Ihre Lippen. Ihre Augen, die nichts mehr sehen. Wo soll ich sie suchen?" TECHNIK & KONFEKTION Im Original 117 Minuten, Format 1,85:1 auf 35 mm Film, Dolby (IMDB) Die Arthaus-Edition von Dezember 2007 enthält zwei DVD-9. Der Film läuft 109 Minuten im Format 1,78:1 (16:9 anamorph) - etwa 4 Minuten sind einem nachträglichen "Directors Cut" durch Schlöndorff zum Opfer gefallen. Leider bietet Arthaus die Versionen nicht wahlfrei an, sonderen fügt die herausgeschnittenen Szenen lediglich in Form der Extras bei. [3] Tonspuren sind Englisch und Deutsch in Dolby Digital 2.0 Stereo wählbar. Untertitel gibt es in Deutsch. Die Extras enthalten Trailer, Fotogalerien, Biografie Volker Schlöndorff, alternative und geschnittene Szenen, Dokumente und Zeichnungen zum Film. Auf der zweiten Scheibe finden sich "Erlebtes Leben - Volker Schlöndorff über Homo Faber" (ca. 55 Min.), "Interview mit Produzent Eberhard Junkersdorf (ca. 21 Min.), "Notlandung in der Wüste - Erinnerungen von Produktionsdesigner Nicos Perakis" (ca. 15 Min.) und ein Interview mit Barbara Sukowa (ca. 7 Min.) film-jury 5* A0872 11.2.2012r 18A 3F Genre: Drama [1] Max Frisch starb am 4. April 1991 an Krebs, kurz vor seinem 80sten Geburtstag. [2] "Schauen Sie sich eine große Aufnahme von Julie Delpy an, zehn Sekunden. Wie viele Seiten müsste ich schreiben, um wiederzugeben, was das Gesicht in dem Moment ausdrückt und was man als Zuschauer empfindet!" Aus: "Begegnungen", Gero von Boehm (S. 647). Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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