Familie Baum-Meier ist vor über zehn Jahren von Berlin in ein abgelegenes 10-Seelen-Dorf im brandenburgisch-vorpommerschen Grenzland gezogen. Mit Haut und Haar stürzte sich das Paar in das Landleben und versucht sich seitdem auf seinem Hof in biologischer Selbstversorgung und nachhaltiger Lebensart.
Das abgelegene Anwesen teilt sich die Familie mit Pferden, Ziegen, Schafen, Kaninchen und Hühnern. Die mit Pflanzen, Ernten und Schlachten verbundenen Mühen, Freuden und Misserfolge werden von den Autoren humorvoll und selbstironisch abwechselnd aus der Perspektive von 'Bauer' und 'Bäuerin' beschrieben.
Es geht um mitunter skurile Erfahrungen und Erlebnisse bei der Bewältigung des dörflichen Alltags, aber auch um die eher widrigen Herausforderungen des Aussteigerlebens: die ländliche Service-Wüste, Novemberblues, Probleme mit dem pubertierenden Nachwuchs, drohendes verfrühtes Ableben wegen schlecht erreichbarer medizinischer Versorgung, lethargische Dörfler und die allgegenwärtige soziale Kontrolle durch die liebe Nachbarschaft.
Wie die Autoren resümieren, setzt nach 8 bis 10 Jahren bei vielen Neudörflern eine Phase der Ernüchterung ein. Käsen, Saften und Einwecken sind dann Routine oder sogar lästige Pflicht, das Verhältnis zum Getier wird pragmatischer. Auch in der Beziehung ist die Luft oft raus. Sinnkrisen verdunkeln das Idyll und so mancher Apfel bleibt nun unverarbeitet unterm Baum liegen. Jetzt zeigt sich, wer wirklich für das Landleben geboren ist. Welche mehr oder weniger erfolgreichen Überlebensstrategien landmüde Stadtflüchtlinge in dieser Misere entwickeln, wird lakonisch beschrieben.
Das Buch mag manche Leser bestätigen oder auch bestärken und manchen die Augen öffnen. Auf alle Fälle tut es das auf sehr unterhaltsame Weise. So mancher Teilzeit-Landbewohner wird sich nach der Lektüre dieses Buches entspannt in seinem Liegestuhl zurück lehnen.
Hollerbusch statt Hindukusch. Neues von der Aussteigerfront