Boshaftes zu Weihnachten -- wer sich auf dem Weg zum Supermarkt durch mindestens einen Weihnachtsmarkt incl. Glühweinschwaden kämpfen muss, ist mit Sedaris' unbesinnlichen Stories zum Fest gut bedient. Auch wenn Anti-Weihnachtsgeschichten inzwischen nicht mehr der allerneuste Hut sind: Sedaris' Stories kratzen noch konsequenter an der Lebkuchenfassade der "Staden Zeit". Illusionen über die Grenzen des Weihnachts-Kommerz dürfte sich jedenfalls niemand mehr machen, der diese wunderbar fiese Sammlung gelesen hat.
Die Alltagsnöte und -freuden eines berufsmäßigen Ganztagszwerges im weihnachtlichen "SantaLand" von New Yorks größtem Kaufhaus ließen mich mitunter begeistert aufschreien -- diese Ansammlung völlig normaler, völlig durchschnittlicher und ebenso völlig durchgeknaller Zeitgenossen ist bestechend, während der Blick des rein professionellen Zwerges bemerkenswert unbestechlich bleibt: "Taking someone's picture tells you an awful lot, 'awful' being the operative word." Wie Schreckliches sich dem Zwerge offenbart, das sollte man aber selber lesen. Wunderbar auch der Weihnachts-Rundbrief einer familienseligen Glucke von Mutter, deren Familienglück empfindlich gestört wird -- durch die nicht unattraktive Tochter ihres Gatten, die dieser im Vietnamkrieg gezeugt hatte und die plötzlich hereinschneit und nun ihre betrüblichen Eigenschaften bedenkenlos auslebt. Was da beiläufig und fokussiert an Familienkatastrophen zutage kommt, geht auf keine Kuhhaut. Das Fest der Familie mal anders, wenn man so will. In den weiteren Stories geht's um Davids Begegnung der etwas anderen Art (Papas Weihnachtsgeschenk ist auch nicht mehr das...), um die ewig gleichen Krippenspiele, die ein überhaupt nicht gutwilliger Kritiker höchst professionell verreißt, um den erhöhten Bedarf kommerzieller Fernsehsender an aufsehenerregender Rührseligkeit und ihre Maßnahmen, um an den nötigen Stoff ranzukommen, und um die Folgen allzu enger Verquickung von Kommerz und Nachbarschaftsneid. Die beiden letzten, m.W. bis dato unveröffentlichten Stories, "Based Upon a True Story" und "Christmas Means Giving", übertreffen die anderen noch in ihrer geradezu amoklaufenden Fiesheit; hier rast der ganz normale Wahnsinn mit Karacho aus dem Ruder.
Zwei der insgesamt fünf Stories sind allerdings bereits in "Barrel Fever" enthalten, und eine in "Naked" -- da war der Autor offenbar etwas geschäftstüchtiger als die Protagonisten von "Christmas Means Giving". Tja. Abgesehen von dieser etwas indezenten Selbstvermarktung des Autors ist "Holidays on Ice" nicht das schlechteste Weihnachtsgeschenk für Leute, die Sedaris noch nicht kennen (Die, die ihn kennen, kennen leider die Hälfte der Stories bereits aus anderen Büchern) und die gegen allzu viel Glühweinbesinnlichkeit allergisch sind.
Wer Sedaris noch nicht kennt, sollte sich den Spaß nicht entgehen lassen und sich das Buch vorm Verschenken erst selber reinziehen -- und trotz der allfälligen Heiterkeitsanfälle keinen Spuren hinterlassen...
Na dann: Garstige Weihnachten allerseits!