Ich gestehe: Das erste, was ich im "Spiegel" lese, ist der "Hohlspiegel" auf der letzten Seite; diese Rubrik, die handverlesene Stilblüten aus Presse, Funk und Fernsehen präsentiert. Schließlich erfährt man hier, was man sich in den kühnsten Träumen nicht vorgestellt hätte: Die Pharma-Abteilung von Hoechst lässt in bemerkenswerter Ehrlichkeit verlautbaren, man fabriziere "Dinge, die Sie mit tödlicher Sicherheit anwenden werden". Die St. Hubertus Schützenbruderschaft begründet ihren heurigen Erfolg nicht minder treuherzig; auch erfährt man, dass Jim Morrison noch lebt, denn wie sonst ließe sich das erklären: "der tote Rockstar klopft an die Kinderzimmer". Ein Olympiasieger bekennt seine Stärken ("gute Konzentration") und Schwächen ("Lasse mich zu oft ablenken"), auf der Südsee-Insel Palau braucht man sich nicht um Verständnisschwierigkeiten Sorgen machen, denn "bei den Älteren kommt man mit Japanisch gut durch"; und "außer dem Leibwächter wurden auf der Jagd noch 300 Moorhühner erlegt" -- und sowas will im Ernst mal König von England werden!
Kurz: Bahnbrechende Meldungen aus Politik, Technik, Wirt-, Gesell- und Wissenschaft, Technik, Kultur und Sport findet man hier, jede einzelne ein Genuss. Der von Manfred Weber herausgegebene "Hohlspiegel"-Band versammelt viele solche Geniestreiche aus Journalisten- und Annoncierer-Federn, und man liest das Feinste vom Feinsten aus 15 "Spiegel"-Jahren.
Ganz egal, wo man diese Spitzenauslese aufschlägt und zu lesen beginnt: Das Lachen wird sich keiner verkneifen können. Dieses Buch kann man nur in kleinen Portionen genießen, denn würde man's in einem Rutsch konsumieren, so bekäme der Begriff "sich totlachen" eine ganz neue, wortwörtliche Bedeutung.