Diese Platte kenne ich seit 1964. Im Wartezimmer meines Hausarztes Dr. Buchtala entdeckte ich per Zufall eine Rezension von Siegfried Schmidt-Joos (vgl.
Jazz. Gesicht einer Musik.,
Rock-Lexikon 1,
Rock-Lexikon 2), in der die LP sehr positiv gewürdigt wurde.
Wenig später fragte mich Ute K., die Freundin meiner Jugendliebe Ursula R., was sie denn ihrem Liebsten Bernd G., einem Organisten und einem meiner Lieblingsmitschüler, zum Geburtstag schenken könne. Durch die Besprechung präpariert, ja geradezu prädestiniert, empfahl ich ihr spontan "Hoffmann's Hammond Tales". Und so kam diese Musik auch in mein Leben, freilich nur tangential. Ich hatte Gelegenheit, sie ein oder zweimal bei Bernd zu hören, kaufte sie aber, anders als "From twen with Love", die 1966 erschien, niemals. ("From twen with Love" ist vollständig zu hören auf
Hammond Bond (Jazz Club), wenn auch nicht in der ursprünglichen Titelreihenfolge und ergänzt durch drei Titel aus "Hoffmann's Hammond Tales".)
Ingfried Hoffmann (* 1935 in Stettin) habe ich dann auf vielen Platten von Klaus Doldinger gehört, zu dessen Quartett er viele Jahre gehörte. (Vgl.
Early Doldinger - The Complete Philips Sessions.)
Mehr als 4 Jahrzehnte lang habe ich versucht, diese Schallplatte zu bekommen, in Second-Hand-Shops und über ebay. Bei ebay war ich einmal ganz nahe dran, 35 EUR hatte ich geboten, aber dann wurde ich von einem anderen Bieter mit 40 EUR aus dem Spiel gekegelt.
Nun aber hat mein Sehnen und Harren ein Ende gefunden - seit dem 14. Mai besitze ich die Aufnahmen, digitally remastered.
Das Programm ist sehr abwechslungsreich. Drei Titel sind von Hoffmann ("Soul Twist", "Midnight Bossa Nova" und "Ingfried's Blues"), ein Stück stammt von Rolf Kühn ("TV-Swing"), zwei Stücke stammen aus dem Great American Songbook ("Lady Be Good" von George Gershwin und "Love For Sale" von Cole Porter), "Jada" wurde von Bob Carleton geschrieben, und der Rest ("Au claire de la lune", "Black Is The Color Of My True Love's Hair" und "It's A Long Way To Tipperary") sind Traditionals.
Abwechslung kommt auch ins Spiel dadurch, dass Hoffmann auf "Au claire de la lune" und "Midnight Bossa Nova" per Overdubbing Orgel u n d Klavier spielt. Besonders reizvoll ist dies auf "Au claire ...", weil Orgel und Klavier sich hier in unterschiedlichen Tonarten bewegen. Die Ballade "Black Is The Color Of My True Love's Hair" wird nur von Klavier, Bass und Schlagzeug intoniert.
Weiterhin sind die solistischen Beiträge des aus Belgien stammmenden Gitarristen René Thomas (1927 - 1975) mehr als nur Dreingabe. Die Gitarrenstimme ist der essentielle Kontrapunkt zur Orgelstimme, besonders in der Kollektivimprovisation in "Jada". (Larry Coryell und John McLaughlin haben Thomas mit "René's Theme" (auf Coryells
Spaces ein Denkmal gesetzt.)
Schließlich sind dass Bassspiel Helmut Kandlbergers und Klaus Weiss' mal einfühlsames, mal kräftiges Spiel auf Becken und Trommeln mehr als einer bloßen Erwähnung wert. Beide waren damals feste Mitglieder in Doldingers Quartett, so dass man die Besetzung als "Klaus Doldinger Quartet, Thomas substituting for Doldinger" charakterisieren könnte. Klaus Weiss war damals blutjung, gerade 21 Jahre alt.
Wer Jazz auf der Hammond B3 mag und wer sich für Jazz in Deutschland interessiert, muss diese CD kaufen und hören.
Leider zog sich Ingfried Hoffmann 1970 vom Jazz zurück und ist seitdem fast nur noch als Komponist und Arrangeur tätig. Er schrieb Musik für "Das Phantom der Oper", für die deutsche Version der "Sesamstraße", für "Hallo Spencer" und für die Fernsehserie "Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt". Seine Verdienste als Jazzmusiker in Deutschland werden dadurch nicht geschmälert.