Ein gelehrtes Werk, akribisch recherchiert, mit fast unzähligen Fussnoten und grossem wissenschaftlichen Apparat.
Eine Familiensaga wie Ron Chernows "The Warburgs" ist es nicht. Es liest sich nicht leicht, über die fast schon Manie zu nennende Verwendung des Modeworts "Netzwerk" muss man hinwegsehen, auch, wenn es schwerfällt.
Das Buch will anhand der Familie Itzig auf "Hofjuden und Kulturbürger" eingehen. Dies scheint, soweit es das Thema Kulturbürger betrifft, gelungen zu sein. Zum Thema "Hofjuden" hätte ich mehr erwartet. Was hat denn Daniel Itzig in dieser Funktion vollbracht? Was hat er wem wie und wann finanziert? Welche Leistungen hat er seinem Dienstherren erbracht, wie wurden diese von der Bevölkerung wahrgenommen?
Die Hofjuden galten als "Aristokratie" unter den Juden Deutschlands jener Zeit. Warum? Wieso? Was unterschied sie?
Eine einfache Internet-Recherche bringt wesentliche Gesichtspunkte, die das Bild ergänzen.
Alles in allem aber ein Buch, welches anregt, sich mit den umfassenden Quellen je nach Interessengebiet näher zu beschäftigen. In diesem wundervollen Steinbruch muss man nur die Wahl treffen, um das, was einem fehlt, zu ergänzen. Wenn dies gelingt, dann hat man auch vielleicht die Wärme des familiären Zusammenhangs in einer spannenden Umwelt, einer Umwelt des Aufbruchs, der Aufklärung, die mit der Tradition nicht unbedingt pfleglich umgeht.