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Hoffmann oder Die vielfältige Liebe: Eine Romanze
 
 

Hoffmann oder Die vielfältige Liebe: Eine Romanze [Kindle Edition]

Peter Härtling
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Wer wollte schon einen Roman über einen zufriedenen Menschen lesen, der -- fest eingefügt in die bürgerliche Ordnung -- brav sein Leben abspult. Das Dasein Ernst Theodor Amadeus Hoffmanns gibt da schon ein ungleich besseres Stöfflein ab, vor allem seine Bamberger Jahre, die er selbst eine "Unglückszeit acherontischer Finsternis" nannte: Er arbeitet an dem kleinen Theater (das heute stolz seinen Namen trägt), verkracht sich als Kapellmeister aber rasch mit dem Orchester. Und auch mit seinen Kompositionen hat er kaum Erfolg. Um sich und seine polnische Frau Michalina leidlich über Wasser zu halten, muss er den Töchtern der Bamberger Gesellschaft als Gesangslehrer dienen. Aber was heißt "muss" -- hat Hoffmann doch eine starke Schwäche für schöne weibliche Stimmen, wenn sie noch dazu anmutigen Körpern entströmen. Vor allem die blutjunge Julia hat es ihm angetan und er verrennt sich leidenschaftlich in eine aussichtslose Verliebtheit.

Peter Härtling hat sein Einfühlungsvermögen in das Leben großer Künstler bereits mehr als einmal bewiesen (z.B. in Schubert oder Hölderlin). Auch bei E.T.A. Hoffmann ist ihm dies glänzend gelungen: In einem eher trocken-witzigen Stil folgt er dem umtriebigen Genie durch die Wirrungen seiner schwierigen Existenz zu einem Zeitpunkt, als seine Dreifachbegabung als Maler, Komponist und Schriftsteller noch keine Anerkennung findet und sich Hoffmann allzu oft zum Rotwein und in seine Liebesfantasien flüchten muss. Und doch war Bamberg und die unerreichbare Julia die große Inspiration Hoffmanns, die ihn bald zum Erfolgsautor machen sollte. Hoffmann oder die vielfältige Liebe schildert aufs Eindrücklichste die eigenartigen und zugleich wundervollen Bedingungen der Kunst, wo das Unglück, gerade in der Liebe, eigentlich ein Glück ist -- vor allem für uns Leser, wie auch Härtlings exquisiter kleiner Künstlerroman beweist. --Christian Stahl

Neue Zürcher Zeitung

Härtlings Erzählungen

Diesmal über E. T. A. Hoffmann oder «Die vielfältige Liebe»

Liebesgeschichten sind eine Frage des Geschmacks. Dies zu betonen, ist im Falle Peter Härtlings deshalb angezeigt, weil der Autor seit Jahrzehnten sein ergebenes Publikum besitzt, das jedes neue Buch mit Sympathie zur Kenntnis nimmt. Die braucht es auch, um Härtlings neueste «Romanze» zu goutieren, die sich dieses Mal den Poeten E. T. A. Hoffmann als Sujet ihres erzählerischen Furors ausgeguckt hat.

Härtling hat sich Hoffmanns sogenanntes «Julia-Erlebnis», seine unglückliche Liebe zur blutjungen Bamberger Gesangselevin Julia Marc, zum Thema eines biographischen Romans erkoren, der den Anspruch suggeriert, E. T. A. Hoffmanns künstlerischem «Erweckungserlebnis» auf der Spur zu sein. Es sei allein die Julia-Liebe, die dem Dilettanten Hoffmann jene dichterischen Flügel habe wachsen lassen, die ihn endlich in den Kreis der Klassiker erhoben hätten, ist die Botschaft, die das Buch im Brustton einer Offenbarung kundtut.

