Es war in einem Winter, und es war kalt und verschneit draussen, und ich musste wieder mal um 5:00 uhr zur Arbeit fahren, kaum ein Mensch weit und breit zu sehen. Da kann einem die Welt ganz schön feindselig vorkommen. Umso wärmer wurde mir ums Herz, als unser Alternative-Sender einige Songs von Howie Beck zu spielen begann...
Der Legende nach praktisch zur Gänze alleine & in seinem Schlafzimmer eingespielt, mit behutsam zurückhaltendem Gesang (so als ob er Angst hätte die Nachbarn zu wecken) klingt "Hollow", als ob auch der gute Howie so manch kalten Wintertag in Toronto alleine zubringen musste. Das Cover (ein einzelnes beleuchtetes Schlafzimmerfenster in einem dunklen Wohnblock) unterstreicht diesen Eindruck. Und dementsprechend drehen sich auch die Texte von Howie Beck um Einsamkeit, verratene Liebe, zerbrochen Freundschaften, verpasste Chancen. War sein Debütalbum "Pop & Crash" (welches er aufnahm als er aufgrund Pfeiffer'schem Drüsenfieber mehrere Wochen zuhause verbringen musste) noch charmanter Indie-Pop, so ist "Hollow" deutlich düsterer ausgefallen.
Das Album ist ein echter Slowburner und entfaltet seine Qualität nicht unbedingt beim ersten Anhören, aber dass ich es nach mittlerweile knapp 10 Jahren immer noch sehr gerne auflege (vorzugsweise im Winter), zeigt dass diese Platte einen besonderen Stellenwert in meiner Sammlung hat (was nicht zuletzt daran liegt, dass ich Howie Beck auch persönlich kennenlernen durfte). Als Anspieltipps empfehle ich "Baby plays around" sowie "What you found". Die beiden Songs zeigen sowohl seine Indie-Rock-Wurzeln als auch sein Händchen für Popmusik im besten Sinn. Die Singles "Maybe I belong" und "The Chance is gone" dürften sich dem Hörer als nächstes erschliessen, und dann warten mit "I won't be sorry" und "Serves you right" noch 2 ganz besondere Glanzlichter darauf entdeckt zu werden. Und wer irgendwann so richtig gefangen ist, wird auch das etwas sperrigere "Scarecrow down" (mit String-Arrangements von Taylor Savvy) ins Herz schliessen.
Auch wenn für Howie Beck das Glas eher halb leer sein dürfte, werden seine Songs nie eintönig, kitschig oder deprimierend: zu warm ist dafür seine Stimme, zu abwechslungsreich seine Songs, zu vielfältig die Arrangements. Die Instrumente sind im übrigen (bis auf die Streicher) alle von ihm selbst eingespielt. Und trotz dieser Do-it-yourself-Arbeitsweise klingt die Platte alles andere als "lo-fi", was daran liegt daß der gute Mann auch ein akribischer Klang-Tüftler mit sehr viel Liebe zum Detail ist, wenn es um das Abmischen seiner Songs geht.