Punkt 1: Ein schönes Buch! Es fühlt sich gut an, der feste Einband, das Papier - da freut man sich, dass es neben Paperbacks auch gebundene Bücher gibt. Auch Schrift und Satz machen Freude, ein Wohltat fürs Auge.
Punkt 2: Herman Vinke gliedert anhand des Briefwechsels. Das erleichtert die Aufnahme des Inhalts. Es ermöglicht auch, Informationen mit einzubauen, die sich aus dem Briefwechsel selbst nicht unmittelbar erschließen
Punkt 3: Vinke zitiert und fasst zusammen. Am Anfang war ich unschlüssig, ob ich mich darauf einlassen sollte. Der Vorteil ist aber dann bald klar: die Briefquellen sind nicht so ping-pong-mäßig, dass eins aufs andere folgt oder reagiert. Da gibt es Sprünge und Lücken, die Vinke auf diese Weise 'füllt'.
Punkt 4: Es geht um mehr als Sofie Scholl und Fritz Hartnagel. Aber schon von Fritz Hartnagel mehr zu erfahren, ist ein Gewinn - ein Soldat und Offizier der anderen Art. Vinke bezieht die Familien mit ein und auch andere Mitglieder der Weißen Rose. Denn das darf man nicht vergessen: Sofie Scholl ist nicht die Weiße Rose - wenn auch gewiss ihr prominentestes Mitglied.
Punkt 5: Insgesamt baut Vinke ein Panorama, das das Große und Ganze im Kleinen zeigt. Dieses Buch 'erklärt' mehr - anders, konkreter z.T. - als andere Bücher über die Nazizeit. Eigentlich wäre es im besten Sinn ein hervorragendes Schulbuch (weil es eben keines sein will).
Sehr verdienstvoll: es endet nicht mit dem Tod von Sofie Scholl, sondern verfolgt die Geschichte über das Kriegsende hinaus.
ps: Das Nachwort sollte man als erstes lesen. Es erklärt die Vorgehensweise und auch einige Konventionen. Was ich nicht verstehe: Sofie scholl hat ihren Namen immer mit 'f' geschrieben, gleichwohl hat sich die Schreibweise mit 'ph' durchgesetzt. Ich verstehe nicht, dass Vinke nicht die Gelegenheit nutzt - wenn er schon darauf hinweist - , Sofie Scholl ihren Namen 'zurückzugeben', wie sie ihn für sich hatte.