Ein Romanstoff, wie ihn sich kein Autor schöner wünschen könnte. Die banale Wirklichkeit dagegen: Hoffmann war ein Spätentwickler. Erst im Alter von 33 Jahren gibt er mit dem «Ritter Gluck» sein literarisches Début. Zuvor entstehen allerhand Kompositionen, denen der Erfolg versagt bleibt, dazu eine Reihe Zeichnungen und Karikaturen. Nicht zu vergessen, dass Hoffmann seinen Brotberuf als Kammergerichtsrat durchaus ernst nimmt. Ein Inspirationsmythos also, der dem Biographen die seelenvolle Feder führt.

Dagegen wäre nichts zu sagen, träfe der Roman nur halbwegs E. T. A. Hoffmanns Wesen. Jener Hoffmann aber, wie ihn Peter Härtling schildert, ist ein trauriger Exzentriker, ein Spiesser wider Willen zwischen Sex und Suff. Von diesem Würstchen wird zwar immer wieder plakatiert, in seinem Kopfe spielten sich die kühnsten Kunstgeburten ab, allein es wird erzählerisch nicht glaubhaft. Das hat mit der Folie, eben Hoffmanns eigener skrupulöser Produktion, zu tun. Im Gegensatz zu Härtling, der mit seinen Helden stets auf Duzfuss steht, liegt E. T. A. Hoffmanns Stärke darin, dass er den eigenen Geschöpfen weder unziemlich auf die Pelle rückt noch ihnen irgendwelche «Anliegen» aufs Auge drückt, wie sie für Härtlings biographische Romane typisch sind.

E. T. A. Hoffmanns Markenzeichen aber – wofür Härtling nicht den Funken sympathischen Gespürs besitzt – ist sein Sinn für Ironie, sein Kobolz schlagender Humor, sein mörderischer Realismus. Seine Phantastik zeichnet jene Bodenhaftung aus, die Härtlings empfindsamer Suada schmerzlich abgeht – es kommt nicht darauf an, heisst es im «Goldenen Topf», im idealen Reich Atlantis unbedingt ein Rittergut zu besitzen; «wenigstens einen artigen Meierhof als poetisches Besitztum [unseres] innern Sinns» bekomme jeder ab, der ein dafür empfängliches Gemüt besitze. Notabene: Um genauso viel wie der gewiss verbürgten Julia-Liebe könnte es dem ebenso verbürgten Punschgenuss zu danken sein, dass E. T. A. Hoffmann unvermeidlich irgendwann zu seinem dichterischen Höhenfluge abhob.

Damit aber steht und fällt die Konstruktion der Härtling'schen «Romanze». Jener Schein von Authentizität, den Härtling intendiert – und der mit Lieschen Müllers Vorstellung vom Bürgerschreck, Erotomanen und «verrückten Künstler» konvergieren dürfte –, ist ein Oberflächenphänomen. «Hoffmanns Erzählungen» – die kongeniale Oper Offenbachs mit eingerechnet – leben von der Spannung, die dem «Missverhältnis des inneren Gemüts mit dem äusseren Leben», wie es Hoffmann nennt, entspringt, und eben dieses Missverhältnis gerät Härtling, der das innere Gemüt so hohl wie das marode äussere Leben knallig schildert, zum pedantischen Klamauk. Solch schlechtromantische Manier verkürzt das heikle Innenleben Hoffmanns, in dem sich die Musen mit den Furien nächtens ihre Maskenbälle geben, auf die alberne Grimasse vom nervösen «Zappler», Letzteres zumal im Bett.

Peter Härtling schreibt seit dreissig Jahren an demselben einen Buch. Ob Lenau, Hölderlin, Franz Schubert oder Robert Schumann, immer kriecht er seinen Helden schnurstracks in die Eingeweide und damit den eigenen Mystifikationen pfeilgrad auf den Leim. Sein grösster Fehler ist vielleicht: Er will zu viel. Zu viel an Einfühlung, an Poesie, an Nähe. E. T. A. Hoffmann aber ist ein Intimus der Widerspenstigkeit, ein Doppelgänger der ironischen Distanz. Hiesse der Held des Buches Hinz und Kunz, es wäre vielleicht inspiriert. E. T. A. Hoffmann freilich hängt die Latte hoch. Gedenken wir denn seiner schwärmerischen Huldigung mit Nachsicht.

