Mitte der 80er Jahre hatte der Elektropop längst seinen Siegeszug angetreten. Human League, OMD, Heaven 17, Ultravox und wie sie alle hießen. Das war kommerziell extrem erfolgreich, mit viel Melodie und großem Hitpotential.
Dann kam Laurie Anderson. Mit Mister Heartbreak hatte sie das Genre schon auf den Kopf gestellt. Es gab keine Konzerte sondern Performances; keinen Mainstream sondern Avantgarde - sehr ungewöhnliche Musik, die hängen blieb und andere Möglichkeiten aufzeigte. Dann kam es neben Stop making sense von den Talking Heads wohl zum ungewöhnlichsten, aufregensten und bahnbrechenden Konzert der 80er: Der Live-Mitschnitt von Laurie's Home of the brave war mehr multimediale Performance - und das war komplett neu.
Die dazugehörige CD vereint Studio- und Liveaufnahmen und macht süchtig. Selbst die eingängigsten Titel (Smoke rings, Language is a virus) sind typisch Laurie Anderson - voller merkwürdiger Harmonien, tolle ironische Lyrics. Die weniger eingängigen Stücke erweisen sich als wahre Perlen, die auch heute noch zu 100% funktionieren.
When Laurie nach einem Fassbinder-Film fragt, läuft einem ein Schauer über den Rücken (White Lily). In der Klangcollage Late Show wird man aufgefordert, euf einen Herzschlag zu hören. Sehr aufregend ist Radar, gefolgt vom Höhepunkt des Albums Sharkey's night in der Live-Version. Credit Racket ist so etwas wie eine Variation von Sharkey's night.
Das geniale Zusammenspiel von Fairlight, Keys, Vocoder, Top Background, Percussion und Gitarre, allesamt besetzt von Ausnahme-Könnern ihrer Zunft (u.a. Adrian Belew, David van Tieghem) macht das Album zu einem echten Erlebnis, das nachwirkt. Am Ende will man mehr, einfach nur mehr.
Unter den 5 Cds für die Insel schon die zweite von Laurie Anderson.....