So sieht das jedenfalls Frieder Schulz(Christian Ulmen) Vater. Frieder wird Geschäftsführer in diesem wilden Land. Damit ist allerdings nicht der Kongo gemeint, sondern Polen. In einem kleinen Kaff leitet Frieder die Filiale der Firma vom Vater seines besten Freundes Jonas(Fabian Hinrichs), mit dem Frieder früher in der Rockband "Heide Hurricane" spielte. Seit drei Jahren ist die Band Geschichte und Frieder ist für die anderen Bandmitglieder zum ausgewanderten polnischen Spießer mutiert. Doch Frieder fühlt sich wohl. Er will Gosia(Kasia Maciag), seine wunderschöne polnische Freundin heiraten und dann ein glücklicher, zufriedener Pole werden. Aber das Schicksal spielt da nicht ganz mit. Zunächst einmal soll die Filiale geschlossen und in der Ukraine wieder eröffnet werden. Aber das traut sich Frieder den Arbeitern nicht zu sagen. Dann ist da noch die Hochzeitsfeier. Als am Vorabend der Feier Frieders alte Bandkollegen in Polen erscheinen, nimmt das Unglück ungehindert seinen Lauf. Geschmiert wird es mit alten Feindschaften, Klischees, jeder Menge Alkohol und gnadenlosen Missverständnissen...
Lars Jessen hat mal wieder zugeschlagen. In seiner ganz eigenen Art inszenierte er -Hochzeitspolka-. Das wirkt manchmal etwas hölzern und schlicht, ist immer realitätsnah, puristisch, norddeutsch, witzig, tragödienhaft und abenteuerlich. Die Kulisse verströmt das Flair der 70er Jahre und Jessen baut in die polnische Story sogar noch einen US-Indianer ein, ohne dass uns das stören würde.
Die Besetzung des Films ist wirklich gut. Christian Ulmen spielt die Figur, die er am besten drauf hat: Den liebenswerten Trottel, der am Ende doch irgendwie die Kurve kriegt. Alle Nebenrollen passen wie die Faust aufs Auge. Die oft eingeblendeten Untertitel sind manchmal etwas anstrengend, sorgen aber andererseits dafür, dass man wunderbar mitbekommt, wer wen wieder mal falsch versteht. Wie Jessen dabei die deutsch/polnische Vorurteils- und Klischeekiste ganz weit aufmacht, ist so interessant wie unterhaltsam.
Mein absolutes Highlight des Films war die Trunkenheitsfahrt im Polizeijeep mit integrierter Spurensuche. Aber auch ansonsten habe ich mich ordentlich unterhalten lassen. Man muss schon ein wenig auf schräge Filme stehen, um sich voll und ganz für -Hochzeitspolka- begeistern zu können. Vielleicht versuchen sie es einfach mal...