"There are Fifty Ways to Leave Your Lover", wusste Paul Simon in den 70ern, und selbst heute gibt es verschiedenerlei probate Tricks, einen Raum und alles, was an Vergang'nem und Abgelebtem darinnen ist, in aller Leichtigkeit zu verlassen.
Zu beginnen waere fuer den Rezensenten, der ich nicht bin, dort, wo die Geschichte ihren Anfang nimmt. Es ist dieses die Geschichte von Leon und Lea, aber nicht nur. Leon nimmt Anlauf und landet bei..., nein, nicht bei Buechner. Diese hier ist irdischer und physischer. Aber seh'n Sie selbst: Selbst ist der Leser und ist die geneigte Leserin, nicht wahr?
Dies sind die wunderwitzigsten Hochzeitsvorbereitungen, von denen bislang zu lesen war, sagt einer, der sie realiter und schulmaessig zweimal schon hinter sich brachte. Ein munteres und weises Buch, das mir in diesem spaeten Sommer auf den Tisch kam, amuesant, stilsicher, handwerklich versiert, gewitzt, von grosser Lakonie, voller brillanter Dialoge, seien sie nun gesprochen oder in den Raum oder ins Schaedelinnere hineingesponnen. Marcus Braun verfuegt ueber glaenzende erzaehlerische Mittel und ueber ein wunderbares Personal und ueber die Sprache, uns fuer seine Figuren einzunehmen. Fast auch will es mir scheinen, als sei er, Marcus Braun, bei Maître Truffaut in die Lehre gegangen, so filmisch und mitunter einen Antoine Doinel der 90er Jahre gebend kommen sein Held und dessen Geschichte daher, nur dass unser Leon (ungleich Léaud oder Antoine Doinel) keine Rosen einfaerbt oder sich anderen Tagtraeumen ergibt, sondern uns und mir en passant und praktischerweise erklaert, was es mit, sagen wir, Boccaccino auf sich hat und welcher kleiner Listen und Schliche sich die Frauen im Sueden wie im Norden bedienen - wer wuesste dies nicht gerne! -, aber auch, was Ratten - ueberraschend genug - am liebsten fressen. Ich waere nie draufgekommen. Und ich muss schon sagen, "seine" Ratten sind Humoristen in Reinkultur...
Unser Held also, des Tags als Zivi in den blautextilenen Kosmos der Zentralsterilisation eines Krankenhauses gezwungen und des Nachts vor allem seine Kenntnisse des wirklich Wichtigen verfeinernd, uebersteht Amouren und Karambolagen und allersuesseste Anfechtungen und auch - wenn er's denn alleine tat - fuenf Flaschen Igeler Dullgarten auf einmal, was mir Respekt abnoetigt, was immer dieser Igeler Dullgarten sei, ein hoffentlich kein Stachelbeerkaltgetraenk!, und stellt genau die klugen Fragen, auf die wir nie verfallen waeren.
Natuerlich wird hier unser aller 'amour fou' verhandelt, der allein einen zum Manne macht, selbstredend aus einer selbstironischen maennlichen Perspektive betrachtet, doch verraten sei hier erst einmal nix. Was auch passierte, um den ist mir nicht bang.
Nicht notwendig zu sagen, dass Braun's Frauen zum Wirklichsten und zum Schoensten zaehlen, was ein Roman aufzubieten hat.
Marcus Braun, man muss ihn loben, nahm Anlauf und landete jetzt - so empfinde ich's - einen literarisch grossen Wurf, was ihm seit langem zu wuenschen war. Was denn auch gesagt werden musste.