Nenehs 2. Studioalbum ist irgendwie gegensätzlich zu ihrem Debutalbum. Die Musik geht stark in Richtung Hip Hop und ist längst nicht mehr so eingängig, erstmals wagt sie sich auch in die Rocksparte und anspruchsvolle gute Poptitel sind auch auf dieser Scheibe. Aber all diese Songs brauchen etwas Zeit um zu wirken und ihre Schönheit preiszugeben. Das war beim Debut noch anders und so ist "Homebrew" quasi eine 180° Wende in ihrer Musik.
Sassy - Der Opener groovt ordentlich. Ein breakartiges Klaviersample gibt klar den Ton im Sound an, dazu kommt ein geiler Hip Hop Beat. "Sassy" ist ein reiner Rapsong und kommt ohne Gesangspassagen aus. Cool und gut tanzbar.
Money love - Vom Grundsound ähnlich gehalten wie der Opener, doch statt Klavier- gibt's hier ordentlich rockende Gitarrenklänge. Neneh singt richtig gut und geht prima aus sich raus, auch ein Rap-Zwischenteil darf hier nicht fehlen. Eingängiger Gute-Laune-Titel.
Move with me - Sehr melancholische, zeitweilen auch düstere Ballade mit schönen langgezogenen Streicherelementen im Sound. In den Strophen singt Neneh fast ein wenig im Hintergrund, doch beim Refrain zeigt ihre Stimme dann viel Gefühl. Auch dieser Titel ist nicht frei von Hip Hop-Klängen, einige Soundelemente wirken sogar ganz schön schräg.
I ain't gone under yet - Hip Hop in seiner reinsten Form, der Sound wirkt authentisch wie aus dem Ghetto, handgemacht mit Schlagzeug, Gitarren, Klavier ... . Neneh singt auch, und zwar den simplen aber eingängigen Refrain. Coole Nummer.
Twisted - Ein klassischer Popsound begleitet Miss Cherry bei diesem Mittemposong. Ein wenig plätschert hier Alles vor sich hin. Die Melodie wirkt ein wenig langweilig und auch gesangstechnisch zeigt Neneh keine Gefühlsausbrüche, klingt gar monoton. Lediglich im Zwischenteil gibt's eine kurze Regung.
Buddy X - It's fun. Der Song verbreitet einfach gut Laune und Spaß, ist super tanzbar und verfügt über einen herrlichen Refrain, den wirklich Jeder auf Anhieb mitsummen(singen) kann. Cooler Ausklang mit ordentlichem Klaviergeklimper.
Somedays - Klassische Klavierklänge und ein breakbeatlastiger, düsterer Grundsound bestimmen diesen Titel. Neneh singt aus voller Kehle und macht aus dem Stück eine gefühlvolle und schmerzbetonte Ballade. Auch hier ist der Schluss wieder besonders gut gelungen und wirkt etwas losgelöst vom restlichen Song. Top.
Trout - Dieser Rock-Rap Song unter Mitwirkung von Michael Stipe war für mich am meisten gewöhnungsbedürftig. Eigentlich klingt er wie ein klassischer REM - Titel mit purem Gitarrensound. Dabei schepperts ordentlich und Michael klingt richtig cool. Frau Cherry steuert hin und wieder ein paar Gesangsparts und vor allem Rapeinlagen bei, was hier sehr ungwöhnlich klingt. Nach mehrmaligem Hören setzt sich "Trout" letzlich doch im Kopf fest und ist richtig geil.
Peace in mind - Ruhige und entspannte Popnummer. Die Melodie ist gut und eingängig und Neneh singt schön, klar und deutlich. Der Songaufbau ist nahezu klassisch: Ruhige Strophen, ein leicht erhobener Refrain, ein Zwischenteil mit Gitarrensolo und gefühlvollem Gesang, dann der Final-Refrain und instrumentale Ausklang. Schön.
Red paint - Ein wenig versprüht dieser Song Großstadt-Straßenflair. Was wohl an diversen Straßenklängen wie Polizeisirenen und hektisch durcheinander schreienden Menschen im Sound liegt. Neneh sing zum Thema passend traurig und gefühlvoll. Die Melodie ist schön, der Sound nimmt teilweise bedrohliche Züge an. Schöner Poptitel zum Abschluss.
Ordentlich produziert und irgendwie zeitlos in der Musik klingt dieses Album. Und bereits bei ihrem 2. Album hatte Neneh Cherry die Zwänge von Charts- und Verkaufserfolgen abgestreift. Beim Hören der Scheibe würde man nie vermuten, dass das Teil von 1992 ist. Wo da doch gerade Eurodance und Co. voll in waren (wo man sich heute aber fragt warum). Und so gab es für Miss Cherry auch keinen potenziellen Charthit aus diesem Album, was der Güte der Songs aber keinen Abbruch tut.
Das Artwork des Albums ist irgenwie kindlich naiv und verspielt. Neneh im Hausfrauenlock auf einigen schönen Fotos im Booklet, dazu passend die Songtexte in Handschrift mit Kindergekritzel dazwischen. Irgendwie auch schön anzusehen.
Fazit: Gutes, anspruchsvolles und auch zeitloses Album, was heute leider in Vergessenheit geraden ist.