Frank Miller ist schon seit Jahrzehnten als Individualist unter den Comiczeichnern bekannt,der Bahnbrechendes geschaffen hat,mitunter aber auch die Geschmäcker spaltet. Seit Jahren hat er als Comiczeichner bis auf wenige Einzelillustrationen nichts neues mehr geschaffen,und so durfte man gespannt sein auf seine neue,"Original Graphic Novel".Leider wurden nicht alle Erwartungen erfüllt.
Im Groben und Ganzen wurde der querformatige HC im "Sin City"-Stil erstellt. Er ist größtenteils in s/w mit harten Schatteneffekten erstellt. Einige sehr wenige Farbtupfer wurden dann integriert,mal grüne Augen,rötliche Turnschuhe,rosa Lippen oder eine grüne Blende. Bei dem 120 Seiten langen Comic wäre das Querformat eigentlich nicht so zwingend notwendig gewesen wie bei "300";es ist eher eine grafische Spielerei. Die Zeichnungen sind noch "schneller" und skizzenhafter erstellt worden als bei Miller eh schon gewohnt. Auf der Strecke geblieben ist dabei leider aber die einzigartige Schönheit seiner Frauendarstellungen. Zudem wurde ca auf jeder zweiten Seite mit dem Stilmittel des "Dripping" gearbeitet;soll heißen,über die s/w-Seiten wurde teilweise noch einmal weiße Farbe gespritzt oder gewischt,was einen ganz eigenen,Jackson Pollock-artigen Einfluß versprüht. Die Suche nach der Synthese aus Darstellung und Abstraktion ist auch im Comic eine löbliche Sache,funktioniert aber nur sehr selten(weshalb es kaum Zeichner gibt,die sich da ran wagen). In diesem Fall ist es auf einigen Seiten halbwegs gelungen,auf anderen weniger. Meiner Meinung nach hätte Miller sich mit dieser Technik auf einige wenige Highlights beschränken sollen,denn so sieht es nach einer Masche bzw fast schon nach einem Spleen aus. Zudem wechseln sich viele ganzseitige Panels ab mit Seiten bis zu 24 kleinen Bildchen,die zudem nicht sehr detailreich gezeichnet sind. Wirklich gut getuscht bleibt wenig,alles sieht sehr spontan und skizzenhaft aus. Trotzdem ist die Grafik zumindest "Außergewöhnlich" und individuell,wenn auch noch mehr Geschmackssache als sonst.
Textlich hat sich der gute Frank diesmal leider gar nicht mit Ruhm bekleckert. Die erste Hälfte des Buches ist komplett aus dem DC-Universum geklaut. Ein gesetzestreuer Superheld namens "The Fixer" verhaftet eine katzenartige Diamantendiebin,verfällt aber ihrem sinnlichen Charme und ihrer erotischen Ausstrahlung. Das habe ich doch irgendwo schon mal gelesen? Der nur dürftig getarnte Batman-Rip-Off dürfte DC schon mal eine Klage erwägen lassen,wobei es sich mit Goldesel Miller sicher niemand verderben will. Gemeinsam machen sie dann mit äußerst rassistischen Sprüchen und Gehabe fiese Al-Quaeda-Terroristen platt,die ja generell nichts anderes verdient haben. Sorry,aber das ist derart wenig differenziert und bricht so sehr dem Fremdenhass Bahn dass es diesmal wirklich einfach nur widerlich rüberkommt. Klar wird das der Lieblingscomic aller stumpfen Ami-Patrioten,aber ernst nehmen kann man das nicht,und ich befürchte,Miller meint es aber ernst. Der radikale Text kann von mir jedenfalls höchstens zwei Sterne erwarten,und zusammen mit 4 Sternen für das ausdrucksstarke Artwork macht das im Schnitt 3 Stene,und das ist für Miller-Verhältnisse und auch für den Neupreis zu wenig.