Von dem weltberühmten Religionswissenschaftler Mircea Eliade hatte ich bisher nur den von Francis Ford Coppola verfilmten Roman
Jugend ohne Jugend: Roman (suhrkamp taschenbuch)gelesen, der mich aufgrund seines fantastischen Themas reizte.
Umso überraschter war ich von Eliades Roman "Hochzeit im Himmel",der mich in seinen sensitiven und detaillierten Beschreibungen sehr an Dostojewskij erinnerte, obwohl Eliade, wie die meisten Rumänen, eine eher direkte, unverblümte Sprache benutzt.
Einmal angefangen, wurde ich umgehend in die Gefühlswelt des Protagonisten Mavrodin gesogen und unterlag ebenso wie dieser der seltsamen Faszination jener Zeit - Bukarest der 30er Jahre -als auch der einzigartigen, vollkommenen Liebe, die gleich einem Engel in Mavrodins zufriedenes Leben schwebt und ihn auf verhängnisvolle Weise aus seinen gewohnten Bahnen wirft.
Obwohl eine reine Liebesgeschichte, (genauer gesagt: zwei, denn es sind zwei Freunde, die sich in einer kalten Nacht in den Bergen gegenseitig von der Liebe ihres Lebens erzählen) erhält man gleichzeitig Einblick in das gesellschaftliche Leben der wilden 30er und bekommt als Mensch, der diese Zeiten nicht miterlebt hat, eine Ahnung von der Dekadenz, die in den sogenannten besseren Kreisen herrschte, und des daraus fast zwangsläufig resultierenden Zerfalls der damaligen Gesellschaftsordnung. Diese Geschichte hätte ebenso in Paris spielen können und unterstreicht die westliche Orientierung des alten Bukarests ebenso wie dessen einstige Bedeutung in diplomatischen Kreisen.
Eine herrliche Gesellschaftsstudie und überraschend modern anmutende Liebesgeschichte mit phantastischen Momenten in einem. Unbedingt empfehlenswert!