Die strenge Kritik anderer Rezensenten kann ich nicht nachvollziehen. Ich fand diese Biographie ueber Hofmannsthal sehr interessant - zunaechst ist sie ein Zeitportrait, denn Hofmannsthal lebte im Wien des 19. und 20. Jahrhunderts, das ihn sehr praegte: er erlebte die Zeit der Salons, der langen Kleider, der aufwendigen Moebel, der aufregenden Theaterinszenierungen, der immer neu erscheinenden Kunst-Zeitungen... da er schon frueh emotional sehr gereift war, bewunderte man Hofmannsthals junge Gedichte als sehr tiefgehend und von musikalischer Sprache. In diesen jungen Jahren lernte Hofmannsthal dann auch George kennen, ein Verhaeltnis, das zeitlebens gespannt sein wuerde.
Hofmannsthal entwickelte sich zu einem grossen Theaterliebhaber und -autor, dem, wie Stefan Zweig auch, der europaeische Gedanke wichtig war; der die deutsche und spaeter vor allem oesterreichische Kultur greifen und bewahren wollte. In interessanten Diskussionskreisen mit Zweig, Rilke u.v.a. erarbeitete er sich langsam eine Bruecke zwischen Dichtung und Leben und das, was er fuer sich als Anspruch an Literatur und Kuenstlertum in sein Leben stellen und erarbeiten wollte.
Die Biographie stellt neben vielen gut ausgewahlten Fotos die Zeit, die Menschen und Hofmannsthal in einem grossen Bild nebeneinander, beschreibt Hofmannsthals Werke, erlaeutert, um was Hofmannsthal am meisten gerungen hat.
Ich finde diese Biographie wieder eine sehr gelungene rororo-Monographie und kann sie als Einstieg oder Uebersicht und Zusammenfassung in das Leben und Werk Hugo von Hofmannsthals sehr empfehlen.