Filme übers Filmemachen sind beinahe ein eigenes kleines Genre des künstlerischen Kinos. Der absolute Klassiker ist Fellinis 8 1/2 mit Marcello Mastroiani als Regisseur in einer kreativen Krise und auch Truffaut hat sich dem Thema in "Die amerikanische Nacht" ausführlich gewidmet und spielte sogar selber den Regisseur. Woody Allen hat sich dem Thema bereits 1980 mit den formidablen "Stardust Memories" genähert. Damals war er in einer künstlerischen Schaffensphase, wo der ehemalige vollberufliche Komiker beweisen wollte, dass er auch ernste, dramatische Filme schaffen kann. Das hohe Maß an düsterer Selbstreflexivität des Films war damals einigen Kritikern zu viel des guten.
Doch als sich Woody Allen 2002 dazu entschloss nocheinmal einen Film über einen Regisseur zu drehen, war er schon längst ein anerkannter Künstler, dessen Werke als Klassiker galten und von Comedyfreunden als auch von Fans europäischer Dramen geschätzt wurden. Demgemäß ist "Hollywood Ending" ein viel leichterer, spielerischer Film als sein düsterer Vorgänger aus den frühen 80er Jahren. Eine unterhaltsame Parodie des amerikanischen Filmbetriebes, die sich nicht mit philosophischen Diskursen aufhält, sondern mehr auf klassischen Slapstick und Wortwitz setzt. Die vielen sarkastischen Seitenhiebe auf die seltsamen Praktiken Hollywoods und auch auf die allzu arrogante, von Snobismus nicht ganz freie Autorenfilmszene machen diesen Film für Filmliebhaber und Studenten ganz besonders amüsant.
Schon die verrückte Grundidee des Films ist so originell, dass sie eigentlich einen Oscar verdient hätte. Der in einer Schaffenskrise steckende Regisseur Val Waxeman bekommt ein großes Filmprojekt über New York angeobten, das ihn wieder zu einem der ganz großen im Business machen könnte. Doch die anbietende Produktionsfirma wird von dem arroganten Hal Yager geleitet, der Waxeman seine Frau Ellie ausgespannt hat. Notgedrungen nimmt der Regisseur den Job aber dennoch an und bemüht sich damit zurecht zukommen seine Exfrau, die inzwischen Produzentin geworden ist, als direkte Vorgesetzte aushalten zu müssen. Der Stress ist allerdings zu viel für den neurotisch veranlagten Hypochonder und Waxman wird einen Tag vor Drehbeginn plötzlich blind! Psychosomatisch blind, wie der zu Hilfe gerufene Arzt schnell diagnostiziert. Da aber Waxman endgültig ruiniert wäre, wenn er den Film abbricht, entschließt er sich dazu dennoch zu drehen... Das führt natürlich zu einer ganzen Kette von absolut ausgeflippten Situationen, wo Val Waxman sich mit aller Kraft bemüht seinen Zustand vor der Crew geheim zu halten und dabei schließlich auf die Hilfe seiner Exfrau Ellie angewiesen ist, die ihm am Set begleitet und alles tut damit auch ihr Ruf als Produzentin durch das Disaster nicht sofort vernichtet wird.
Auch hier ist es wieder ein großes Vergnügen den vielen, vielen Slapstickeinlagen (Waxman fällt vom Set, hält den Filmposter falsch herum, redet in die falsche Richtung etc.) zuzusehen, denn Allen zeigt mal wieder sein ganzes Schauspielerisches Können und liefert eine energiegeladene Leistung ab. "Hollywood Ending" erschöpft sich allerdings nicht nur in der Aneinanderreihung von Gags, sondern schafft es auch noch eine gar nicht uninteressante Liebesgeschichte mit einzuflechten, denn natürlich kommen sich Waxman und seine Exfrau Ellie durch die enge Zusammenarbeit am Filmset wieder näher. Dabei hat Allen es hier ganz besonders auf eine Parodie von Männern wie den Produzenten Hal Yager abgesehen, die einfach zu selbstverliebt und Karrierebessesen sind, um sich um andere Menschen kümmern zu können. Der neurotische Waxman mag zwar auch seine Fehler haben, wird aber dennoch als jemand gezeigt der immerhin authentisch und ehrlich ist, was man von dem schmierigen Yager sicher nicht behaupten kann. Außerdem lernt Waxman durch die Auseinandersetzung mit seiner Krankheit die Welt in neuem Licht zu sehen und entwickelt eine gewisse bescheidene Dankbarkeit für das Leben, die den depressiven Hypochonder am Ende sogar richtig sympathisch macht. Enden tut der Film natürlich mit einem richtigen Hollywood Ending, das allerdings auf lustige Art ironisch gebrochen ist und andeutet, dass auch in der Autorenfilmszene nicht alles mit rechten Dingen zu geht...
Alles in allem ist der Film ein wenig zu leicht, um mit Woodys ganz großen Filmen wie "Annie Hall" mithalten zu können, die sich durch eine Mischung aus Humor und Ernst auszeichnen. Wie schon gesagt, wurde hier einfach primär auf leichte Komik gesetzt. Aber als witzige Komödie mit viel Sarkasmus funktioniert "Hollywood Ending" sehr, sehr gut.
Leider ist "Hollywood Ending" damals nicht in die deutschen Kinos gekommen, weshalb es keine deutsche Version gibt. Man muss sich die DVD importieren. Der Aufwand lohnt sich jedoch.
Ich selber besitze die italienische Ausgabe, die englsichen Ton mit englischen Untertitel anbietet.