Wenn es texanische Country-Musiker peinlich finden, dass Dabbljuh Bush ihr Landsmann ist, dann ist das zwar nicht automatisch der Ausweis für musikalische Klasse, aber immerhin zeugt diese Äußerung der Dixie Chicks von Geist und macht neugierig auf ihre Musik. Wenn man sich dann ihr Album "Home" anhört, bekommt man den Nachweis musikalischer Extraklasse ohnein nachgeliefert.
Bluegrass und Country & Western, wie man's gern öfter hören würde -- die drei Texanerinnen und ihre Begleitmusiker zünden ein musikalisches Feuerwerk und zeigen, was alles in traditionellen Melodien und Instrumenten wie Fiddel, Mandoline, Banjo usw. drinsteckt. Die Musik klingt wie aus einem Guss, verströmt die Authentizität eines Lagerfeuers und straft das Klischee vom einfältigen C&W Lügen. Sogar der pritschbreite Texas-Akzent passt rein, als wäre er extra für diese Band erfunden worden. Und was die Texte angeht -- die trotzen ebenfalls munter den gängigen Klischees.
Erstaunlich ist das musikalische Spektrum, von ruhigen, stimmungsvollen Balladen bis zu ausgelassenem Bluegrass: In "Landslide" entlocken sie dem Fleetwood-Mac-Klassiker ganz neue Nuancen -- einfach eine schöne stimmungsvolle Ballade. Noch beeindruckender vielleicht ist das verhaltene "Top of the World". Sie können aber auch anders: Klasse zum Beispiel "Truth No.2", "White Trash Wedding" oder "Lil' Jack Slade", drei Bluegrass-Nummern vom Allerfeinsten, bei denen die Post sowas von abgeht... -- In diesem Stil könnte man einen Track nach dem anderen hervorheben; jeden kann man bis zum Abwinken hören, ohne dass dabei Langeweile aufkommt.
Und dann natürlich das Highlight: "Travelin' Soldier", eine Country-Ballade über die Sinnlosigkeit des Vietnamkrieges (bzw. aller Kriege), die in den Kronschatz des Genres gehört.
Mitreißend, wehmütig, melancholisch, ausgelassen, zu Herzen gehend -- alles trifft zu auf dieses Ausnahme-Album, das ich auch Country-Skeptikern ans Herz lege.