Da hat der Knopp also ein weiteres Buch über Hitler geschrieben, ein Buch, das sich in nichts von seinem, fast kann man sagen, geschäftigen, bescheidwisserischen Stil seiner Vorgänger unterscheidet. Was sich ändert ist nur der Titel. Was ihn von ernsthaften Historikern negativ unterscheidet, sind seine eilfertig hingeworfenen Bücher zu jedem Thema des Dritten Reiches. Um ein derart ungeheueres Verbrechen wie den Genozid zu beschreiben, bedarf es schon etwas mehr als Berichte über vertierte KZ- Schergen und allgemein bekannte Darstellungen über die Haupttäter Hitler und Himmler. Mit keinem Wort geht Knopp auf die Rolle ein, die ungezählte Schreibtischtäter spielten, um den Genozid erst zu ermöglichen. Denn auch der schlimmste Diktator kann nicht Millionen Menschen in ganz Europa zusammen treiben und ermorden lassen ohne administrativer Zusammenarbeit nahezu aller Behörden. Reichsbahn, Standesämter, Wohnungsämter, Banken, Versicherungen, Finanzämter, das Auswärtige Amt mit Tausenden Beamten in Deutschland und in den besetzten Ländern waren nötig- und auch gerne behilflich- die Endlösung umzusetzen. Ohne das Zusammenspiel dieser und noch vieler anderer Behörden und ihrer Bereitschaft wäre der Genozid nicht möglich gewesen. Davon steht bei Knopp praktisch nichts, wie auch? Er hat auch nicht wie Raul Hilberg Jahrzehnte an seinem Werk- Die Vernichtung der europäischen Juden- gearbeitet und gewissenhaft recheriert . Somit fehlt die Tiefe um dem Leser die wahre Tragödie zu vermitteln; Zahlen über die Opfer und Einzelgrausamkeiten können das nicht. Erst wenn man begreift, dass mitten im Krieg, bei schlechtester Frontlage, Spritmangel und fehlender Fahrzeuge und Züge, knappen Wehrpersonals, denoch bis zum Ende immer rund fünfhunderttausend(!) Beamte, Diplomaten, kleinere und höhere Angestellte aus allen Behörden und Dienststellen, verteilt über das gesamte besetzte Europa mit nichts anderem beschäftigt waren, als mit der `Aufgabe` möglichst jeden Juden in möglichst jedem Winkel ihres Machtbereiches registrieren, deportieren und ermorden zu können, wird man das doch Seichte und Oberflächliche bei Knopp sehen. Das historische Wissen zwischen ihm und Hilberg ist unermesslich, schließlich arbeitete Hilberg Jahrzehnte an seinem Werk, indess Knopp bald jedes Jahr ein neues, zum großen Teil von namhaften Wissenschaftlern abgekupfertes Machwerk in Sachen Drittes Reich auflegt
Noch etwas stört mich bei den Knopp- Büchern, wenn es auch nicht wichtig erscheint: Er schreibt konsequent: Hitlers Machterschleichung. Was Hitler immer getan hat, und er hat viel Böses getan, so sollte man doch bei der Wahrheit bleiben. Adolf Hitler hat die Macht weder erschlichen noch ergriffen, sie wurde ihm nach einer völlig legalen Wahl von den arroganten Papen und Konsorten übergeben.
Fazit zu Knopps Holocaust: Ein leicht lesbares Buch, das deswegen viele Leser erreicht und das ist schon etwas, darum auch zwei Sterne. Wer sein Wissen wirklich vertiefen will und über das ganze Ausmaß der Schuldverstrickung sich informieren möchte, der sollte sich an Hilberg, Jäckel und ähnliche Kapazitäten halten.