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Hojoki: Aufzeichnungen aus meiner Hütte [Gebundene Ausgabe]

Kamo no Chomei , Nicola Liscutin


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Gebundene Ausgabe, 1997 --  

Kurzbeschreibung

1997
Erdbeben, Tsunami, Taifune – immer wieder wird Japan von Naturgewalten überfallen, die in ihrer ungeheuerlichen zerstörerischen Macht ganze Landstriche, Ortschaften und ihre Einwohner vernichten. In ihrer Berichterstattung bemühen ausländische Journalisten gerne Kamo no Chomeis Worte von der Flüchtigkeit des menschlichen Lebens und der menschlichen Behausungen, um ihr Entsetzen, insbesondere aber einen „typisch japanischen“ Stoizismus angesichts dieser Katastrophen zu beschreiben. Die Schreckensbilder, die uns in den vergangenen Wochen aus Japan erreichten, scheinen in der Tat den Chomei über achthundert Jahre früher skizzierten Naturkatastrophen verblüffend ähnlich. Die »Aufzeichnungen aus meiner Hütte« sind damals wie heute gleichermaßen aktuell. Japan im zwölften Jahrhundert. Großbrände, Wirbelstürme und Erdbeben haben die Hauptstadt Kyoto zerstört, Seuchen breiten sich aus, die Leichen der Verhungerten türmen sich an den Straßenrändern. Eindrucksvoll schildert der Mönch Kamo no Chomei (1155-1216) das Inferno und die Naturkatastrophen, von denen die Hauptstadt heimgesucht wird, das Elend und die Not der Menschen werden lebendig – »all diese Geschehnisse lehrten mich, die Mühsal, in dieser Welt zu leben, die Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des menschlichen Körpers und der menschlichen Behausungen zu begreifen.« Nach den Erfahrungen von Elend, Tod und Vergänglichkeit zieht sich Kamo no Chomei im Alter von fünfzig Jahren von Hof und Amt zurück, um ein Schüler Buddhas zu werden. Er kehrt der Welt den Rücken und baut sich in den Bergen eine schlichte Klause, in der er die »Aufzeichnungen aus meiner Hütte« beginnt. Er berichtet von seinem Einsiedlerleben in der Abgeschiedenheit, seine Gedanken kreisen um das Ideal des einfachen Lebens, um die Abkehr von den materiellen Werten und um die Frage, ob ihm in seiner kontemplativen Zurückgezogenheit die Überwindung der weltlichen Bindungen geglückt ist.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Ein zerrissener Eremit

Kamo No Chomeis «Aufzeichnungen aus meiner Hütte»

Erst eine Feuersbrunst, dann ein Wirbelsturm, schliesslich ein Erdbeben, dazu eine anhaltende Hungersnot mit Seuchenplage: Es ist ein apokalyptisches Bild, das der japanische Mönch Kamo No Chomei (1155–1216) in seinen «Aufzeichnungen aus meiner Hütte» zu Beginn des 13. Jahrhunderts von den über ihn und seine Landsleute hereingebrochenen Naturkatastrophen zeichnet. Und die Katastrophen der Geschichte sind nicht weniger zerstörerisch: der Niedergang des Kaisertums, in dessen Folge Kamo gesellschaftlich deklassiert wird, der Aufstieg des Shogunats zu Beginn der militanten Kamakura-Zeit, die mörderischen Kämpfe zwischen den Taira und den Minamoto . . . Für die buddhistische Geschichtsmythologie, die der christlichen an apokalyptischer Zuspitzung nicht nachsteht, ist es das «letzte Zeitalter» des Niedergangs, schreckliche 10 000 Jahre lang dauernd.

Aber so scheint dem Mönch der Verzicht auf die weltlichen Güter, die weltlichen Bindungen beim Auszug aus der höfischen Kaiserstadt Kyoto in die «Hauslosigkeit» leichtgemacht zu werden. Zunächst zieht er sich in eine noch relativ komfortable Eremitage, dann in eine weltabgeschiedene, karge Hütte zurück. Freilich, der innere Abschied von dem «Durst», der weiterhin an die Welt bindet, fällt dem Eremiten dann doch nicht so leicht. Paradoxerweise ist es ausgerechnet das Symbol des Verzichts, der Ort des Ausstiegs: die Hütte, an der nun das Herz hängt. Und wie verhält es sich mit der Kunst, die der weniger erleuchtete als weltflüchtige ehemalige Höfling weiterhin pflegt – mit der Poesie, der Tuschmalerei, dem Saitenspiel?

Wie stehen Ästhetik und Kontemplation prinzipiell zueinander? Kann auch die Kunst ein Heilsweg sein? Oder ist sie die letzte, sublimste Form des Verhaftetseins? Und wenn sie das ist, wie steht es dann um die Selbsterlösung, deren strapaziösen Anforderungen auch ein Mönch nur entgehen kann, wenn er sich des Buddhas als Lehrer einer Erlösung in eigener Verantwortung und Regie entledigt, um sich dafür der seligmachenden Kirche des Amida-Buddhismus in die Arme zu werfen? Kurzum: in der so schlicht anmutenden mönchischen Hütte spielt sich ein verwickeltes inneres Drama ab.

Das Buch, das dieses Drama mit den poetisch und psychologisch geradezu raffinierten «Aufzeichnungen» Kamo No Chomeis umreisst, ist einer der bisher besten und auch bibliophil schönsten Bände der «Japanischen Bibliothek» des Insel-Verlags, die eine oft gänzlich unbekannte Literatur in meist guten Übersetzungen und mit den notwendigen Kommentaren erschliesst. Der Haupttext ist knapp: Die Ästhetik der Reduktion, die nicht bloss Form, geschweige denn Technik ist, vielmehr eine Geste des Abstandnehmens, bestimmt das Bild. Ganz vorzüglich das Nachwort von Nicola Liscutin. Es skizziert die Biographie des Autors und den historischen Hintergrund. Die Spannungen, die Widersprüche der «Aufzeichnungen», die der westliche Leser bei der ersten Lektüre nicht ohne weiteres bemerkt, werden nachvollziehbar. Besonders erhellend – und aktuell – in neospiritistischen Zeiten die Darstellung der Konkurrenz zwischen der strikt auf die Autonomie der Selbsterlösung setzenden klassischen buddhistischen Lehre und der Mittlertätigkeit der neuen Kirchen und Sekten, die die Menschen zuallererst einmal erlösen wollen von den Beschwernissen der Selbständigkeit. Auch in stilistischer Hinsicht ist das Nachwort zu rühmen: Mit einer kongenialen Gabe der paradoxen Verknappung spitzt es die Spannung zwischen dem Haften an der Vergangenheit und dem Bewusstsein der Vergänglichkeit zu. Die Hütte als Ort der Befreiung – die Hütte als Ort des Sich-Verlierens.

Ludger Lütkehaus -- Neue Zürcher Zeitung


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