Lenzens Drama stellt Welt dar, zeigt uns in vielen Facetten die Formen gesellschaftlichen Daseins und die damit verbundenen Probleme seiner Zeit. Dabei gestaltet sich das Drama so vielschichtig, so offen, bietet so viele Möglichkeiten der Interpretation, da es auf eine einsträngige Fabel verzichtet, daß man sich leicht auf Irrwegen verliert, andererseits in all den sich offenbarenden Widersprüchen, insbesondere sich im Hinblick auf den merkwürdig konstruiert wirkenden Schluß, nicht umhin kann, darin die Widersprüche einer realen Welt zu sehen, deren Äußerungen uns das Genie des Dichters in den verschiedenen Perspektiven näher zu bringen versucht. Hat man sich von der zu banalen Fabel der Verunglimpfung des Hofmeisterberufs verabschiedet, tut sich eine Welt auf, die einem vieles zu bieten hat, der man vieles abgewinnen kann, wenn nicht sogar zu vieles, wie die vielen Optionen des Zugangs belegen. Doch dieses Werk zu lesen ist ein Gewinn, denn es ist ein sozialhistorisches Dokument jener Zeit, das die Wiedersprüche und Probleme der ständischen Gesellschaft in all seinen Facetten zeigt, das Ringen des Einzelnen um seine Existenzberechtigung in solch einer Gesellschaft. Man kann sich in dieses Drama hineinfinden, seine natürliche Sprache und Struktur verschafft einem einen unmittelbaren Zugang, den man nur selten in den Dramen jener Zeit findet. Lenz gibt ein Zeugnis der komplizierten sozialen wie psychologischen Strukturen und Motivationen und zeigt den Menschen gefangen in äußerlichen Zwängen, gesellschaftlichen Determinationen, denen zu entkommen nur in einem merkwürdig, das Unnatürliche dieser Zustände in seiner Konstruktion enlarvendem Happy-End möglich wird. Lenz versäumt es nicht, in vielfältigen Sequenzen ein komplexes Bild anzudeuten, einen Ausschnitt eines großen Ganzen zu geben, auf dessen Mißstände er unaufrdinglich hinzuweisen versteht, er gibt damit ein „offenes Drama" par excellence. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)