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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Mann oder Wolf?, 29. Mai 2009
Heute war sie in der Post, die langersehnte neue Scheibe der Eels alias Mark Oliver Everett. Wer sich wieder mal ein zweites "Novocaine for the soul" erhofft hat, wird ein weiteres Mal enttäuscht. Leute, kapiert es endlich: Der Mann macht, was er will und das ist selten das, was von ihm erwartet wird. Selbst wenn er wollte, was von ihm erwartet wird, würde er es wahrscheinlich genau deshalb nicht tun.
Soviel vorneweg: "Hombre Lobo" ist eine tolle Platte! Beim ersten Durchhören erinnert es wohl stark an das eher ruppige Souljacker-Album. Country-Shuffle und Rockabilly Rhythmen, twangende Gitarrenriffs, angezerrter Gesang, alles verpackt in eine scheinbare LoFi-Indieproduktion (wer genauer hinhört, vermag die kalkulierte Raffinesse in der Produktion zu erkennen). Doch die Platte hat auch andere Seiten. Mehrere ruhigere Songs durchziehen das Album fast unauffällig. Hier fehlen allerdings fast gänzlich die gewohnten, gehassliebten schwülstig arrangierten Streicher- und Spielzeugpianoarrangements, die zuckersüßen Melodien, die man genießt und gleichzeitig überlegt, ob man morgen seinen Zahnarzt anrufen muss, wenn man zu lange drauf herumlutscht. Bitte nicht falsch verstehen: "Blinking Lights..." ist wahrlich ein Meisterwerk der Songschmiedekunst, aber diese Platte hier ist anders. Die Balladen auf "Hombre Lobo" erinnern eher an "Things the Grandchildren should know" und dieser geniale Song ist uns ja auch sehr schnell ans Herz gewachsen - Shit, der ist ja auch auf "Blinking Lights". Hab ich schon das Wort "Meisterwerk" verwendet?
Doch zurück zu "Hombre Lobo": Everett klingt insgesamt ungewohnt offensiv. Ein Zustand, der ihm selber nicht ganz geheuer zu sein scheint, präsentiert er sich doch im Booklet ausschließlich in monochrom eingefärbten Bildern mit Sonnenbrille und Existenzialistenbart, oder ganz einfach von hinten. "So, ich hab das mal rausgehauen, jetzt seht mal selber zu, wie ihr damit zurechtkommt.", scheint er uns zurufen zu wollen, dreht sich um und geht.
Ich kann gut damit umgehen, glaub ich. Die Musik von Eels rettet immer noch Leben, dessen bin ich mir sicher. "Hombre Lobo" gehört allerdings zu den wenigen Eels Alben, das man auch auf einer Party laufen lassen würde.
Für alle, die sich bis hierher durch diesen Text gekämpft haben und keine Ahnung haben, wovon ich rede: "Hombre Lobo" klingt wie... stellt euch eine Band vor, in der Beck (Produktion), Tom Petty (Songstrukturen), Elvis Costello (Gitarren), John Lennon (geniale Naivität) und Iggy Pop (Scheißegal-Attitüde) spielen. Irgendwie so und eben doch nur und einzig nach Eels.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Beginn des Alterswerks, 3. Juni 2009
Eines vorweg: allein das Cover verdient höchste Anerkennung. Im Stil einer noblen Zigarrenbox mit Goldprägung, leuchtendem Orange und Filigrantypografie erhebt die Pappbox Anspruch auf einen absoluten Spitzenplatz im Olymp der Tonträgerverpackungen. Wer die Plastikvariante kauft, ist selbst schuld und hat das Leben nicht verstanden.
Extreme Lo-Fi-Seeligkeit im Opener "Prizefighter" soll wohl unverminderte Vitalität und Wildheit suggerieren, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir es hier mit dem ersten, eindeutig dem beginnenden Alterswerk des Mark Oliver Everett zuzuordnenden Album zu tun haben. Das ist keineswegs negativ gemeint: "Hombre Lobo" strahlt sehr souverän in jeder Sekunde seiner Laufzeit die selbstbewusste Haltung aus, niemandem mehr etwas beweisen zu müssen und bleibt trotz intimer Texte auf Distanz.
Emotional war mit dem Vorgänger "Blinking Lights" wohl alles gesagt. Dass es in diesem bombastisch-sinfonisch-zuckersüß-melancholischen Stil nicht würde weitergehen können, war klar. Da hatte Herr Everett ein 100%iges Meisterwerk geschaffen und die damit verbundenen Konsequenzen dürften ihm selbst sehr klar bewusst sein.
Also ist "Hombre Lobo" ein zurückgelehntes, nicht zu ambitioniertes, ein "einfaches" Eels-Album mit diversen Selbstzitaten und der bekannten, aber perfektionierten Technik, ruhige Titel sehr direkt mit brachialen zu konfrontieren.
Innovativ für Everett (aber warum sollte es überhaupt und jemals die geringste Notwendigkeit von Innovation bei einem so begnadeten Künstler geben?) ist am ehesten die Fiebrigkeit der Vorab-Single "Fresh Blood". So etwas habe ich in dieser Intensität noch nirgendwo gehört.
Gemeinsam mit dem ebenfalls sehr ruppigen "Tremendous Dynamite" und dem zwischen beiden Titeln eingeschlossenen "The Longing" bildet "Fresh Blood" das Herzstück des Albums.
Fazit: "Hombre Lobo" hat nicht annähernd die emotionale Wucht von "Blinking Lights", präsentiert sich aber wesentlich direkter, experimentierfreudiger und Mark O. Everett zeigt erneut seine musikalische Intelligenz.
Wenn dieses Album eine Botschaft vor sich herträgt, dann vielleicht diese: man sollte Musik nicht zerreden, sondern einfach hören und unbedarfte Rezensenten sollten einfach mal die Klappe halten.
Woran ich mich jetzt unverzüglich halte!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
VIelleicht die schlechteste aller Eels-CDs und immer noch großartig, 16. August 2009
Was sollte nach dem Epos 'Blinking lights...' eigentlich noch kommen, konnte man sich fragen. Nachdem sämtliche dunklen Täler der E-Seele durchschritten und ausgeleuchtet (Achtung Wortspiel!) wurden, blieb nicht mehr viel. Also setzte sich M.O. Everett dieses Mal offensichtlich ein Motto, dem er die Songs unterordnete: 'Songs of Desire'. Das ganze zu gleichen Dritteln ein paar starke, ein paar gute und ein paar Standardsongs (wobei Eelsstandard schon allein für viele Bands unerreichbar bleibt) ergeben, die sich auf diesem Album tummeln. Zu den ersteren zähle ich vor allem 'The look you give that guy', 'Fresh blood' und 'Ordninary Man'.
Insgesamt finde ich, dass hier ein bisschen die persönliche Note fehlt, vielleicht liegt es daran, dass mit Blinking lights sämtliche Depressionen ad acta gelegt sind. Aber die persönliche Zerissenheit und der Schmerz von beispielsweise ElectroShock Blues kommen nur ganz selten zum Vorschein.
Fazit: Für Eels-Fans kein Fehlkauf, schließlich finden sich ein paar Perlen und für Neueinsteiger würde ich eher zu dem erwähnten ESB, Beautiful Freak oder Shootenanny! raten.
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