Erika Deiss


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Neugier auf mehr 18. September 2001
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe seit langem keine Biographie gelesen, die mir mehr Vergnügen bereitet hat. Die Zerrissenheit und die Launen Hoffmanns sowie seine Selbstzweifel, seine Arroganz und seine Probleme mit der spießigen Umwelt, die Härtling wunderbar beschrieben hat, haben mir den Autor menschlicher gemacht. Mittlerweile lese ich freiwillig all die Romane und Erzählungen, die in der Schule Pflichtlektüre waren. Sie gefallen mir sehr, weil ich in den Romanen und Erzählungen Bruchstücke des Lebens Hoffmanns erkenne und dadurch manches besser verstehe.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Sprachlich einwandfrei beschreibt Härtling einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben Hoffmanns, seiner Bamberger Zeit. Neugierig ist man schon auf die Beziehung mit der im Roman meist fünfzehnjährigen Julia. Letztlich gibt die Beschreibung dieser Beziehung aber nicht soviel her, wie die nur am Rande genannten anderen amurösen Abenteuer, oder die Auswirkungen seines Lieblingsweines. Irgenwie hätte man sich gewünscht noch mehr über den Komponisten und Maler Hoffmann zu erfahren. Das Buch ist also nicht geeignet Hoffmanns Leben darzustellen, vielmehr ist es ein Beziehungsroman, der nur zufällig Hoffmanns Lebensausschnitt zum Thema hat. Wenn das beabsichtigt sein soll, bzw. wenn man sich damit abgefunden hat, genießt man die wirklich schöne, weil einfache Sprache.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Wie in anderen Romanen ("Waiblingers Augen", "Hölderlin") legt Peter Härtling auch hier ein überaus sensibles, kluges, kongeniales Portrait eines romantischen Dichters vor. Im Mittelpunkt des Romans stehen E.T.A. Hoffmanns Bamberger Jahre (1808-13), die wiederum vor allem um Hoffmanns Liebe zu seiner Gesangsschülerin Julia Marc kreisen. Was in diesem Zusammenhang mit Liebe gemeint ist, wird zu einem Hauptthema; denn wie kaum ein anderer Künstler hat Hoffmann die Paradoxie der romantischen Liebe in seinem eigenen Leben ausagiert. Die Liebe ist bei ihm ein sich selbst reflektierendes Gefühl, poetisches Produkt des eigenen Ich, eigentlich eine Spielart des die Hoffmannschen Werke durchziehenden Doppelgänger-Motivs; dabei mit den höchsten Ansprüchen und Erwartungen verknüpft, von Anfang an zum Scheitern verurteilt und die Möglichkeit wirklicher menschlicher Nähe von vornherein ausschließend.
Die Liebe zu Julia ist ein zentrales, aber keineswegs das einzige wichtige Thema in Härtlings Roman. Dem sprunghaft-assoziativen Geist seines Protagonisten entsprechend ist es verflochten mit zahlreichen anderen Themen und Motiven. Wichtig sind unter anderem die Entstehung der literarischen Frauenfiguren, in die Julia verwandelt wird (oder aus denen sie verwandelt wird ...); Hoffmanns Freundschaft mit dem Hund Pollux und dessen Verwandlung in den literarischen Hund Berganza; Hoffmanns Verwandlung in den Kappellmeister Kreisler; seine Schwierigkeiten, im provinziellen Bamberg Fuß zu fassen und seine künstlerischen Ideen zu verwirklichen; und nicht zuletzt Hoffmanns Ehe mit Maria Thekla Michalina Rorer-Trzynska, genannt Mischa, die ein der "romantischen Liebe" entgegengesetztes Liebeskonzept verkörpert, die liebt ganz ohne Idealisierung, aufopferungsvoll, langmütig, geduldig bis zum Tod ihres sie oft brutal vernachlässigenden Ehemanns. Nicht zuletzt ihr - der auch der letzte Satz dieses wunderbaren Romans gilt - hat Peter Härtling hier ein kleines Denkmal gesetzt.
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