Der 100. Geburtstag ist oft ein willkommener Anlass, sich neu oder erneut mit einem Künstler zu beschäftigen. In der vorliegende Hommage werden eher unbekanntere Klavierwerke aus drei verschiedenen Lebensabschnitten des Komponisten vorgestellt.
Die acht "Préludes pour piano (1928-29)" eröffnen die CD. Messian - damals noch 20-jähriger Student am Pariser Conservatoire - charakterisierte sie als "eine Reihe von Seelenzuständen". Obwohl der Zyklus unter dem Eindruck des Todes seiner Mutter, der Dichterin Cécile Sauvage, entstand, erstrahlen manche Preludes in einem geradezu lichtdurchfluteten Klangzauber. Anleihen an den Impressionismus eines Ravels sind unüberhörbar. Die Musik weist aber mit ihren z.T. kühnen Fortschreitungen und harmonischen Klangfarben schon am Beginn von Messians Schaffen einen typischen Personalstil auf.
Die folgenden beiden Stücke aus dem "Catalogue d'oiseaux (1956-58) reflektieren Messians hohe Meisterschaft und sein leidenschaftliches Interesse für die Natur und den Gesang der Vögel. In Skizzenbüchern schrieb er in Notenschrift hunderte von Vogelgesängen akribisch genau auf, um sie dann als Ausgangsmaterial für seine in Ästhetik, Technik und Ausdruck radikal neue Musik zu benutzen.
Die beiden abschließenden Stücke "Il de feu" aus den "Quatre Etudes de rhythme" (1949-50) zeigen neue Seiten des Komponisten: Einerseits Messians Faible für den Primitivismus eines Strawinsky
Le Sacre du Printemps + der Feuervogel, andererseits seine hohen Anforderung an die pianistische Virtuosität, welche zweifellos auch seiner zweiten Frau und bevorzugten Interpretin seiner Klavierwerke - Yvonne Loriod - geschuldet sind.
Pierre-Laurent Aimard, dem Interpreten der vorliegenden Aufnahme, gelingt es in beeindruckender Weise, den Spagat zwischen feinsinniger Anschlagskultur und kraftvollem Spiel zu meistern. Technische Schwierigkeiten scheint es für ihn nicht zu geben. An manchen Stellen ist er aber rhythmisch nicht immer exakt genug und spielt für meinen Geschmack etwas zu sehr rubato.
Die Klangqualität der Aufnahme ist, was die mittleren und oberen Lagen des Klaviers angeht, hervorragend ausgefallen. Leider ist demgegenüber der Bassbereich des Klaviers etwas zu stiefmütterlich eingefangen worden. Gerade bei den zupackenden Stücken fehlt hier der nötige Schub in den unteren Lagen.
Insgesamt eine empfehlenswerte Produktion mit kleineren Abstrichen, die aber durch ihre Hochpreispolitik nur echte "Fans" anspricht.